Städtisches Gymnasium
Gemeinsame Vergangenheit von Namibia und Deutschland

Ahlen -

Es ist eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, die Kolonialzeit im damaligen Deutsch-Südwest in Afrika. Am Montagnachmittag stellten sich Schüler und Gäste des Städtischen Gymnasiums die Frage „Was verbindet uns mit Namibia?“

Mittwoch, 09.10.2019, 14:24 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 15:44 Uhr
Informierten über Namibia und seine Geschichte: Dr. Bernhard Pfletschinger, Frank Krümmer, Rita Pöppinghaus-Voss, Gerhard Ziegenfuß, Siluka Brendan Kabuku, Meinolf Thiemann, Laura Müller, Dr. Helmut Rücker, Dominik Gerwens und Bernd Buntenkötter
Informierten über Namibia und seine Geschichte: Dr. Bernhard Pfletschinger, Frank Krümmer, Rita Pöppinghaus-Voss, Gerhard Ziegenfuß, Siluka Brendan Kabuku, Meinolf Thiemann, Laura Müller, Dr. Helmut Rücker, Dominik Gerwens und Bernd Buntenkötter. Foto: Peter Schniederjürgen

Wenig ist über das Land im Südwesten Afrikas bekannt. Dabei war es für kurze, aber dramatische Zeit, eine deutsche Kolonie. Und hier gab es unfassbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Davon berichtete am Montag unter anderem Gerhard Ziegenfuß. Der ehemalige Biologielehrer ist Autor des Buches „Ein Schädel aus Namibia“. Dieser Schädel hatte zum Nachlass seines Großonkels, ein Militärgeistlicher der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwest, gehört. Tagebuchaufzeichnungen veranlassten Gerhard Ziegenfuß, sich tiefer mit dem wenig erforschten Kapitel auseinanderzusetzen. Und diese Erkenntnisse fasste er mit seinem Ex-Kollegen Dr. Helmut Rücker zu dem Buch zusammen. „Ein Schädel aus Namibia“ ist im Ahlener Anno-Verlag erschienen und war die Basis von Vortrag und Diskussionsnachmittag in der Aula des Städtischen Gymnasiums.

...der Wille, diese Vergangenheit zu Gunsten einer gemeinsamen Zukunft zu bewältigen.

Siluka Brendan Kabuku

„Wir schossen die Männer zusammen, die Überlebenden nahmen wir gefangen, Weiber und Kinder trieben wir zurück in die Wüste und das Vieh nahmen wir als Beute“, las Ziegenfuß aus dem Tagebuch des Großonkels vor. Nur ein Satz von vielen dieser Art, die die Unmenschlichkeit des deutschen Vorgehens in der ehemaligen Kolonie darstellen. In mehreren Kriegen und Feldzügen wurde ein erheblicher Teil der einheimischen Bevölkerung ausgerottet.

Davon hat sich das Land bis heute nicht wirklich erholt, wie der erste Sekretär der namibischen Botschaft, Siluka Brendan Kabuku, berichtete. „Ab 1904 wurde das Volk der Herero in der Schlacht am Waterberg mit 80 000 Toten beinahe ausgelöscht, auch den Nama mit 20 000 Toten ging es nicht besser“, blickte der Diplomat in die Geschichte.

Von der düsteren Vergangenheit aus richtete Brendan Kabuku dann seinen Blick aber in die Zukunft. „Was verbindet uns und was hält uns zusammen?“, fragte der Botschaftssekretär. „Eine geteilte Geschichte der Gewalt, die Erinnerungen an die Vergangenheit, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen und der Wille, diese Vergangenheit zu Gunsten einer gemeinsamen Zukunft zu bewältigen“, beantwortete er die Frage selbst.

Zum Abschluss diskutierten er noch mit Schülervertreterin Laura Müller, Geschichtslehrer Dominik Gerwens, den Buchautoren Dr. Helmut Rücker und Gerd Ziegenfuß, Bernd Buntenkötter und Dr. Bernhard Pfletschinger.

Der Schulleiter des Städtischen Gymnasiums, Meinolf Thiemann, und die stellvertretende Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus hatten die Gäste zuvor begrüßt, während Lukas Isenberg die Zuhörer mit musikalischen Zwischenspielen am Klavier unterhielt.

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