Mittelaltertage am Heimatmuseum
Hier ist Bier brünett statt blond

Ahlen -

Schwertkampf und Braukunst und noch viel mehr: Die Mittelaltertage am Heimatmuseum waren wieder einmal sehenswert.

Sonntag, 06.10.2019, 20:22 Uhr aktualisiert: 06.10.2019, 20:30 Uhr
Brauen Bier wie im Mittelealter: Benedikt Urner (r.) und sein Gehilfe Christoph Schröder. Was dank der verschiedenen Zutaten dabei herauskommt, hat aber wenig mit unserem heutigen Bier zu tun.
Brauen Bier wie im Mittelalter: Benedikt Urner (r.) und sein Gehilfe Christoph Schröder. Was dank der verschiedenen Zutaten dabei herauskommt, hat aber wenig mit unserem heutigen Bier zu tun. Foto: Peter Schniederjürgen

Dass es auf Hawaii angeblich kein Bier gibt, ist hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist aber, dass der Gerstensaft eines der ältesten Getränke der Menschheit ist. Eine frühe Form der Braukunst erleben die Besucher am Wochenende am Heimatmuseum . Dort ist wieder Mittelaltermarkt angesagt und gleich vorm Tor hat sich der historische Brauer aufgestellt.

Kein Ausschank

Allerdings dürfen Benedikt Urner und sein Gehilfe Christoph Schröder kein Bier ausschenken. „Das verbieten der Zoll und unser Reinheitsgebot“, sagt der Bierfachmann. Exotisch die Zutaten, scheinbar primitiv die Ausstattung? Urner winkt ab. Denn was der damaligen Technik an Eleganz fehlte, machten die Brauer durch Intuition und Erfahrung wett. So lässt sich Urner bei der Verwandlung von Wasser, Gerste und Hopfen gern über die Schulter schauen. Dabei kommt doch eher etwas Brünettes heraus und Christoph Urner klärt auf: „Dieses Bier hat recht wenig mit unseren heutigen Bieren zu tun.“

Der Brauer ist nicht der einzige vorm Heimatmuseum. Die Karnevalisten sorgen für Kuchen und die Taverne hat auch schon geöffnet. Über den gepflasterten Platz klingt das Spiel der Sackpfeifen. Die waren bis in die Neuzeit hinein ein sehr verbreitetes Musikinstrument – besonders des einfachen Volkes.

Mittelaltertage am Heimatmuseum Ahlen

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  • Foto: Peter Schniederjürgen
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Mittelalter ohne Schwertergeklirre geht auch gar nicht. Und deshalb führen Meinolf von Bekhem (Marian Marklein) und sein Schwertkampfpartner Chris Moser den formalen Kampf mit dem Zweihandschwert vor. Hier ist eine richtige Choreographie zu beachten. „Eine Kunst, die wir üben. Übrigens nach einen tatsächlich aus dem Mittelalter stammenden Buch“, stellt Ritter Meinolf fest. Mit seinem Sportkameraden betreibt er den Schwertkampf als Sport in Beckum. Im Heimatmuseum zeigt er zusätzlich Rüstungen vom Früh- bis Spätmittelalter.

Steine erhitzen das Wasser

Inzwischen hat der Brauer Steine erhitzt. „Damit erwärmen wir das Wasser“, zeigt der sonst als Sozialpädagoge tätige Mittelalterfreund. Es folgt eine spannende Abfolge. „Kräuter wie Schafgarbe, Heidekraut als Hopfenersatz oder -ergänzung und einiges mehr wandert in den Maischbottich“, so Christoph Urner. Jetzt ist Gefühl gefragt, denn zunächst muss Badewannentemperatur erreicht werden. Und später dann alles auf 60 und dann auf rund 80 Grad erhitzt werden – durch die Steine im Wasser. „Diese Temperatur muss über rund eineinhalb Stunden erhalten bleiben“, erklärt Urner. Schließlich wird das ganze durch Heidekraut und Leinentücher gesiebt und ist dann fast genussfertig. „Das hat doch wenig mit unserem Pils zu tun, es ist eher das Standardgetränk, das immer und von jedem genossen wurde.“

So gibt es ein weiteres Mal eine Menge auf dem kleinen, aber feinen Markt zu entdecken. Lebens- und Brauweisen, aber auch Schreibstil und Nahrungsfragen gilt es zu entdecken und tatsächlich auch anzufassen – so wird das Mittelalter begreifbar.

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