Eichenprozessionsspinner
Kampf mit eigenen Kräften

Ahlen -

Die Stadt Ahlen will zwei neue Mitarbeiter einstellen. Ihre vorrangige Aufgabe: der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner.

Donnerstag, 05.09.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 07:06 Uhr
Das sollen demnächst eigene Kräfte der Stadt Ahlen machen.
Das sollen demnächst eigene Kräfte der Stadt Ahlen machen.

Agieren statt reagieren: Die Stadt Ahlen will sich offensiv gegen den Eichenprozessionsspinner aufstellen. Zur Bekämpfung sollen jetzt kurzfristig zwei Mitarbeiter eingestellt werden. Die jährlichen Kosten einschließlich Material werden in einer aktuellen Verwaltungsvorlage mit 105 000 Euro beziffert. Die Beschlussvorlage ist Thema in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Ordnung, öffentliche Einrichtungen und Anregungen (Dienstag, 10. September, 17 Uhr, Feuer- und Rettungswache) .

Die Meldungen aus den Nachbarstädten schrecken auf: Warendorf meldet – laut Vorlage – eine „explosionsartige Verbreitung“. Selbst in so sensiblen Bereichen wie Schulen und Kindergärten sei es aufgrund des hohen Aufkommens nicht mehr möglich, für schnelle Abhilfe zu sorgen. Die Funde überstiegen sämtliche Kapazitäten. Momentan sei jede Eiche befallen. Flächendeckender Befall auch in Sendenhorst.

Die Stadt Ahlen bilanziert für das laufende Jahr erstmals ein „Massenvorkommen“. Die Zahl der betroffenen Bäume sei nicht zählbar. Bis Ende August habe es 88 Einsätze gegeben, bei denen 600 Nester mit Unterstützung von Spezialfirmen entfernt worden seien. Spitzenreiter: die Vorhelmer Virchowstraße mit 91 Nestern, gefolgt von der Borbeiner Straße mit 59. Eine Übersichtskarte verdeutlicht den größten Befall im Außenbereich. Beseitigungskosten bisher: 24 000 Euro.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Externe Firmen nicht immer verfügbar

„Es hat sich gezeigt, dass eine nur punktuelle Bekämpfung wenig sinnvoll ist“, heißt es in der Vorlage. Um das möglicherweise massenhafte Vorkommen in den kommenden Jahren systematisch und effektiv zu bekämpfen, sei es erforderlich, ein entsprechendes Maßnahmenkonzept und die dazu benötigten Haushaltsmittel bereitzustellen. Die Verfügbarkeit externer Firmen sei zuletzt nicht immer gegeben gewesen. Für eine weitere Beauftragung müsste ein Rahmenvertrag geschlossen werden. Die Kosten sind bislang nicht ermittelt.

Textmarker markieren die Befallsstellen. Der Schwerpunkt liegt klar im Außenbereich.

Textmarker markieren die Befallsstellen. Der Schwerpunkt liegt klar im Außenbereich. Foto: Stadt Ahlen

Die Verwaltung schlägt nun vor, zwei neue Mitarbeiter – auf zwei Jahre befristet – im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner einzustellen. Personalkosten: 94 000 Euro. Sollte es in den Wintermonaten Zeiten geben, in denen es keine Aufgaben im Zusammenhang mit der Kartierung, Kontrolle und Bekämpfung gebe, würden die beiden Kollegen mit Aufgaben der Grünpflege betraut.

Feine Haare bilden weiter eine Gefahr

Vorteil eigener Kräfte: Bisher wurde nur punktuell auf Meldungen reagiert, nicht agiert. Eine dauerhafte Bekämpfung erscheint nur möglich, wenn so viele Nester wie möglich, nicht nur bei relevanter Gefährdung von Menschen, entfernt werden. Weiter schreibt die Stadt: „Auch die nach einer Verpuppung verbleibenden Nester enthalten Haare, die weiterhin eine Gefahr darstellen. Aus der Befallskarte ergibt sich, dass im Außenbereich ganze Alleen von jeweils mehr als 100 Bäumen befallen sind. Auch diese Nester sollen, unabhängig von den in der Matrix als Gefahrenabwehr erforderlichen Maßnahmen zukünftig möglichst flächendeckend abgesucht werden.“ Für die Beseitigung auf privaten Grundstücken, wird angemerkt, sei ausschließlich der Eigentümer zuständig.

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