Steinmetz Andreas Magera
Hochdekorierter Olympionike

Ahlen -

Ein goldenes Händchen hat Andreas Magera schon mehrfach gezeigt. Beim bundesweiten Grabmalwettbewerb „Grabgestaltung und Denkmal“ anlässlich der Buga 2019 in Heilbronn befand die Jury sogar alle vier Arbeiten Mageras für preiswürdig

Montag, 15.07.2019, 10:00 Uhr
Andreas Magera präsentiert die Skizze für den Stein mit eingelassenen Schubladen,
Andreas Magera präsentiert die Skizze für den Stein mit eingelassenen Schubladen, Foto: Dierk Hartleb

Zweimal Gold und zweimal Silber – damit gehört Andreas Magera zu den Olympioniken in seiner Disziplin. Die ist allerdings nicht sportlicher Natur, sondern handwerklicher. Doch bei dem 36-jährigen Steinmetz kommt noch die Kunst hinzu.

Mit zwei Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen kehrte der Ahlener im Juni als mehrfacher Preisträger des Grabmalwettbewerbs „Grabgestaltung und Denkmal“ im Rahmen der Bundesgartenschau (Buga) Heilbronn zurück. Ausgelobt worden war der Gestaltungswettbewerb vom Bundesinnungsverband des Deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks.

Überzeugt von der Qualität seiner Arbeiten, hatte Andreas Magera vier Arbeiten eingereicht. Aber damit, dass die Jury alle vier für preiswürdig hielt, hatte der Steinmetzmeister nicht gerechnet. „Diese Auszeichnung hat mich völlig überrascht“, bekennt Magera im Gespräch mit dieser Zeitung. Umso größer die Freude auch bei Ehefrau Saskia über den Erfolg. Immerhin musste sich der Ahlener gegen die traditionell starke Konkurrenz aus Süddeutschland durchsetzen. Von den 280 Mustergrabzeichen hatten es mit 66 nur ein gutes Fünftel in die engere Auswahl geschafft, von denen acht Entwürfe mit Gold, 14 mit Silber und 26 mit Bronze ausgezeichnet wurden.

Ein Kinderbuch und ein Besuch im Kindergarten waren Inspirationsquelle für einen Grabstein mit sieben Schubladen. „Der Seelenvogel“ von Michal Snunit und Na‘ama Golomb behütet Schubladen, in denen Gefühle wie Eifersucht, Hoffnung, Enttäuschung, Verzweiflung, Geduld und Ungeduld wie Hass, Wut und Versöhnung aufbewahrt werden. Diese Vorstellung hat Andreas Magera so beeindruckt, dass er sie in einem Mustergrabmal umgesetzt hat. „Die Schubladen sind auch aus Stein und abschließbar“, führt der Preisträger aus.

Zu dem zweiten goldprämierten Stein hat ihn das von Gerhard Richter gestaltete farbige Fenster im Kölner Dom angeregt. Das wie ein magisches Auge wirkende Fenster am Kopf des Steins entwickelt bei Sonneneinstrahlung eine faszinierende Leuchtkraft und visualisiert den in der Stele eingelassenen Sinnspruch „Zeit wird Raum. Was ich bin und immer bleibe, geht mit mir in immerwährendes Dasein.“

Gold gab‘s auch für das farbige Fenster in der Grabstele.

Gold gab‘s auch für das farbige Fenster in der Grabstele. Foto: Richard Watzke

„Nur“ Silber gab es für Mageras persönlichen Favoriten: ein Grabstein für ein Kind. Auf der Rückseite hat der Steinmetz die Fußabdrücke eines Kindes eingelassen. Sie stehen für die Spuren, und seien sie noch so klein, die ein Mensch in seinem Leben hinterlässt.

Auch der zweite mit einer Silbermedaille prämierte Entwurf hat viel mit sorgfältig gepflegten Erinnerungen zu tun. Ein naturbelassener Holzbalken, gekrönt mit der offenen Silhouette eines Hauses aus Bronze, wobei die Innenseiten goldfarben sind. Der Balken stammt vom Hof eines Bekannten, der abgerissen worden ist. „Damit will ich die bleibenden guten Erinnerungen an das Elternhaus ausdrücken“, sagt Magera.

Seine Ideen für Grabzeichen hält der Steinmetzmeister in einem Skizzenbuch fest. Wenn wieder einmal ein Wettbewerb ansteht, blättert Magera darin und lässt sich inspirieren. Danach beginnt eine Phase harter Arbeit, manchmal auch mit einer Nachtschicht.

Magera verbindet seine Grabsteine mit einer Botschaft. Und die heißt Hoffnung. „Ich will nicht nur die Trauer darstellen“, unterstreicht der Steinmetz. Mit der Hoffnung verbindet sich auch immer ein Stück Trost.

Überreicht wurden Andreas Magera die Auszeichnungen von Rüdiger Eckhardt, Ausstellungsbevollmächtigter der Bundesgartenschaugesellschaft, und Jurymitglied Hermann Rudolph.

Für den Ahlener ist es nicht die erste Auszeichung auf einer Bundes- oder Landesgartenschau. Inzwischen sind es 19 Urkunden, die bei verschiedenen Beteiligungen zusammengekommen sind. Entsprechend größer geworden ist auch die Wertschätzung, die Andreas Magera im Kollegenkreis entgegengebracht wird. So wurde er erst unlängst von der Kunstgießerei Strassacker im baden-württenbergischen Süßen eingeladen, um gemeinsam mit einem Kollegen einen Workshop zu leiten. Für die Gießerei hat Magera mit seinem Ahlener Team zwischenzeitlich schon einige Entwürfe gefertigt.

Ich will nicht nur die Trauer darstellen.

Andreas Magera

 

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