25. „Sinn“-Konferenz
Einmal „75 plus“ fühlen

Ahlen -

Zum 25. Mal tagte jetzt die „Sinn“-Konferenz – und brachte dabei vor allem jüngeren Leuten das Älterwerden ganz praktisch näher.

Dienstag, 17.09.2019, 12:25 Uhr aktualisiert: 17.09.2019, 12:30 Uhr
Ursula Woltering, Jens C. Festersen, Christina Loi und Wolfgang Rochna (v.l.) stellten vor, wie Ältere von Jüngeren lernen können und umgekehrt. Zum Dank für den Einsatz der Gäste aus dem Sauerland überreichten die Damen den Herren Präsente.
Ursula Woltering, Jens C. Festersen, Christina Loi und Wolfgang Rochna (v.l.) stellten vor, wie Ältere von Jüngeren lernen können und umgekehrt. Zum Dank für den Einsatz der Gäste aus dem Sauerland überreichten die Damen den Herren Präsente. Foto: Peter Schniederjürgen

Dass das Älterwerden nichts für Feiglinge ist, wird hinlänglich bekannt sein. Wie sich das aber im Detail anfühlt, ist nur denen bekannt, die bereits alt sind. Auf der 25. „Sinn“-Konferenz und Ehrenamtsbörse am Freitag im Juk-Haus konnten sich auch jüngere Besucher mal ins Alter „75 plus“ beamen lassen.

Ermöglicht wurde die Zeitreise durch den „Alters-Simulations-Anzug“ der Fachhochschule Münster . Ein Angebot, das etliche jüngere Gäste gerne mal wahrnahmen. Lale Dumann vom Juk-Haus-Team schlüpfte in die Montur, die an einen martialisch aufgerüsteten Krieger der Spezialkräfte erinnert. Die Gliedmaßen werden mit Gewichten beschwert. „Das stellt die nahlassenden Körperkräfte dar“, erklärte Felix Ridder. Damit nicht genug: Ein dicker Kragen um den Hals stellt weitere Bewegungseinschränkungen da. „Dazu die über zwölf Kilogramm schwere Weste. Das lässt schon eine Ahnung auf später zu“, stellte die junge Frau fest. Aber immer noch nicht genug; die Einschränkungen gehen weiter. Denn ein Kopfhörer blendet einen erheblichen Teil der Umweltgeräusche aus. Was zunächst ganz angenehm erscheint, ist aber bei längerem Tragen eine Quelle der Unsicherheit. Dazu kommt noch die das Blickfeld und die Farbdarstellung des Auges verändernde Brille. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, gibt es noch ein Paar Handschule, die mittels leichter Stromstöße die Hände zittern lassen. „Damit ist ja wirklich kein Ruhighalten möglich“, wunderte sich Jan Gebhardt. Das alles zusammen ist schon recht arg, da waren sich die beiden Testpersonen einig. Und als Nebeneffekt gibt’s nun vielleicht mehr Verständnis für die nicht ganz so flotten Senioren.

Die sind trotz vieler Einschränkungen mit Masse sehr lernbegierig. Das kam dem auf der Konferenz vorgestellten Projekt „Julea“ zugute. „Hier lernen Senioren von Junioren, so etwa ab 13 Jahren, zum Beispiel den Umgang mit Smartphone oder Tablet und Computer“, stellte Wolfgang Rochna , Gründer von „Julea“ (Jung lehrt Alt) mit seinem Kollegen Jens C. Festersen vor. Die Beiden waren aus Arnsberg im Sauerland angereist, um das Lernprogramm mit Nutzten für beide Seiten hier vorzustellen. Denn den Senioren bringt es Kompetenz im Umgang mit sozial zu nutzenden Technik, den Junioren Sozialkompetenz und Verantwortungsgefühl, zusammen mit einem sehr positiven Zeugnisvermerk. „Wir haben in einem guten Dutzend Städte diese System erfolgreich etabliert“, berichtete Rochna. Dabei seien oft wirkliche Freundschaften zwischen jungen Lehrern und den alten Schülern entstanden.

Die Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales, Ursula Woltering, freute sich über die zahlreichen Besucher der Konferenz und der besonderen Angebote. Schließlich gab es noch Musik von Jung für Alt und auch mal Andersherum. Schließlich endete die von Cristina Loi von der Leitstelle „Älter werden in Ahlen“ moderierte „Sinn“-Konferenz mit einen opulenten Grillbüfett.

Das stellt die nahlassenden Körperkräfte dar.

Felix Ridder
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