Ausstellung des Kunstvereins
Der Mensch als das nackte Tier

Ahlen -

Hässliche Tiere, Porzellannippes und Digitales in Plexiglas – die Ausstellung „Nackte Tiere“ des Kunstvereins hat es in sich.

Mittwoch, 28.08.2019, 11:00 Uhr
Mit treuem Dackelblick lässt Klaus Geigle diesen Hund direkt den Betrachter seines Bildes ansehen. Der Vierbeiner besitzt in seiner Hässlichkeit irgendwie schon wieder eine innere Schönheit.
Mit treuem Dackelblick lässt Klaus Geigle diesen Hund direkt den Betrachter seines Bildes ansehen. Der Vierbeiner besitzt in seiner Hässlichkeit irgendwie schon wieder eine innere Schönheit. Foto: Dierk Hartleb

Bei dem Dackelblick und den hervorstehenden Zähnen in dem schiefen Hundemaul überkommt den Betrachter das nackte Mitleid. „Hässliche Tiere“ nennt Klaus Geigle die Gemäldeserie, die er in der Ausstellung „Nackte Tiere“ des Kunstvereins ab Freitag in der Stadt-Galerie zeigt.

Klaus Geigle gehört mit Beate Höing , Jana Kerima Stolzer und Alexander Rütten zu dem Künstlerquartett, das Ruppe Koselleck als künstlerischer Leiter eingeladen hat, um sich mit seinen Positionen vorzustellen. Höing arbeitet mit Keramik und Porzellan, während sich Stolzer und Rütten bei der Gestaltung ihrer Lichtkästen digitaler Medien bedienen.

Des Fells verlustig gegangen

Auffällig in der wie eine große Schau angelegten Ausstellung ist, dass der Mensch allenfalls als Randfigur auftaucht. Dabei ist mit dem Titel „Nackte Tiere“ eigentlich er selbst gemeint. „Der Titel verweist ... auf das unbekleidet wesenhaft Natürliche von lebendigen Oberflächen – die bei genauer Betrachtung immer schon da waren, aber gesehen werden müssen“, sagt Ruppe Koselleck. Und weiter: „Nackte Tiere stehen dabei für ebenso wörtliche wie abstrakte Assoziationen zum postanimalischen Humanen – dem Menschen selbst.“ Denn der ist als einziges Lebewesen im Laufe der Evolution seines Fells verlustig gegangen.

Gerd Buller, Ruppe Koselleck und Sandro de Marco.

Gerd Buller, Ruppe Koselleck und Sandro de Marco. Foto: Dierk Hartleb

Es passt also gut, dass sich der Münsteraner Klaus Geigle neben seinen Hunden, die trotz ihrer Schönheitsdefizite etwas Liebenswertes haben, in acht Porträts mit dem Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin beschäftigt.

Beate Höings manchmal turmartige Keramikobjekte sind ein künstlerischer Angriff auf den „guten Geschmack“, weil sie in ihren Arrangements den „Inbegriff bürgerlicher Vorlieben für Dekorationsartikel und Nippes bis zur Provokation steigert“ (Jutta Meyer zu Riemsloh M.A, Kunstverein Coesfeld) und dabei auch gleich die gesamte Kulturgeschichte konjugiert.

Performance zur Eröffnung

Jana Kerima Stolzer und Alexander Rütten, die sich vor einiger Zeit zu einem Künstlerpaar zusammengefunden haben, gehen in ihren digital erzeugten, aber durch Plexiglas zu Hardware gewordenen Werken künstlerisch sehr eigenständige Wege und befassen sich mit der Amazonwelt, die sie sozusagen aus sicherer Entfernung vom Zaun beobachten. Zudem präsentiert Stolzer ihre Examensarbeit.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Nackte Tiere“ am kommenden Freitag, 30. August, um 19 Uhr werden die Besucher der Stadt-Galerie übrigens eine Performance von Jana Kerima Stolzer und Alexander Rütten erleben.

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