Neue Ausstellung des Kunstvereins
Ästhetik paart sich mit Ironie

Ahlen -

„Es geht in dieser Ausstellung auch um den Menschen.“ Mit dieser einleitenden Feststellung begrüßte Gerd Buller als Co-Vorsitzender des Kunstvereins Ahlen am Freitagabend in der Stadt-Galerie die Besucher zur Eröffnung der Ausstellung „Nackte Tiere“. Denn der Mensch sei das einzige Lebewesen, das sich zum Schutz seiner Haut mit einem Ersatz für das Fell bekleiden müsse.

Montag, 02.09.2019, 08:00 Uhr
Ruppe Koselleck, künstlerischer Leiter, nahm die Besucher in der Stadt-Galerie mit auf einen Rundgang durch die Ausstellung „Nackte Tiere“, die vier Positionen umfasst. Station machte Koselleck mit dem Publikum vor der Bodeninstallation „Am Zaun“ von Jana Kerima Stolzer und Alexander Rütten.
Ruppe Koselleck, künstlerischer Leiter, nahm die Besucher in der Stadt-Galerie mit auf einen Rundgang durch die Ausstellung „Nackte Tiere“, die vier Positionen umfasst. Station machte Koselleck mit dem Publikum vor der Bodeninstallation „Am Zaun“ von Jana Kerima Stolzer und Alexander Rütten.

Die Tatsache, dass der Mensch nackt ist, habe die Voraussetzung für Kultur geschaffen, zitierte der künstlerische Leiter Ruppe Koselleck beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung den Philosophen Arnold Gehlen. Auch wenn der Mensch in den Positionen der vier teilnehmenden Künstler nur am Rande auftaucht – so als achtfach abgewandeltes Por­trät des Naturwissenschaftler und Evolutionsforschers Charles Darwin bei Klaus Geigle – ist er doch auch bei Beate Höing sowie Jana Kerima Stolzer und Alexander Rütten stets präsent. Denn die Porzellan- und Keramik-turmartigen Skulpturen Höings bestehen aus Gegenständen, mit de­nen sich Menschen zu Dekorationszwecken gern in ihrem persönlichen Umfeld umgeben. Dabei reicht die Spannbreite von einer wertvollen chinesischen Vase oder Delfter Porzellan bis zu typischen Kitschfiguren, wie sie Andenkenläden in der ganzen Welt verkaufen. Um sie skulptural zusammenzufügen, bearbeitet die in Coesfeld ansässige Künstlerin ihre Materialien und schneidet sie zurecht. Höchste Ästhetik paart sich mit augenzwinkernder Ironie.

Mit den Phänomen moderner Arbeitsorganisation beschäftigen sich Jana Kerima Stolzer und Alexander Rütten in ihrer dreiteiligen Bodeninstallation „Am Zaun“, die mit künstlerischen Mitteln den Blick hinter die Kulissen eines Logistikzentrums wirft, wie es der Online-Händler Amazone allenthalben betreib, und die Arbeitsabläufe aber soweit abstrahiert, dass sie auf den Plexiglasscheiben der arrangierten Leuchtkästen nur noch als ästhetische Formulierung erkennbar sind. Das schließt die Drohne ein, die vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft den Mensch als Auslieferer ersetzen wird.

Von besonderer technischer Raffinesse ist die Examensarbeit Jana Kerima Stolzers im Kabinett, die ei­nen „kaputten“ Fernseher so programmiert hat, das er nur eine Abfolge von farbigen Strukturen zeigt, mit sehr ästhetischen abstrakten Bildfolgen. Dazu liest eine computergenerierte Stimme Gedichte. In der ebenfalls im Kabinett installierten Videoinstallation wird der Flirtchat zwei­er Algorithmen visualisiert.

In dem Künstlerquartett vertritt Klaus Geigle die Position des klassischen Malers, welcher neben den Porträts Darwins das programmatische Bild zur Ausstellung gemalt hat, das eine fiktive Szene im Naturkundemuseum zeigt, die das Wichtigste an Tieren und organischen Formen optisch zusammenführt und daneben noch überraschende malerischen Qualitäten offenbart.

Mit der Ankündigung seiner Ausstellung im Internet hat der Kunstverein im Vorfeld nahezu 600 000 Klicks erreicht, wie Ruppe Koselleck erklärte. Wenn diese Klicks alle aus Interesse an der Kunst motiviert waren, ließe dies auf großen Zuspruch hoffen. Die „Nackten Tiere“ sind bis zum 6. Oktober zu sehen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6892658?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker