„Klimafreund(lich)“
Mit Tuppertöpfen an die Theke

Ahlen -

Kunden dürfen im Edeka Kempermarkt ihre eigenen Schüsseln für Wurst und Käse mitbringen. Das kommt gut an beim Verbraucher, der Verpackungsmüll vermeiden will.

Montag, 17.06.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 18.06.2019, 08:38 Uhr
Melissa Calabro freut sich, dass die Kunden immer häufiger ihre eigenen Schüsseln mitbringen.
Melissa Calabro freut sich, dass die Kunden immer häufiger ihre eigenen Schüsseln mitbringen. Foto: Sabine Tegeler

Wer mit Markus Scholz über Klimaschutz und Kundenverhalten spricht, findet sich schnell im großen Rundumschlag wieder: Der Geschäftsführer des Edeka Kempermarkts hat sich reingearbeitet in die Materie. Er schlägt den Bogen von der eigenen Wursttheke hinein in die große Politik und vom Angebot in den Ahlener Regalen zur globalen Wirtschaft.

Ja, sagt er, er wisse schon, dass es im Kleinen anfange. Deswegen dürfen in seinen Läden die Kunden ja auch mit eigenen Schalen und Schüsseln kommen – für Wurst, Fleisch und Käse, die dann eben nicht mehr mit extra viel Zellophan und Tüten umhüllt werden müssen. Um allen Hygienevorschriften dennoch gerecht werden zu können, reichen die Fachkräfte hinter der Theke ein Tablett, auf dem der Kunde seine Schüssel platziert. Die gewünschte Ware wird abgewogen, in die Schüssel gelegt und alles auf dem Tablett wieder zum Kunden rübergereicht. Der klebt den ausgedruckten Preisbon selbst auf die Schüssel.

Markus Scholz wünscht sich mehr Wertschätzung für Lebensmittel.

Markus Scholz wünscht sich mehr Wertschätzung für Lebensmittel. Foto: Sabine Tegeler

Etwa ein Drittel der Kunden nutzt diese Möglichkeit, schätzt Melissa Calabro. „Die Leute finden das richtig gut“, freut sich die Auszubildende über die gute Resonanz: „Es werden auch immer mehr.“ Allerdings, das schiebt die junge Frau auch noch hinterher: „Es sind mehr die Älteren, die das machen.“

Ein Stichwort für Markus Scholz: „Nur etwa vier Prozent der Unter-30-Generation geht an die Bedientheken.“ Ein Ärgernis für ihn, der immer propagiert, dass Klimaschutz und Umweltbewusstsein auch bedeute, „da einzukaufen, wo Menschen arbeiten“. Scholz zeigt‘s im wahrsten Sinne des Wortes plastisch: Wurstwaren aus dem Selbstbediener-Abteil, industriell verpackt, sorgen in einem Durchschnittshaushalt für jede Menge Verpackungsmüll.

Nur etwa vier Prozent der Unter-30-Generation geht an die Bedientheken.

Markus Scholz

Zusammen mit seinem Partner Matthias Kemper setzt Markus Scholz auf regionale Produkte in Mehrwegverpackung: „Dann höre ich oft: Mehrweg – das ist so kompliziert. Aber zu wissen, wie lange mein Handyakku noch hält, ob ich noch eine Powerbank brauche und wo ich die laden kann, das ist nicht kompliziert?“ Richtig echauffieren kann sich der Geschäftsführer. Auch darüber, dass für teure Elektronik immer genug Geld da ist, am Essen aber gespart werde: „Die Deutschen geben gerade mal 8,6 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus.“ Mit Wertschätzung habe das nicht mehr viel zu tun.

Ja, die regionalen Produkte oder das Fleisch aus artgerechter Haltung seien eben teurer. Andererseits fänden sich in seinen Regalen natürlich auch die günstigen Produkte, die der Kunde nachfrage. „Aber die stelle ich eben nicht so in den Fokus.“

Markus Scholz plädiert für einen ausgewogenen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema, Ökodiktatur ist ihm suspekt. Und er mahnt auch, dass neben allem ökologischen Denken die wirtschaftlichem Aspekte nicht vergessen werden dürfen.

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