Hebamme Eva-Maria Müller-Markfort
Innige Beziehung zu Mutter und Kind

Ahlen -

Sie war eine leidenschaftliche Hebamme. Jetzt ist sie 80 geworden und hat beschlossen, in den Ruhestand zu gehen: Eva-Maria Müller-Markfort.

Donnerstag, 04.07.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 16:09 Uhr
Eva-Maria Müller-Markfort hat als Diplom-Hebamme und Krankenschwester viel Erfahrung auch im Ausland gesammelt. Sie wünscht sich, dass es mehr Hausgeburten gibt.
Eva-Maria Müller-Markfort hat als Diplom-Hebamme und Krankenschwester viel Erfahrung auch im Ausland gesammelt. Sie wünscht sich, dass es mehr Hausgeburten gibt. Foto: Ralf Steinhorst

Sie ist eine leidenschaftliche Hebamme und deswegen geht sie auch jetzt erst – mit 80 Jahren – in den Ruhestand. Eva-Maria Müller-Markfort feierte am 27. Juni ihren runden Geburtstag. Sie ist in dieser Region eine der seltenen Geburtshelferinnen, die Hausgeburten durchgeführt haben.

„Ich bin noch Vorkriegsware“, blickt Eva-Maria Müller-Markfort humorvoll auf ihr Leben zurück, das sie viele Jahre im Ausland verbracht hat. Die gebürtige Ahlenerin verließ 1954 mit 15 Jahren ihre Heimatstadt, um ins belgische Viers zu ihrer Schwester zu ziehen. Dort half sie bei der Betreuung ihrer Nichte, nebenbei besserte sie ihre Französischkenntnisse auf.

Damals war der Kongo in Afrika noch belgische Kolonie, ein Vortrag von dort tätigen Missionaren ließ bei Eva-Maria Müller-Markfort den Wunsch aufkommen, im Kongo als Krankenschwester zu arbeiten. Also begann sie 1957 ihre Ausbildung zur Krankenschwester, die in Belgien gleichzeitig mit dem Studium zur Hebamme verbunden war.

Ich bin noch Vorkriegsware.

Eva-Maria Müller-Markfort

Doch als die Ahlenerin 1961 ihr Hebammen-Diplom an der Freien Universität Brüssel erhielt, war der Kongo seit einem Jahr unabhängig, der Weg dorthin nicht mehr gangbar.

Also trat sie eine Hebammenstelle im belgischen Militär-Krankenhaus in Köln an, ihre Französischkenntnisse kamen ihr dabei zugute: „Wir hatten 500 Geburten im Jahr, das war viel.“ Mit einer befreundeten Krankenschwester war 1965 Paris die nächste Station, wo sie ihren ersten Mann Peter Jones kennenlernte. Dieser trat 1968 eine Lehrerstelle in Saudi-Arabien an, Eva-Maria Müller-Markfort zog mit um und arbeitete zunächst als Krankenschwester und Hebamme. „Damals waren die Menschen dort noch einfach, da war noch nicht soviel Geld“, charakterisiert sie den Aufenthalt in Saudi-Arabien. In dieser Zeit wurden auch ihre Kinder Ralph und Dina geboren, ab 1971 war Eva-Maria Müller-Markfort zunächst Mutter und Hausfrau. 1979 ging es zurück nach Europa – zunächst nach Wales und nach der Trennung von ihrem Mann 1981 zurück nach Ahlen.

Während ihrer Tätigkeit im Krankenhaus Rheda-Wiedenbrück erfuhr Eva-Maria Müller-Markfort 1994 davon, dass es Frauen gibt, die ihre Kinder zu Hause auf die Welt bringen wollen. Das faszinierte sie, noch im gleichen Jahr machte sie sich als Hausgeburtshebamme selbstständig. „Wir bieten eine Beziehung an, die sich über Monate vertieft und mit der Geburt ihren Höhepunkt erreicht“, schwört die Geburtshelferin auf diese Art der Niederkunft. So sehr, dass sie begann Beiträge für Fachpublikationen zu schreiben und Vorträge bei internationalen Kongressen zu halten. Außerdem bot sie Fortbildungskurse für andere Hebammen an. Das will sie auch in Zukunft weiterfortführen – in der Hoffnung, in dieser Region eine Hausgeburtshebamme aufbauen zu können.

Denn sie schätzt die außerklinische Arbeit sehr, weil dort über eine lange Zeit eine Beziehung zu Mutter und ungeborenem Kind aufgebaut werde, die die Geburt dann erleichtere. „Das wünsche ich jeder werdenden Mutter“, ist Eva-Maria Müller-Markfort auch im Ruhestand noch mit ganzem Herzen Hebamme.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6748437?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker