Führungen durch die Kolonie
Aufstand wegen „Plumpsklo-Aus“

Ahlen -

Nicht überlaufen war am Samstagnachmittag die Führung des Fördervereins Fördertürme durch die Kolonie. Hermann Huerkamp, Schriftführer des Vereins und ausgewiesener Koloniekenner, führte die Gäste herum und konnte mit Bewohner Peter Przyluczky viel Wissenswertes über diese selten gewordene Siedlungsform erzählen.

Sonntag, 14.07.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 15.07.2019, 08:42 Uhr
Besichtigten die Kolonie: Liane Beumer, Peter Przyluczky, Wolfgang Brüggemann, Fabian Richter, Gisela Lange, Hermann Huerkamp und Gozlene Testouri (v.l.).
Besichtigten die Kolonie: Liane Beumer, Peter Przyluczky, Wolfgang Brüggemann, Fabian Richter, Gisela Lange, Hermann Huerkamp und Gozlene Testouri (v.l.). Foto: Peter Schniederjürgen

Hinter den etwas angegrauten Fassaden der von außen recht klein wirkenden Häuser gibt’s viel Geschichte und Geschichtchen. Los ging die Führung im Herzen der Kolonie, am Glückaufplatz. „Hier gab es früher den Koloniemarkt am Dienstag und Freitag“, sagte Huerkamp . Der Markt ist mittlerweile auf dem Paul-Rosenbaum-Platz sesshaft geworden und der Glückaufplatz zum Platz für Feste wie „Merry Christmas“ und anderes geworden. „Besonderheit sind die Kunstwerke der Eheleute Wagner, die auf dem Platz zum Verweilen einladen“, zeigte der Statteilkenner. Überall auf der 1982 überarbeiteten Fläche finden sich Eisentafeln. „Die zeigen deutsche Bergbaubegriffe auch auf Türkisch“, deutet der Kolonieführer an. Denn das sollte die Verbindung der deutschen und türkischen Kumpel untertage versinnbildlichen. Damals wurde auch das heutige Gebäude der Knappschaft hinzugefügt. „Der Vorgängerbau ging bei einen Luftangriff auf die Zeche verloren“, erzählte Huerkamp.

Die Schachtstraße entlang ging es zur Bankenstraße. Hier ist die Hausnummer 11 zu verkaufen. „Der Eigentümer ,Vivawest‘, privatisiert die Zechenhäuser sehr behutsam. Erst wenn ein Mieter das Haus aufgibt, stellt es die Gesellschaft zum Verkauf“, berichtete Peter Przyluczky .

Bei diesen Häusern handelt es sich um die ehemaligen Werkswohnungen der Bergleute. Wer hier wohnen wollte, musste auf dem Pütt arbeiten. Arbeitgeberwechsel bedeutete damit auch Wohnungswechsel. Da war die Zechenleitung ganz und gar humorlos. Geblieben ist ein Stadtteil mit einem besonderen Flair. Auch hier konnte Stadtteilchef Huerkamp eine nette Anekdote einflechten. „Es gab einen kleinen Aufstand in der Kolonie, als nämlich in den 70er Jahren die Plumpsklos gegen das aktuelle Abwassersystem getauscht wurden.“ Schließlich nutzten die Anwohner und Gartenbesitzer den Dünger direkt für ihre Gärten. „Ein Prinzip, das sich über Jahrhunderte bewährte und von dem viele nicht lassen wollten.“ Doch die modernen Hygienevorschriften setzten sich durch.

Überschaubare Wohneinheiten mit einem großen Garten, der damals vor allem zur Selbstversorgung diente, ergaben das „Gartenstadt-Prinzip“.

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