Psychosoziales Traumazentrum
Gute Aussichten auf Landesförderung

Ahlen -

Besuch bei Innosozial: Die Landtagsabgeordneten Henning Rehbaum und Daniel Hagemeier sprachen über Perspektiven des Psychosozialen Traumazentrums.

Montag, 29.07.2019, 16:20 Uhr aktualisiert: 29.07.2019, 17:01 Uhr
Das Innosozial-Team mit Schahrasad Abiad, Jacqueline Gehrcke, Angelika Dittmann und Dietmar Zöller (hinten), freute sich über den Besuch der Landtagsabgeordneten Daniel Hagemeier und Henning Rehbaum (vorne).
Das Innosozial-Team mit Schahrasad Abiad, Jacqueline Gehrcke, Angelika Dittmann und Dietmar Zöller (hinten), freute sich über den Besuch der Landtagsabgeordneten Daniel Hagemeier und Henning Rehbaum (vorne). Foto: Innosozial

Zu einem Austausch über die Arbeit des Psychosozialen Traumazentrums (PTZ) der Innosozial gGmbH und die Perspektiven einer Landesförderung ab dem Jahr 2020 trafen sich der Geschäftsführer Dietmar Zöller und die Mitarbeiterinnen des Traumazentrums mit den CDU-Landtagsabgeordneten Henning Rehbaum und Daniel Hagemeier . Alle Beteiligten freuten sich über die guten Aussichten auf eine Landesförderung für das Zentrum in Ahlen.

Denn zwischenzeitlich hat es zwischen den landesweiten Wohlfahrtsverbänden als Vertretung der Psychosozialen Zentren mit dem Ministerium Absprachen gegeben, nach denen die Landesregierung den Psychosozialen Zentren einen „äußerst wertvollen und unerlässlichen Beitrag zur psychosozialen und psychotherapeutischen Versorgung Geflüchteter“ bescheinigt. Vorbehaltlich der Haushaltsplanberatungen gebe es die Bereitschaft des Landes, das Ahlener Zentrum zu fördern, heißt es in der Pressemitteilung von Innosozial.

„Wir haben alleine im Jahr 2019 mehr als 80 Erstanfragen von Flüchtlingen, die eine psychosoziale oder therapeutische Unterstützung angefragt haben“, erklärten die Traumaberaterinnen Jacqueline Gehrcke und Angelika Dittmann. Aus allen Städten und Gemeinden des Kreises Warendorf und aus der Stadt Hamm würden Klienten zum PTZ geschickt.

„Dass eine erst zwei Jahre bestehende Einrichtung so flächendeckend angefragt wird, das zeigt den Bedarf und auch das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird“, fühlen sich Fachkräfte und Geschäftsführer Dietmar Zöller bestätigt. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen, den Jugend- und Sozialämtern, den Schulen und psychiatrischen Fachkliniken wie in Telgte sowie niedergelassenen Psychiatern und Therapeuten habe ein Netz gestaltet, aus dem die Zuweisungen kommen.

Laut Jacqueline Gehrcke seien die Klienten bisher meist überwiesen worden. Selbstmeldungen seien oft noch eine zu hohe Hürde. „Aber je mehr sich unter Flüchtlingen die hohe Kompetenz und das Einfühlungsvermögen herumsprechen, desto mehr kommen Betroffene auch von selbst“, erläuterte die Psychologin Schahrasad Abiad.

Auf die Frage der beiden Abgeordneten, wie sich denn männliche Flüchtlinge auf eine Frau einlassen können, berichteten zwei Beraterinnen, dass gerade sie als ältere Frauen oft sogar als „Mutter“ wahrgenommen würden. „Und wir haben sicherlich den Vorteil hoher Sprach- und Kulturkompetenz“, beantwortete Angelika Dittmann die Frage nach der Verständigung: „Durch Schahrasad Abiad als Psychologin mit ägyptischem Kultur- und Sprachhintergrund, dem Kollegen Robar Ibish mit kurdischen und arabischen Sprachkenntnissen und mit Dari und Farsi durch die Kollegin Chaharlang sowie Englisch und Französisch durch mich, können viele Flüchtlinge ohne Sprachbarrieren betreut werden.“

Im weiteren Austausch kamen die Hauptdiagnosen wie etwa ein Posttraumatisches Belastungssyndrom, Psychosen, Angsterkrankungen und Depressionen zur Sprache. Genauso stellten die Abgeordneten Fragen nach dem Bedarf.

„Wir haben in zwei Jahren mehr als 200 Klienten einzeltherapeutisch betreut und bieten Kindertherapiegruppen, eine offene Frauengruppe und schon zum zweiten Mal ein längerfristiges Projekt mit Film- und Videoelementen für junge männliche Flüchtlinge an. Ebenso haben wir zusammen mit anderen ein Interkulturelles Männernetzwerk zur gegenseitigen Stabilisierung gegründet“, ergänzte Jaqueline Gehrcke. Ein sehr großes Problem seien die Entfernungen, ist man doch ohne Auto aus dem Nordkreis bis zu zwei Stunden unterwegs und die Fahrten gehen mit mehr als zehn Euro für Hin- und Rückfahrt richtig ins Geld, das die Flüchtlinge nicht haben. „Dem versuchen wir aber, soweit möglich, mit Angeboten bei Kooperationspartnern zu begegnen“, erklärte Angelika Dittmann.

Bezüglich des Bedarfs benannte Dietmar Zöller die Erfahrungen und wissenschaftlichen Ergebnisse, dass Traumata nach der Ankunft durch das Gefühl von Sicherheit und die Dankbarkeit für die Aufnahme kompensiert oder verdrängt werden. Wenn Hoffnungen sich allerdings verflüchtigen, weil Asylanträge nicht so schnell gewährt werden, Familienzusammenführung nicht möglich ist und Schwierigkeiten bei der Arbeits- oder Wohnungssuche auftauchen, dann träten psychische Probleme wieder mit Macht zutage.

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