Kita Auf der Geist
Arbeitsleben voller schönster Momente

Ahlen -

Nur noch zwei Wochen, dann geht eine Institution der Ahlener Kindergartenlandschaft in den Ruhestand: Birgit Schriever blickt zurück.

Samstag, 01.06.2019, 20:00 Uhr
Birgit Schriever ist eigentlich in den Gruppen in ihrem Element: mit Kindern. Allerdings will auch die Schreibtischarbeit erledigt sein. Und die hat im Laufe der vergangenen 43 Jahre nicht unerheblich zugenommen.
Birgit Schriever ist eigentlich in den Gruppen in ihrem Element: mit Kindern. Allerdings will auch die Schreibtischarbeit erledigt sein. Und die hat im Laufe der vergangenen 43 Jahre nicht unerheblich zugenommen. Foto: Sabine Tegeler

Die nahende 63 sieht man ihr nicht an. Und den zukünftigen Ruhestand nimmt man ihr auch noch nicht so ganz ab. Denn wenn Birgit Schriever über ihre Zeit als Erzieherin und Leiterin der evangelischen Kita „Auf der Geist“ spricht, dann sprüht sie vor Elan, Begeisterung und Engagement. Diese Frau soll in Kürze Rentnerin sein? Ja, tatsächlich.

Es war 1976/77, als Birgit Schriever ihr Anerkennungsjahr im Kindergarten St. Pankratius Rinkerode absolvierte. Dort wäre sie gerne geblieben. Das ging aber wegen der Konfession damals nicht. So kam die Protestantin nach Ahlen, übernahm erst eine Vertretung im Kindergarten Rottmannstraße, der heute KiGaRo heißt und wechselte dann in eine Festanstellung an der Kita Jona. 1982 wurde sie Leiterin „Auf der Geist“.

„Mein Mann hat immer gesagt: Du arbeitest bis 70. Und im Freundeskreis kann sich das auch keiner wirklich vorstellen“, lacht Birgit Schriever über die Tatsache, dass niemand in ihrem nahem Umfeld sie wirklich im Ruhestand sieht. Aber sie habe sich entschieden: „Ich wollte gehen, wenn es noch schön ist. Ich wollte nicht gehen, wenn ich eh ausgebrannt bin, verstehen Sie?“

Ja, verstanden. Die jung gebliebene Drensteinfurterin mit einer nicht unerheblichen Zuneigung zu Ahlen will das Leben noch genießen. Vielleicht komme ja mal ein Enkelkind, schaut sie voraus. Und Vorleseoma wolle sie auch gerne sein in ihrem Heimatort. Und das Engagement in der Miriam-Gemeinde könne mal wieder stärker werden.

Immer auf Augenhöhe mit den Kindern – das ist Birgit Schriever.

Immer auf Augenhöhe mit den Kindern – das ist Birgit Schriever. Foto: Sabine Tegeler

Apropos: „Religion ist ja meins“, schwenkt Birgit Schriever zurück zu ihrem Noch-Arbeitsplatz. Die Kita „Auf der Geist“ ist in evangelischer Trägerschaft, religiöse Themen gehörten für sie immer zur Kindergartenarbeit dazu. „Ich kann sagenhaft gut Geschichten erzählen“, sagt die Kitaleiterin – tatsächlich ohne eine Spur von Eigenlob. „Ich schlage die Klangschale an und die Kinder wissen, jetzt kommt eine religiöse Geschichte. Und wenn der Ton verklungen ist, dann können Sie eine Stecknadel fallen hören“, beschreibt sie einen der vielen schönsten Momente in ihrem Arbeitsleben. Einen allerschönsten könne sie gar nicht benennen, es habe einfach zu viele gegeben.

Wenn‘s um strukturelle Veränderungen geht, sind da allerdings einige einschneidende Erlebnisse in ihrem Kopf: „Ich habe schon 1983 die Übermittagsbetreuung eingeführt“, blickt Birgit Schriever zurück auf eine Zeit, in der Kolleginnen anderer Einrichtungen das mit den Worten „Ihr seid ja verrückt, eure schöne Mittagszeit. . .“ kommentiert hätten. Aber ab da sei die Kita „Auf der Geist“ konkurrenzlos gewesen, Eltern aus dem ganzen Stadtgebiet hätten sich um die Plätze beworben.

Wir sind in manches reingewachsen, aber nicht auf jeden Zug aufgesprungen.

Birgit Schriever

Die Einführung der U-3-Gruppen war eine weitere Herausforderung: Plötzlich mussten wieder Windeln gewechselt werden. „Da habe ich aber gesagt, das machen wir erst, wenn wir alle ordentlich geschult und die Räume umgebaut sind.“ Für Birgit Schriever ist „Klappt schon irgendwie“ keine Option. Eher heißt es bei ihr „Ganz oder gar nicht“.

Das gelte auch fürs ganze Team, das durchaus experimentierfreudig sei und auch Dinge ausprobiere: „Wir sind in manches reingewachsen, aber nicht auf jeden Zug aufgesprungen.“ Und was irgendwann nicht mehr laufe, werde dann auch abgeschafft: „Wir halten nicht krampfhaft an irgendwas fest.“

Woran sie aber festhält, ist der Förderverein des Kindergartens, der ihr zum 25-jährigen Bestehen der Kita „geschenkt“ worden sei: „Das war eine harte Zeit, der Träger hatte wenig Geld.“ Sie habe unglaublich haushalten müssen und immer wieder die Idee eines Fördervereins angesprochen. Kolleginnen und Eltern stielten das hinter ihrem Rücken ein und bereiteten Birgit Schriever damit wieder einen der vielen schönsten Momente.

Die wird es sicher auch am 12. Juli geben. Das ist der letzte „Arbeitstag“ von Birgit Schriever, den sie eigentlich schon organisatorisch wieder in die Hände nehmen wollte. Da hatten die Kolleginnen allerdings Einwände: „Du kommst erst um 14 Uhr mit deiner Familie in die Kirche, haben die gesagt, den Rest machen wir.“

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