Marktmusik in St. Bartholomäus
Die Schönheit der Sünde und die Schönheit der Musik

Ahlen -

Eine ungewöhnliche Marktmusik in St. Bartholomäus erlebten die Konzertbesucher am Samstag. Da die Kantate Nr. 54 mit dem Titel „Widerstehe doch der Sünde“ eine Länge von rund 20 Minuten hat, gab es dieses Mal mehr Textpassagen als gewohnt. Altsängerin Annika van Dyk, die vom Kammerorchester St. Bartholomäus begleitet wurde, begeisterte das Publikum mit ihrer Arie.

Sonntag, 06.10.2019, 15:28 Uhr aktualisiert: 06.10.2019, 15:30 Uhr
Altsängerin Annika van Dyk begeisterte am Samstag mit ihrer Arie das Publikum der Marktmusik.
Altsängerin Annika van Dyk begeisterte am Samstag mit ihrer Arie das Publikum der Marktmusik. Foto: Ralf Steinhorst

Winfried Appel spielte zunächst auf der großen Breil-Orgel die „Dorische Toccata“, ebenfalls von Johann Sebastian Bach . Die musikalische Einführung in das Konzert nahm anschließend Kantor Andreas Blechmann vor, der seine Begeisterung für die Kantate nicht verheimlichen konnte: „Die heutige Kantate verfolgt mich schon etwas länger – Text und Musik passen wunderbar zusammen.“ Detailliert erklärte er die Passagen des Musikwerks.

Nach dem gemeinsam mit den Konzertbesuchern intonierten Lied „Der Herr wird dich segnen“ griff Autorin Ilse Blomberg mit einem Text aus dem Lukasevangelium den Titel der Bach-Kantate auf. Auch die zweite Lesung, eine Textpassage aus dem Paulus-Brief an die Epheser, beschäftigte sich mit der Sünde.

Was aber wird als Sünde bezeichnet? Dieser Frage ging Pfarrer Dr. Ludger Kaulig in seiner Ansprache nach. Die Sünde führe in unserer Sprache eine Mischexistenz zwischen Kalorien und Verkehrsvergehen, stellte der Pfarrer fest. Wobei aber auch das Schöne schon in Verruf geraten könne, wie beim Essen. Auf der einen Seite könne es gut schmecken, andererseits sei es aber auch mit Schuld belastet, nicht nur der Kalorien wegen. Denn Ernährung werde zunehmend zum moralischen Minenfeld, Stichwort Tiertransporte.

Was Sünde mit Bach zu tun hat? „Mit der Warnung vor der Schönheit der Sünde schuf Bach Musik, die einfach schön ist – ein Widerspruch“, erklärte Dr. Ludger Kaulig.

Dann übernahm Andreas Blechmann als Dirigent die Regie, um mit der Altsängerin Annika van Dyk, dem Kammerorchester St. Bartholomäus und Winfried Appel am Continuo die eindrucksvolle Bach-Kantate Nr. 54 zu präsentieren. Diese ergriff stimmungsvoll auch das Publikum.

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