Zehn Jahre Artilleriezug Dolberg
„Mathilde“ braucht viel Zuwendung

Dolberg -

Kanonendonner hallte am Samstag durch das Lambertidorf. Zu der Geräuschkulisse kamen Pulverqualm und Schwefelgeruch. Doch es tobte keine Schlacht um Dolberg – der Artilleriezug des Schützenvereins beging sein zehnjähriges Bestehen. Und das wirklich unüberhörbar.

Montag, 09.09.2019, 22:00 Uhr
Die Hubertus-Schützengilde Ennigerloh in ihren historischen Uniformen gratulierte als einer von mehreren Gastvereinen dem Dolberger Artilleriezug zum Geburtstag.
Die Hubertus-Schützengilde Ennigerloh in ihren historischen Uniformen gratulierte als einer von mehreren Gastvereinen dem Dolberger Artilleriezug zum Geburtstag. Foto: Peter Schniederjürgen

Fast eineinhalb Dutzend Vereine mit rund 100 Kanonen, Hand- und Schaftböllern kamen aus der ganzen Region, um mit ihren Kameraden der Schwarzpulverfraktion zu feiern. So bildeten die bunten Uniformen ein farbenprächtiges Bild am Ufer des Dorfteichs an der Heessener Straße. Viele Vereine haben eine lange Tradition. So kann die Gruppe aus Diemelstadt ihre Geschichte bis 1560 zurückverfolgen. Oft wurden diese Kanoniergruppen als Bürgerwehren in unsicheren Zeit zur Stadtverteidigung gebildet. „Darauf geht auch bei fast allen Schützenvereinen die Gründung zurück“, erklärte Heiner Nigges , als Zugführer des Dolberger Artilleriezuges Gastgeber des lautstarken Treffens.

Dem wirklich ohrenbetäubenden Knall folgt die schwefelig riechende weißgraue Pulverdampfwolke. Doch um diesen beeindruckenden Effekt zu erzielen, ist einiger Aufwand nötig. Diese Kanonen zu handhaben, erfordert viel Um- und Vorsicht. „Wir verschießen hier rund 200 Gramm Schwarzpulver, damit sollte man vorsichtig sein“, stellt Geschützführer Heiner Dettki klar. Die Kanone der Dolberger hört auf den Namen „Mathilde“. Und sie braucht eine Menge Zuwendung. So wird zunächst die Kartusche mit Pulver befüllt. Zum Verdämmen kommt Papier und ein Korken darauf. Mit ein paar Hammerschlägen treiben die Artilleristen den Stopfen fest ein. So präpariert wird die Kartusche ins Rohr eingeführt, dann der Verschluss verriegelt und ein Hornsignal kündigt die Feuerbereitschaft an. Nun noch ein Zug an der Abzugsleine und der Schallschlag ist im Magen zu spüren. Der Mündungsblitz zuckt dramatisch vor dem folgenden Schwall an Pulverrauch.

Dabei teilten sich die Kanonen in Vorder- und Hinterlader. Letztere sind deutlich weniger gefährlich. Der Ladevorgang ist einfacher. So ist es beim authentischen Vorderlader für den Ladeschützen überlebenswichtig, das Rohr nass auszuwischen, um jeden glimmenden Pulverrest zu löschen. Denn die folgende Pulverladung kommt ohne schützende Kartusche von vorn ins Rohr. Wenn dann noch was glimmt, endet es dramatisch. Darum haben sich viele Vereine für die weniger authentische, aber erheblich sichere Variante des Hinterladers entschieden.

So ging es den ganzen Nachmittag heiß her. Dahinter in der „Partyzone“ war es indes gemütlich bei Kaffee und Kuchen und auch ein paar Bierchen durften es für die Gäste, nicht die Kanoniere, sein. Schließlich beendete der elektrisch ausgelöste Finalschuss aller Kanonen, Haubitzen und Böller die Geburtstagsfeier fulminant.

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