Hof Stratmann bittet aufs Feld
Die ganze Frische zum Selbsternten

Dolberg -

Selbsternten – ein Experiment, an dem sich in der Bauerschaft Gemmerich immer mehr Selbstversorger beteiligen. Der Hopf Stratmann bittet aufs Feld. Für Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen und anderes junges Gemüse.

Samstag, 24.08.2019, 09:00 Uhr
Sabrina Stratmann macht‘s vor: Selbsternten. Das neue Geschäftsmodell findet immer mehr Freunde. Teils kommen ganze Familien, um sich ihr Gemüse frisch vom Feld zu holen.
Sabrina Stratmann macht‘s vor: Selbsternten. Das neue Geschäftsmodell findet immer mehr Freunde. Teils kommen ganze Familien, um sich ihr Gemüse frisch vom Feld zu holen. Foto: Christoph Aulbur

Ungewöhnlich für einen landwirtschaftlichen Betrieb, aber für Sabrina Stratmann inzwischen fast schon Arbeitsalltag: reger Kundenkontakt, Wiegen, Zählen, Messen. Seit der Hof Stratmann am Westhusener Weg in diesem Jahr das Angebot auf seinem Selbsterntefeld ausgeweitet hat, kommen in regelmäßigem Abstand immer wieder einzelne Kunden oder ganze Familien, um Bohnen, Mais, Kartoffeln und Zwiebeln für die heimische Küche zu ernten. „Alles zum Selberernten“ heißt ein neues Geschäftsmodell in der Bauerschaft Gemmerich.

Begonnen hatte alles im Jahr 2015, als Sabrina Stratmanns Ehemann Hermann mit dem Anbau von Speisekartoffeln begann. Dabei erreichten die Familie, die inzwischen mit vier Generationen auf dem Hof arbeitet, einige Anfragen, ob man die Kartoffeln nicht direkt abnehmen oder gar selber ernten könne. Eine Idee, die Stratmann jun. dann auch umsetzte und 2016 einen kleinen Hofladen eröffnete.

Bei den Öffnungszeiten geht noch mehr

Im Jahr 2018 startete die Familie dann mit einem Selbsterntefeld. Inzwischen umfasst die Produktpalette zwei Sorten Kartoffeln, genannt „Stratmann’s feine Knollen“, jeweils drei Sorten Bohnen (gelbe Wachsbohnen, die klassischen grünen Prinzessbohnen und die sich am besten verkaufenden Buschbohnen), normale und auch rote Zwiebeln, Gemüsezwiebeln sowie Regulären- und Zucker-Mais und Zuckerkürbisse. „Im letzten Jahr hatten wir nur Bohnen, Mais und Kartoffeln im Angebot. Das heißt: Wir haben in diesem Jahr unsere Produktpalette erweitert und auch die Werbemaßnahmen intensiviert“, erklärt die 31-Jährige. Trotzdem gelte es, die Bekanntheit des Selbsterntefeldes noch deutlich zu verbessern und damit auch die Kundschaft und den Absatz zu erweitern. Aber nicht nur die bloße Existenz der Selbsterntemöglichkeit müsse verbessert werden, sondern auch die Präsenz der Öffnungszeiten, schmunzelt Sabrina Stratmann: „Immer wieder stehen Leute vor der Tür und wollen ernten. Das ist jedoch nur donnerstags von 11 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 9 bis 18 Uhr möglich.“

Mit Herz: Hermann Stratmann

Mit Herz: Hermann Stratmann

Generell habe man noch keine Vergleichswerte, um zu sagen, ob das Angebot gut oder schlecht angenommen werde. „Das Geschäftsfeld rentiert sich so gerade eben“, erklärt Sabrina Stratmann. Dies hänge insbesondere mit dem hohen Aufwand des Gemüseanbaus zusammen: „Wir haben hier viel weniger Maschineneinsatz. Große Landwirtschaftsmaschinen sind gar nicht einsetzbar.“ weist ihr Ehemann auf den starken händischen Einsatz hin. Zusätzlich verwendet der Hof nur begrenzt Herbizide. „Wir behandeln die Pflanzen nur einmal zu Beginn gegen Unkraut – das war es“, so der 34-Jährige, wobei der Hof dennoch und bewusst kein Biobetrieb ist. „Wir setzen auf konventionelle Landwirtschaft, zumal der Hof auch noch Schweinehaltung betreibt“. Neben dem herkömmlichen Kultivieren der Pflanzen komme bei dem Selbsterntefeld auch noch zusätzliche Arbeit dadurch zustande, dass regelmäßig für die Selbsternte Strecken und Bereiche freigesteckt werden müssen, damit die Kunden auch kontinuierlich frisch ernten können, verweist Sabrina Stratmann auf einige Absperrbänder die die Erntebereiche separieren.

In der gesamten Absatz- und Preisthematik stehen wir jedoch wie eigentlich beim gesamten Produkt noch in der Findungsphase.

Sabrina Stratmann

Trotz des hohen Aufwandes überraschen die günstigen Preise: Das Kilo Bohnen zu 1,20 Euro, ein Kolben Mais 15 Cent, ein Kolben Zuckermais für 20 Cent. Der Blick in die einschlägigen Projekte der Discounter zeigt: Zumindest preislich liegt Familie Stratmann vorne. Komplizierter wird es da bei den Preisen von Zwiebeln und Kartoffeln: Hier wird in abgeernteten Metern abgerechnet: Pro Meter Kartoffeln werden dabei 1 Euro und pro Meter Zwiebeln 3 Euro berechnet.

„In der gesamten Absatz- und Preisthematik stehen wir jedoch wie eigentlich beim gesamten Produkt noch in der Findungsphase“, betont Sabrina Stratmann. Auch sei die Vermarktung des Gemüses nur ein kleines Standbein des Hofes. Wie sich das Selbsterntefeld entwickelt, bleibe abzuwarten.

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