Ratsentscheid zum Rathaus
Berger: „Die Zeit ist reif zu handeln, jetzt!“

Ahlen -

Noch ganz unter dem Eindruck des Klimaschutzaktionstags der Ahlener Schulen und Kitas, an der er vormittags teilgenommen hatte, stand Bürgermeister Dr. Alexander Berger. Die Aufforderung der Kinder und Jugendlichen an die Politik, ihre Zukunft nicht aufs Spiel zu setzen, nahm Berger als Appell in die Ratssitzung mit, gemünzt auf die „Rathausfrage“: „Die Zeit ist reif zu handeln, jetzt!“

Samstag, 06.07.2019, 11:00 Uhr
Aufmerksame Zuhörer auf restlos vollen Rängen: Zweieinhalb Stunden verfolgte die Öffentlichkeit die Wortbeiträge – bis zum Ratsentscheid.
Aufmerksame Zuhörer auf restlos vollen Rängen: Zweieinhalb Stunden verfolgte die Öffentlichkeit die Wortbeiträge – bis zum Ratsentscheid. Foto: Ulrich Gösmann

Mit dem Beschluss über ei­nen Neubau von Rathaus und Stadthalle biete sich die „Gelegenheit, einen bemerkenswerten und nachhaltigen Beitrag zu Klimaschutz und Generationengerechtigkeit zu leisten“, stellte der Verwaltungschef fest und nannte einige aus seiner Sicht „aussagestarke“ Zahlen: In der Bilanzierung der Kohlendioxidäquivalente schneide bei einer Betrachtung über 30 Jahre ein Neubau signifikant besser ab: 15 Millionen Kilogramm COstünden 35 Millionen im Sanierungsfall gegenüber. Zugleich lägen die Betriebskosten eines Neubaus im selben Zeitraum um rund neun Millionen Euro unter denen eines sanierten Rathauses. Berger : „Beides sind für mich Schlüsselzahlen, die eine rationale Entscheidung nach Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Umweltschutz nur für den Plan B erlauben.“

Respekt zollte der Bürgermeister jenen, die das heutige Ensemble aus Rathaus und Stadthalle als „Architektur gewordene Symbole ih­rer Gründungszeit“ lieber erhalten möchten, zweifelte aber dessen identitätsstiftende Wirkung an: „Zu einer städtebaulichen Dominante mag das Rathaus durch seine schiere Wucht geworden sein, zu einem Wahrzeichen der Stadt, auf das sich eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger verständigen könnte, ist es hingegen bei ehrlicher Betrachtung ei­gentlich nie geworden.“

Nach dem Grundsatzbeschluss gehe die Arbeit „erst richtig los“ und auch der Dialog mit den Bürgern „in die nächste Runde“. Dazu, so Dr. Berger, lade er „ausdrücklich“ auch „all jene, die heute noch keine Anhänger der Neubauvariante sind“, ein. Zu versuchen, den Beschluss durch ein Bürgerbegehren zu Fall zu bringen, halte er allerdings für „keine gute Idee“. Die Folge wäre nur weiterer jahrelanger Stillstand, mit allen negativen Konsequenzen.

Dr. Alexander Berger und Stadtbaurat Andreas Mentz.

Dr. Alexander Berger und Stadtbaurat Andreas Mentz. Foto: Ulrich Gösmann

Auf die im Vergleich zur Sanierung bessere Energiebilanz eines Neubaus wies auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Lehmann hin. Die deutliche Verringerung des CO2-Ausstoßes über Jahrzehnte bedeute „erhebliche Kostenvorteile über die gesamte Nutzungsdauer“. Ei­ne Sanierung im Bestand ermögliche zudem nicht die zahlreichen funktionalen Verbesserungen wie Plan B und berge höhere finanzielle Risiken, so Lehmann.

Für die SPD ist nach den Worten von Gabi Duhme „immer unstrittig“ gewesen, den „hervorragenden Standort“ für ein Verwaltungs- und Kulturzentrum an der Werse beibehalten zu wollen. Nicht von vorneherein klar gewesen sei für die Sozialdemokraten, „dass wir letztlich nicht A, sondern B sagen würden“, betonte die Fraktionsvorsitzende. Auf der Basis fundierter Daten und Fakten sei jedoch letztlich in der SPD das „gefestigte Meinungsbild“ gereift, die „innovative Neubauvariante“ einer „auf Dauer unwirtschaftlicheren Sanierungsvariante“ vorzuziehen.

Duhme betonte, die SPD respektiere „die Meinungen Andersdenkender“, sofern sie sachlich begründet und fair im Umgang vorgebracht würden. Nicht akzeptabel seien jedoch „billiger Populismus, das bewusste Schüren von unbegründeten Ängs­ten, Drohgebärden ge­genüber dem Rat und die Verbreitung von Halbwahrheiten bis hin zu Fake News.“

FDP-Chef Eric Fellmann widersprach seinen Vorrednern Petra Pähler-Paul (Grüne) und Matthias Bußmann (BMA), die der Verwaltung Intransparenz vorgeworfen hatten. Das könne er nicht unterstreichen, seine Fraktion habe sich immer gut informiert gefühlt, es allerdings auch als „Holschuld“ angesehen, wenn es Fragen gegeben habe, diese zu stellen.

Die Argumente, die nach Auffassung der Liberalen für Plan B sprechen, fasste Fellmann so zusammen: „Ein Neubau mit intelligenterer Aufteilung der Flächen, angepasst an den heutigen Bedarf einer modernen Verwaltungsarbeit, kann ein Drittel kleiner als das jetzige Bestandsgebäude sein. Weniger Fläche entspricht zwangsweise auch weniger Energie und Unterhaltskosten.“ Fellmann mahnte allerdings auch, dass die Politik „ein starkes Auge auf die Detailplanung“ haben müsse, um das Bauvorhaben im Kostenrahmen zu halten“, und „auch den Mut haben, hier und da mal auf die Bremse zu treten“.

Das sieht Heinrich Artmann ähnlich. Noch bevor der Beschluss gefasst sei, erkläre die CDU , „wir brauchen einen Ratssaal im Rathaus“, kritisierte der Vorsitzende der Freien Wählergemeinschaft (FWG). Artmann stellte zugleich klar, dass der Grundsatzbeschluss noch kein Baubeschluss ist: „Wir sind immer noch in der Planungsphase, in der auch laufend politische Abstimmungen und Entscheidungen erfolgen müssen.“

Reiner Jenkel (Die Linke) gab zu, nie ein Fan des Parade-Baus gewesen zu sein. Bei einer Sanierung würde „die überdimensionale Masse des Baukörpers“ bestehen bleiben. Ein Neubau könne deutlich kleiner ausfallen. Die Gutachten hätten ihn „mehr überzeugt als die Meinung einiger Ahlener Architektinnen und Architekten“, begründete Jenkel seine Zustimmung zu Plan B.

Der CDU-Forderung nach einem eigenen Ratssaal erteilte Jenkel eine klare Absage: „Das würde das Gesamtprojekt, so wie es im Plan B vorgesehen ist, verwässern und unnötige Kosten verursachen.“

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