Klage gegen VW
Gütliche Einigung nicht in Sicht

Ahlen -

Der Ahlener Unternehmer Adrian Blaschke hat VW wegen des Abgasskandals verklagt. Donnerstag war ein erster Termin am Landgericht Münster. Ein weiterer wird folgen.

Donnerstag, 08.08.2019, 19:13 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 19:20 Uhr
Adrian Blaschke (M.) mit seinen beiden Anwälten Sebastian Steinmann (l.) und Tolgay Eyrice. Die beiden haben nach eigenen Angaben schon über 200 VW-Klagen bearbeitet.
Adrian Blaschke (M.) mit seinen beiden Anwälten Sebastian Steinmann (l.) und Tolgay Eyrice. Die beiden haben nach eigenen Angaben schon über 200 VW-Klagen bearbeitet. Foto: Sabine Tegeler

Adrian Blaschke ist nervös. Seine Hände zittern ein bisschen, als er nach seiner Visitenkarte kramt. Man hat aber auch nicht alle Tage einen Termin am Landgericht. Und man legt sich auch nicht alle Tage mit einem Automobilriesen an. Insofern ist die Nervosität mehr als verständlich.

Adrian Blaschke ist Inhaber der Ahlener Firma SaniTrans . Sein Unternehmen führt Krankenfahrten durch und zwar in extra dafür umgebauten Fahrzeugen. Die stammen allesamt aus dem Hause VW – und da liegt der Hase im Pfeffer. Sechs seiner Wagen fallen nämlich in die Schublade „Abgasskandal“. Bei vier weiteren neueren vermuten er und seine Rechtsanwälte, dass auch bei den Motoren nicht alles sauber ist. Also hat Adrian Blaschke sich entschlossen, gegen VW zu klagen – auf Rückabwicklung des Kaufs von zehn Fahrzeugen und Erstattung der Kosten, die er in die Umrüstung der Wagen gesteckt hat (unsere Zeitung berichtete). Auch hätte der 39-Jährige gerne die Freistellung von seinen Darlehensverträgen sowie die Zinsen von VW erstattet.

Insgesamt gehe es um eine Summe von rund 450 000 Euro, sagen die beiden Anwälte vor dem Termin am Donnerstag in Münster. Sebastian Steinmann und Tolgay Eyrice kommen aus der Bielefelder Kanzlei Gunkel, Kunzenbacher & Partner. Sie haben sich auf die VW-Klagen spezialisiert.

. . .dann wäre der Drops für mich gelutscht gewesen.

Adrian Blaschke, das wird im persönlichen Gespräch und in der Verhandlung mehrfach deutlich, geht es mehr ums Prinzip denn ums Geld. Klar, jetzt will er seine Kosten erstattet haben. Aber er sagt auch deutlich: „Hätte sich VW gleich zu Beginn bei mir entschuldigt und eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben . . . und vielleicht noch einen Inspektionsgutschein obendrauf – dann wäre für mich der Drops gelutscht gewesen.“

Stattdessen hätte sich das Wolfsburger Unternehmen auf seine Schreiben hin erst einmal vier Monate gar nicht gemeldet: „Die haben mir die kalte Schulter gezeigt.“ Diese Arroganz mache ihn heute noch wütend – was man ihm tatsächlich auch ansieht. In der Verhandlung wendet er sich direkt an den Rechtsvertreter von VW: „Ich habe für etwa 600 000 Euro Autos gekauft. Und dann geht man mit mir als Kaufmann so um? Von Kaufmann zu Kaufmann?“

Der Anwalt zeigt sich von der Empörung am Tisch gegenüber allerdings unbeeindruckt. Er ist es später auch, der eine Vertagung beantragt. Unter anderem, weil Adrian Blaschkes Rechtsanwälte in der mündlichen Verhandlung den Schriftsatz nachträglich geändert haben. Heißt: Der Wert eines der in Frage stehenden Autos ist nach einem Unfall gesunken, die geforderte Summe ändert sich.

Eine harte Haltung zeigt der VW-Vertreter auch, als es um die Frage nach angeblich unzulässigen Abschalteinrichtungen zur Abgasnachbereitung in neueren Fahrzeugen geht. Dem mehrfachen Nachfragen von Sebastian Steinmann („Gibt es unzulässige Abschalteinrichtungen?“, „Gibt es überhaupt Abschalteinrichtungen?“) entgegnet er knapp: „Ich lasse mich von Ihnen nicht unter Druck setzen.“

Die Vorsitzende Richterin hatte zuvor ihre Sicht auf die Dinge dargelegt: Demnach müsse dem Ahlener Unternehmer die Rückabwicklung von vier älteren Fahrzeugen zugestanden werden. Zwei habe er erst erworben, als der Abgasskandal weithin bekannt war, er hätte sich also vorab informieren können. Bei den vier Autos mit den neueren Motoren sei zudem nicht erwiesen, dass auch sie angegebenen Abgaswerte nicht einhalten. Das Kraftfahrtbundesamt habe sich da eindeutig positioniert.

Es gibt weiteren Klärungsbedarf, eine gütliche Einigung lehnen beide Parteien an diesem Vormittag ab. Die Verhandlung wird vertagt.

Er werde zum nächsten Termin auch wieder erscheinen, sagt Adrian Blaschke, auch wenn die Richterin betont hatte, dass er das nicht müsse. Er wolle wenigstens so weit gehen wie möglich: „Ich weiß, wie das läuft. Nach dem zweiten Termin wird VW das Geld überweisen. Und dann besteht keine Forderung mehr. Und wenn keine Forderung besteht, dann muss das Gericht das Verfahren einstellen.“

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