Sozialausschuss
Die Hälfte der Hausärzte ist über 60

Ahlen -

Ansgar von der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe referierte über die Versorgungslage mit Ärzten in Ahlen. Die ist eigentlich gut. Wenn da nicht das Problem mit dem Alter wäre. . .

Freitag, 21.06.2019, 10:00 Uhr
Die Versorgungsquote mit Hausärzten in Ahlen ist gut, wie die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mitteilt. Das Problem liegt in der Altersstruktur. Viele Mediziner haben die 60 schon hinter sich gelassen. Und es fehlt Nachwuchs.
Die Versorgungsquote mit Hausärzten in Ahlen ist gut, wie die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mitteilt. Das Problem liegt in der Altersstruktur. Viele Mediziner haben die 60 schon hinter sich gelassen. Und es fehlt Nachwuchs. Foto: dpa/Benjamin Ulmer

Gibt es zu wenig Hausärzte in Ahlen? Klare Antwort: nein. Ansgar von der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) gab am Dienstag in der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Familie, Frauen und Senioren einen umfassenden Bericht über die ärztliche Versorgung, sprach dabei aber auch Knackpunkte an. Das Alter der niedergelassenen Allgemeinmediziner zum Beispiel.

50 Prozent der Hausärzte in Ahlen seien über 60 Jahre alt. „Wir haben einen erheblichen Nachwuchsbedarf“, führte Ansgar von der Osten aus. Die Jungen seien noch für die nächsten zehn Jahre im Studium, die Alten gehen in den Ruhestand und dazwischen klaffe eine große Lücke. „Wir müssen die Ärzte holen, wo wir sie kriegen können“, brachte es der Bereichsleiter auf den Punkt. Und da sei die Konkurrenz zwischen den Bundesländern groß.

Ahlen werde zusammen mit Sendenhorst und Drensteinfurt als ein „Mittelbereich“ gesehen, hatte von der Osten zuvor erklärt. Auch hier gelte wie im ganzen Bundesgebiet die Regel: Auf 1671 Einwohner muss ein Hausarzt kommen – eine Quote, die hier erfüllt ist. Was die Zahl allerdings nicht abbilde: die Erwartungshaltung der Bevölkerung, die Erwartungshaltung der Mediziner, die Kosten des Systems und die Leistungsfähigkeit einer Praxis. „Nicht jeder Arzt ist gleich beliebt“, so Ansgar von der Osten. Und die Jüngeren legten zudem auch mehr Wert auf eine ausgewogene Life-Work-Balance, stellten im Gegensatz zu vielen Älteren das eigene Familienleben nicht hintenan.

Was die Fachärzte angehe, sei Ahlen ebenfalls gut aufgestellt – sowohl von der Anzahl als auch der Breite der Fachbereiche. Problematisch sei es hier wie überall mit der Anzahl von Kinderärzten, Nervenärzten und Psychotherapeuten.

Wir müssen die Ärzte holen, wo wir sie kriegen können.

Ansgar von der Osten

Die Reform der Bedarfsplanung, erklärte Ansgar von der Osten zum Ende seines Vortrags, sehe eine Senkung der Verhältniszahl vor: Dann müsse ein Hausarzt für 1608 Einwohner da sein. „Das senkt den Versorgungsgrad für Ahlen vielleicht auf etwa 95 Prozent.“ Es könnten dann neue Sitze entstehen: „Aber wir müssen auch Ärzte finden, die hier arbeiten wollen.“

Sowohl die KVWL als auch Bund, Länder und Ministerien hätten Initiativen gestartet, um Mediziner zu locken – vornehmlich aufs Land. Ahlen sei aber nicht ländlich. Hier müssten andere Lösungen greifen: Senior-Ärzte, die Junioren an die Hand nehmen und ihnen den Einstieg in die Praxis erleichtern, Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren. Auch die Kommunen könnten junge Mediziner mit Unterstützungsangeboten locken.

Auf deutliche Widerspruch stieß die Aussage des KVWL-Vertreters, dass eine Strecke von 20 Pkw-Minuten zu einem Hausarzt als zumutbar gelten und es Möglichkeiten geben müsse, immobile und/oder ältere Menschen zu mobilisieren. „Nein“, empörte sich Iris Binder (CDU): „Es müssen nicht alte Leute mobilisiert werden, sondern Ärzte, die Hausbesuche machen.“ Man könne die alten Menschen doch nicht so im Regen stehen lassen.

Das wolle auch keiner, so Ansgar von der Osten, aber Hausärzte, die nur Hausbesuche machen, werde es nicht geben. Eher müsse da an medizinische Assistenten gedacht werden.

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