CDU zieht Antrag zurück
Südstraße wird keine zweite Weststraße

Ahlen -

Ahlens Südstraße bleibt schräg, wenn‘s ums Parken geht. Viel mehr als eine neue Fahrbahndecke in Asphalt wird‘s nun doch nicht geben. Umso überraschender der Verlauf der Betriebsausschusssitzung.

Freitag, 28.06.2019, 16:08 Uhr aktualisiert: 30.06.2019, 19:02 Uhr
Schnell rein und raus: Auf der Südstraße wird auch mit neuer Asphaltfahrbahn schräg geparkt.
Schnell rein und raus: Auf der Südstraße wird auch mit neuer Asphaltfahrbahn schräg geparkt. Foto: Ulrich Gösmann

Keine zweite Weststraße! Die Südstraße bleibt in ihrer jetzigen Form Südstraße – auch nach ihrer Fahrbahnerneuerung. Der Betriebsausschuss votierte am Donnerstagabend für Variante 1.2. Sogar die Christdemokraten waren mit erhobenen Händen geschlossen dabei, obwohl sie mit einem eigenen Antrag mehr Weststraße wollten – auf der Südstraße. Doch dann kam alles ganz anders.

Ralf Marciniak ( CDU ) lag die nachgeforderte Präsentation der drei Varianten zu spät auf dem Tisch. Dafür hätte man am Vortag eine Nachtschicht einlegen müssen. Die Fraktion wolle noch beraten. Deshalb der Antrag in die Runde: „Heute nur beraten, selbst wenn wir im schlimmsten Fall in diesem Jahr nicht starten können.“ Aber es sollte noch schlimmer kommen: Baudezernent Andreas Mentz winkte energisch ab: „Die Fahrbahnsituation ist so schlecht, dass wir ohne Maßnahme nicht ins nächste Jahr kommen.“ Durch den Baustellenverkehr habe sich die Wellenbildung weiter verstärkt. „Wir werden irgendwas provisorisch herstellen müssen.“ Und dann? Zu einem späteren Zeitpunkt eine andere Ausbauvariante umsetzen? Mentz: „Das kann man keinem Bürger erklären, dass man die Straße dann noch mal macht.“

Betretenes Schweigen bei der CDU. Dann der Rückzieher, den Ralf Marciniak kleinlaut verkündete. Begleitet vom Bedauern, mit dem Antrag doch mehr Verschönung in den Straßenzug bringen zu wollen.

Die Sorge, dass Parkplätze verloren gehen, war riesengroß.

Andreas Mentz

Robert Reminghorst, stellvertretender Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, führte dann auch mit vielen „hätte“ durch die drei Varianten des Büros shp aus Hannover (1: basisorientiert / 2: Längsparken beidseitig / 3: Längsparken wechselnd), die sich in der Aufenthaltsqualität steigerten, je mehr Parkflächen Platz für sogenannte Spielräume machten, auf denen etwa Außengastronomie neu hätte entstehen können. Doch die, warf Mentz ein, werde von allen Betreibern abgelehnt. „Was uns ein Stück weit überrascht hat.“ Die Aussage sei eine klare und zu akzeptierende gewesen: „Wir werden es nicht bespielen!“ Und: „Die Sorge, dass Parkplätze verloren gehen, war riesengroß.“ Es habe sogar geheißen: „Wenn wir das Angebot nicht haben, sind wir exi­stenzgefährdet.“ Auf der Südstraße habe man die seltene Situation, es wieder so haben zu wollen, wie es ist.

Karl-Heinz Meiwes (SPD) fragte mit Verweis auf die Musikschule nach, wie Schrittgeschwindigkeit in die Straße zu bekommen sei? Robert Reminghorst antwortete: „Schwierig. Vielleicht den Asphalt an der einen oder anderen Stelle einfärben.“ Dem Vorschlag von Arne Engelbrecht (FWG), durch verschwenktes Schrägparken Tempo rauszunehmen, begegnete der Baudezernent mit einem dann notwendigen Vollumbau.

Dass 20 Bürger entscheiden, ist schade.

Dieter Broer

Dieter Broer (Grüne) bedauerte, dass sieben Parkplätze eine große Chance vergeben würden. Und: „Dass 20 Bürger entscheiden, ist schade.“ Fand auch Martin Hegselmann (CDU). „Überall propagieren Experten autofreie Städte. Hier hätten wir eine Chance gehabt.“ Baudezernent An­dreas Mentz sah die Möglichkeit für mehr Aufenthaltsqualität nicht ganz verspielt: Schrägparkbereiche könnten temporär immer noch freigesperrt werden, um etwa im Sommer etwas zu machen.

Mit Bauchschmerzen.

Ralf Marciniak

Der Ausschuss stimmte mit drei Enthaltungen für die einfachste und entsprechend auch günstigste Variante 1.2. CDU-Mann Marciniak kommentierte: „Mit Bauchschmerzen.“

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