In der Ernte: Ortslandwirt Ralf Storkamp
Jeder Regen ein kleiner Segen

Ahlen -

Dem Mais hat der Regen der vergangenen Tage gutgetan. Und auch Ahlens Ortslandwirt Ralf Storkamp atmet durch. Seine Stimmung – eine bessere als vor einem Jahr in einem Sommer, in dem es nicht regnen wollte.

Mittwoch, 10.07.2019, 21:00 Uhr
Der Mais steht in sattem Grün. Der Regen der vergangenen Tage sei Gold wert gewesen, freut sich Ahlens Ortslandwirt Ralf Storkamp.
Der Mais steht in sattem Grün. Der Regen der vergangenen Tage sei Gold wert gewesen, freut sich Ahlens Ortslandwirt Ralf Storkamp. Foto: Ulrich Gösmann

Der Samstagsregen: „Schlecht fürs Stadtfest. Aber Gold wert für den Maisanbau“, sagt Ralf Storkamp und streift am Mittwoch durch sattgrüne, mannshoch gewachsene Pflanzenreihen. Zwölf Liter schickte das vergangene Wochenende Ahlens Ortslandwirt auf den Qua­dratmeter. Den Durst seiner größten Wasserschlucker haben die Niederschläge für den Moment gestillt. Und auch die Aussichten für die nächsten Tage können sich sehen lassen: Landregen am Donnerstag. Ein weiterer Segen für die Ernte 2019.

Schlechte Stimmung hatte Storkamp auch im Supersommer 2018 nicht gezeigt, als die Dürre Deutschland mit einer nicht enden wollenden Durststrecke traf. Bis zu einem Drittel seines Ertrags hatte sie dem Landwirt an der Beckumer Straße gekostet. Die Folgen lassen an diesem Mittwoch durchs geschlossene Scheunentor aufhorchen: Fremdgerste läuft mit monotonem Rauschen in die Silos. Zukäufe gehörten zwar dazu, um mit der Viehhaltung durchs Jahr zu kommen. Doch diesmal ist es jenes Drittel mehr, das auf den Feldern fehlte.

Links der Weizen, rechts die Triticale.

Links der Weizen, rechts die Triticale. Foto: Ulrich Gösmann

Die aktuelle Stimmungslage: „Ganz ordentlich“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands – und spricht für sich und seine Kollegen. Die Wintergerste habe Ende Juni mit guter Qualität und gutem Durchschnitt eingeholt werden können. Eigentlich sei sie sonst erst zum Enniger Markt reif. Doch wie im Vorjahr auch jetzt wieder: „Sie ist eine Woche früher dran. So zieht es sich durch alle Früchte.“ Storkamps größte Sorge hängt am Weizen: „Aus dem Bauch heraus kann ich nur sagen, dass Spitzenergebnisse nicht zu erwarten sind. Es kann nur Durchschnitt werden.“ Offen auch, was der Raps bringe, der in den nächsten Tagen reif ist – und auf immer mehr Feldern rund um Ahlen verschwindet. „Weil er ungleichmäßig blüht. Wir wissen im Moment nicht den Grund. Er bringt uns stark schwankende Erträge“, erklärt der Ortslandwirt. Kollegen würden auf Alternativen umschwenken. Was insgesamt ein großes Thema sei. „Wir müssen künftig mit weniger Wasser auskommen und entsprechend Sorten züchten, die weniger verbrauchen“, prognostiziert der 50-Jährige. Der Roggen, sonst eher auf leichten Böden zu finden, da er genügsamer gedeiht, wäre ein Kandidat, mit lehmiger Ahlener Scholle stärker zu verwurzeln. Mit der Triticale – einer Kreuzung aus Weizen und Roggen – sei ein Weg in diese Richtung bereits eingeschlagen.

Man hört, dass Bohrlöcher an ihre Grenzen kommen.

Ralf Storkamp

Der Gang durchs Maisfeld bereitet Ralf Storkamp am Vormittag Freude. Unten bildeten sich erste Kolben aus, oben beginne die Pflanze, Fahnen (männliche Blütenstände) zu schieben. Im Moment sehe alles gut und gleichmäßig aus. Spannend sei, inwieweit das Wetter bis zur Ernte im September mitspiele. Sagt‘s – und schwenkt um. Der Grundwasserspiegel, der vom vergangenen Jahr nicht wieder aufgefangen werden konnte, treffe die, die auf tiefere Schichten angewiesen seien: die Waldbesitzer. Einerseits fehle den Bäumen die Blattmasse, andererseits kämen Schädlinge ins Spiel, die auf Generationen ausgerichtete Wirtschaftlichkeit durch frühes Abholzen zunichte machten. Storkamp: „Die Waldbesitzer haben ganz schön zu kämpfen.“ Und auch Kollegen in den Randbereichen, die ihr Wasser aus der Tiefe holen. „Man hört, dass Bohrlöcher an ihre Grenzen kommen“, berichtet der Ortslandwirt. Leise kommt ihm dann noch ein Satz über die Lippen, der nicht nur für seine Felder gilt: „Ein Leben ohne Wasser ist nicht möglich.“

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