Rathaus und Stadthalle
Architekten stellen Neubaupläne infrage

Ahlen -

Aus Sicht der Ahlener Architekten sprechen mehr Gründe für eine Erhaltung und Sanierung des Rathauses (Plan A) als für einen Neubau (Plan B). Das verdeutlichten Silke Anna Linnemann, Stefanie Schürmann, Christian Tripp, Agnes Weber, Carsten Heitfeld und Matthias Blume – Hartmut Rogalla ließ sich wegen Urlaubs entschuldigen – am Montagabend im Konferenzzentrum der Lohnhalle auf der Zeche.

Dienstag, 18.06.2019, 21:00 Uhr
Die Verwaltungsspitze mit Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Stadtbaurat Andreas Mentz und Kämmerer Dirk Schlebes (erste Reihe, v.l.) musste sich bei der gut besuchten Veranstaltung am Montagabend in der Lohnhalle viele kritische Fragen anhören.
Die Verwaltungsspitze mit Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Stadtbaurat Andreas Mentz und Kämmerer Dirk Schlebes (erste Reihe, v.l.) musste sich bei der gut besuchten Veranstaltung am Montagabend in der Lohnhalle viele kritische Fragen anhören. Foto: Peter Schniederjürgen

„Wir sind auf eine Reihe von Unstimmigkeiten gestoßen“, sagte Silke Anna Linnemann in ihrer Anmoderation. Im Vorfeld der Veranstaltung hätten die Architekten der Verwaltung einen Fragenkatalog geschickt, der aber aus ihrer Sicht nicht ausreichend beantwortet worden sei. Deshalb habe sich die Gruppe entschlossen, eine eigene Veranstaltung durchzuführen. Gegenüber der „AZ“ merkte Linnemann an, dass der Bürgermeister den beantragten Ratssaal nicht zur Verfügung gestellt habe.

Plan A beanspruche deutlich weniger Fläche, stellte Christian Tripp fest, der die bestehende städtebauliche Qualität als überzeugend beschrieb. Über den vorgesehenen Neubau des Rathauses auf dem bisherigen Rathausparkplatz lasse sich bislang nicht mehr sagen, als dass ein vier- bis fünfgeschossiger Funktionsbau vorgesehen sei. Tripp sprach sich dafür aus, bei Realisierung des Neubaus eine architektonisch qualitätvolle Lösung in Verbindung mit dem Kunstmuseum anzustreben. Als nachteilig wurde es von Stefanie Schürmann empfunden, dass es bei den vorliegenden Planskizzen lediglich um eine Layoutplanung handle, was einen direkten Vergleich von Plan A und B schwierig mache. Sie forderte, vor der Entscheidung eine Bedarfs- und Potenzialanalyse durchzuführen.

Gegen einen Neubau von Rathaus und Bürgercampus spricht nach Ansicht von Matthias Blume, dem einzigen Ingenieur in der Gruppe, die notwendige Pfahlgründung für beide Neubauten. Diese habe sich bereits beim Bau des jetzigen Rathauses als problematisch erwiesen und berge bei Neubau aufgrund des Fließsandes unbekannte Risiken, die sich statistisch belegen ließen und die bislang nur grob geschätzten Kosten deutlich erhöhen könnten. Kostensteigerungen bei derartigen Ar­beiten von 30 bis 40 Prozent seien derzeit keine Seltenheit.

Agnes Weber führte aus, dass sich das jetzige Rathaus bei einer vollständigen Entkernung energetisch mit dem Standard eines Nullenergie-Hauses sanieren und sich die neue Fassade mit einer Photovoltaik-Anlage ausstatten ließe, die je nach Größe bis zu 130 000 Kilowattstunden Strom erzeugen könne. Zudem führte sie den Nachweis, dass der von den Gutachtern berechnete CO-Ausstoß von 25 000 Kilogramm im Laufe von 30 Jahren beim Rathaus viel zu hoch angesetzt worden sei. Zum Thema Barrierefreiheit schlug sie vor, von der hinteren der Werse zugewandten Rathausseite ein weiteres Eingangsportal zu schaffen, das diesen Namen auch verdiene, und das Gebäude mit einem Aufzug und einem eigenen Treppenhaus zu erschließen. Damit ließe es sich in Teilen auch fremdvermieten.

In einem emotionalen Vortrag sah Carsten Heitfeld eine Reihe von Unstimmigkeiten bei den Kostenermittlungen für Plan A und Plan B. Anhand der von den Planungsbüros W+P und Assmann vorgelegten Zahlen kam er zu dem Schluss, dass die Sanierung um über fünf Millionen Euro zu hoch angesetzt sei. Dazu zählte Heitfeld auch die 2,3 Millionen Euro für die Sanierung der Parkplätze und der Außenanlagen und kritisierte, dass bei der Durchführung von Plan B mehr als die Hälfte der bestehenden Parkplätze (300) entfallen würde. Im Übrigen warf Heitfeld den Gutachtern vor, die Risiken bei der Sanierung und beim Neubau mit unterschiedlichen Prozentsätzen zu bewerten, was Assmann-Vertreter Thomas Zimmermann damit begründete, dass die Gutachten un­terschiedlichen Datums seien.

Zwischen Silke Anna Linnemann und Stadtbaurat Andreas Mentz entspann sich ein Disput, inwiefern sich moderne Bürokonzepte im heutigen Rathaus verwirklichen ließen. Zuvor hatte Linnemann Zweifel daran geäußert, dass alle städtischen Mitarbeiter mit der vorgesehenen Bürogröße von zehn Quadratmeter pro Arbeitsplatz im Neubau einverstanden seien. „In den Einraumbüros ist nicht einmal mehr Platz für einen Besucherstuhl“, argumentierte Linnemann und prognostizierte, dass man gezwungen sein werde, die Räume zu vergrößern. Thomas Zimmermann entgegnete, dass bei elektronischer Aktenführung keine Schränke mehr nötig seien.

Des Weiteren bot Linnemann an, bei einem sogenannten Faktencheck den Nachweis zu führen, dass sich auch in der vorgegebenen Dreiecksstruktur des Rathauses mit den Säulen gute Bürokonzepte verwirklichen ließen. Andreas Mentz erklärte, dass man die Mitarbeiter beim Neubau des Baubetriebshofs sehr wohl beteiligt habe, dass aber Konzepte wie in Holland mit flexiblen Arbeitsplätzen – Beispiel Rathaus Venlo – nicht durchsetzbar seien.

In der Diskussion bezifferte Hubert Niesing die Zahl der notwendigen Lkw-Fahrten zum Abtransport der „grauen Energie“, des Betons, beim Abbruch des Rathauses auf weit über 1000, die die Straßen erheblich belasten würden. In einer Matrix über Für und Wider erklärte Silke Anna Linnemann, dass die Mitarbeiter bei ei­nem Neubau mehrfach durch die Baustellen belastet würden, während sie bei einer Sanierung und einem temporären Umzug zum Beispiel in Container dieser Belastung nur während der Sanierungsphase ausgesetzt seien.

Bürgermeister Dr. Alexander Berger bedankte sich anschließend für die informative Veranstaltung und faire Diskussion und versicherte, die vorgetragenen Argumente im Hinblick auf die Entscheidung zu prüfen.

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