Konzept für den Süd-Osten
Für Barrierefreiheit bleibt noch viel zu tun

Ahlen -

In punkto Barrierefreiheit bleibt Nachholbedarf, ergab ein Rundgang durch den Ostenstadtteil.

Samstag, 05.10.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 11:26 Uhr
Fritz Neumann vom Behindertenbeirat versucht, die Kante am Straßenrand als Anhaltspunkt dafür zu ertasten, ob er die Straße überquert hat.
Fritz Neumann vom Behindertenbeirat versucht, die Kante am Straßenrand als Anhaltspunkt dafür zu ertasten, ob er die Straße überquert hat.

Wie gestaltet sich die Mobilität für geh- und sehbehinderte Menschen im Ahlener Ostenstadtteil? Das sollte ein zweistündiger Rundgang im Rahmen des Konzepts „Barrierefreier, fuß- und radverkehrsfreundlicher Ahlener Süd-Osten“ zeigen, an dem auch mobilitätseingeschränkte Menschen teilnahmen, unter ihnen der Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt Ahlen, Friedel Paßmann.

„Man muss auch mal Kante zeigen“, lernten die nicht gehandicapten Teilnehmer schnell von Christoph Theiling , der mit seiner Kollegin Lisa Morgenschweis vom Planungsbüro Protze und Theiling teilnahm. Denn eine sogenannte flache „0-Absenkung“ bietet bei Übergängen für Sehbehinderte wegen fehlendem Widerstandspunkt für Blindenlangstöcke keine Orientierung. Eine Kante von drei Zentimeter Höhe dagegen ist auch für Rollstühle und Rollatoren gut zu überwinden und daher der optimale Kompromiss. Aber auch das Setzen von Rippelsteinen kann eine Alternative sein.

Bernd Brandkamp und Bruno Kollekta testeten die Beeinträchtigung von Menschen mit Sehbehinderung.

Bernd Brandkamp und Bruno Kollekta testeten die Beeinträchtigung von Menschen mit Sehbehinderung. Foto: Ralf Steinhorst

Schon am Treffpunkt am Glückaufplatz wurde das deutlich. Wer aus dem Stadtteilbüro kommt und über die große Insel Richtung Ampel Diesterwegschule möchte, scheitert schon an den hohen Bordsteinen. Hinzu kommt die Engstelle an der Fußgängerampel, wo Ampelmast und Baum sehr eng beieinander stehen. Das konnten auch die gesunden Teilnehmer nachempfinden, für die extra ein Rollator, ein Rollstuhl und Sehbeeinträchtigungsbrillen zum Testen mit dabei waren.

Neben Stadtplanerin Angelika Schöning nahmen auch Gerrit Hegemann und Marion Kremer von den Umweltbetrieben teil, die den interaktiven Rundgang aufmerksam verfolgten. Neben den zahlreichen Stellen ohne „Kante“ fielen auch andere Schwerpunkte auf. Der Übergang an der Einmündung Schachtstraße / Wetterweg erwies sich zudem als zu steil, was auch Angelika Schöning als Testperson im Rollstuhl feststellte: „Es ist schwer, plötzlich habe ich Fahrt aufgenommen“, hatte sie Mühe, Kraft für das Lenken aufzubringen. Die Fußgängerampel auf dem Wetterweg an der Barbaraschule empfanden viele Teilnehmer als zu kurz geschaltet. Ein paar Meter weiter bemängelte Christoph Theiling an der Ampel im Kreuzungsbereich Rottmannstraße / Wetterweg das akustische Signal aus den Druckknöpfen als zu leise und unpräzise. Nur Lautsprecher in 2,50 Meter Höhe seien optimal zur Orientierung für Sehbehinderte.

Hier wird über die Verkehrssituation diskutiert.

Hier wird über die Verkehrssituation diskutiert. Foto: Ralf Steinhorst

Zahlreiche Poller im Bereich Kreisverkehr und Hansastraße stellten zusätzliche Barrieren dar, doch war auch hier Stadtteilbüroleiter Hermann Huerkamp ratlos. Denn diese waren installiert worden, um wildes Parken der Autofahrer zu verhindern. Am Ende des Rundgangs zeigte sich Christoph Theiling mit den Diskussionen zufrieden: „Es ist immer wichtig, dass Menschen mit Beeinträchtigungen mit dabei sind.“

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