Ratsentscheid zum Rathaus
Nur ein neuer Klotz an Stelle des alten?

Ahlen -

Einen Ausflug in die Antike unternahm Petra Päh­ler-Paul in ihrer 30-minütigen Rede, während der etliche Zuhörer den Saal verließen. Des Bürgermeisters Namensvetter, Alexander den Großen, zog die Fraktionsvorsitzende der Grünen als historischen Beleg dafür heran, dass den „Preis für Eroberungen“ am Ende meistens nicht die Feldherren zu zahlen hätten, sondern das Volk. Auch bei der Rathaus-Entscheidung sei „abzusehen, dass die Zeche die Bürger dieser Stadt zahlen, durch höhere Grundsteuern, höhere Gewerbesteuern, gestiegene Abgaben und Gebühren und den Wegfall freiwilliger Leistungen“. Denn niemand könne ernsthaft glauben, dass der in der Beschlussvorlage aufgezeigte Kostenrahmen am Ende tatsächlich eingehalten werde.

Samstag, 06.07.2019, 11:00 Uhr
Vorhang auf für den letzten Akt? Der Stadtrat votierte am Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit für den Neubau des Rathauses der Stadt Ahlen.
Vorhang auf für den letzten Akt? Der Stadtrat votierte am Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit für den Neubau des Rathauses der Stadt Ahlen. Foto: Ulrich Gösmann

Der Preis für Plan B sei zu hoch, die Entscheidungsgrundlagen seien „nicht ausgereift“, kritisierte Pähler-Paul. Als „vollständig absurd“ bezeichnete sie es, ohne vorherige Markt- und Bedarfsanalyse den Neubau einer Stadthalle zu beschließen. „Nirgendwo im ganzen Land“ habe sie ein zweites Beispiel gefunden, dass eine Kommune „zuerst eine Entscheidung trifft, was sie baut, um anschließend zu ermitteln, was sie braucht“.

Mit einem Bau auf dem Gelände der ehemaligen Bodelschwinghschule könnten wir erhebliche Kosten sparen. . .

Petra Pähler-Paul

Zwar befürworte auch sie einen Neubau des Rathauses, der Standort sei jedoch „nicht alternativlos“, führte die Grünen-Chefin weiter aus. „Mit einem Bau auf dem Gelände der ehemaligen Bodelschwingh schule könnten wir erhebliche Kosten sparen, alle Aufgaben erfüllen und würden keine Zeit verlieren.“

Hart ins Gericht ging Päh­ler-Paul insbesondere mit der Informationspolitik der Verwaltung. Diese habe gegenüber dem Rat über Jahre eine „Mauer des Schweigens“ aufgebaut, auch der Öffentlichkeit Informationen vorenthalten und in den Bürgerdialog-Veranstaltungen nur „Selbstgespräche“ geführt, Widerspruch „im Keim zu ersticken versucht“.

In die gleiche Kerbe schlug Matthias Bußmann , er warf namentlich dem Bürgermeister „intransparentes Verhalten“ vor. Der Vorsitzende der BMA-Fraktion un­terstellte der Verwaltung, ihre Neubaupläne von langer Hand verfolgt zu haben. Als der Rat der Aufstockung des Verwaltungsgebäudes am neuen Baubetriebshof zugestimmt habe, sei der Weg dafür frei gewesen.

Petra Pähler-Paul.

Petra Pähler-Paul. Foto: Ulrich Gösmann

Er frage sich, so Bußmann, wie das neue Rathaus wohl aussehen wird. „Vermutlich“ werde es auch wieder ein „hässlicher Klotz, nur unwesentlich kleiner als der alte“. Die erst jüngst durch die Neugestaltung der Außenanlagen am Kunstmuseum erreichte städtebauliche Qualität werde „durch einen fünfstöckigen Zweckbau mit karnickelstallartiger Inneneinrichtung“ wieder zerstört, prophezeite der BMA-Fraktionschef. Auch Petra Pähler-Paul hatte schon ein Bild vom künftigen Stadthaus vor Augen, sie malte sich „ein Gebäude mit Sardinenbüchsen und Hunderten Quadratmetern für Aktenhaltung“ aus.

Der Vertreter der Gutachter-Firma Assmann, Thomas Zimmermann, war zuvor in seiner Präsentation auf genau diesen Punkt eingegangen und hatte festgestellt, dass das Raumprogramm noch nicht fix sei. „Die Grundrisse sind flexibel“, so der Diplom-Ingenieur. So könnte durch eine Reduzierung der sogenannten Dunkelzonen – z.B. für Archivzwecke – die Tiefe der Büros von 4,20 auf 4,70 Meter erhöht werden. Doch selbst die jetzt bei der Flächenbedarfsplanung zugrunde gelegten zehn Quadratmeter brutto für ein Einzelbüro seien 25 Prozent mehr, als die Arbeitsstättenverordnung vorsehe.

Aussagen, das Rathaus könnte für 24 Millionen Euro saniert werden, widersprach Zimmermann vehement: „Im Leben nicht.“

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