Rathausfreunde
Plädoyers für eine Sanierung

Ahlen -

Knapp 200 Interessierte folgten der Einladung der Rathausfreunde zu einer Infoveranstaltung mit Referenten im Ratssaal.

Sonntag, 20.10.2019, 23:38 Uhr aktualisiert: 21.10.2019, 14:46 Uhr
Knapp 200 Interessierte verfolgten am Samstagmorgen die Diskussion mit Befürwortern der Sanierung. Eingeladen hatten die Rathausfreunde.
Knapp 200 Interessierte verfolgten am Samstagmorgen die Diskussion mit Befürwortern der Sanierung. Eingeladen hatten die Rathausfreunde. Foto: Dierk Hartleb

Ist die Ablehnung des Denkmalschutzes für das Rathauses juristisch anfechtbar? Diese Frage hat Dr. Alexandra Apfelbaum bei der Veranstaltung der Rathausfreunde am Samstag im Ratssaal aufgeworfen. Die Professorin für Kunstgeschichte mit dem Lehrgebiet für Geschichte und Theorie von Architektur und Stadt an der FH Dortmund führte aus, dass das gesetzlich vorgeschriebene Prozedere bei einem sogenannten Ministerentscheid nicht vollständig eingehalten worden sei.

Zur Erinnerung: CDU-Heimatministerin Ina Scharrenbach hatte sich am 6. März über die Empfehlung des Landesdenkmalamts in Münster hinweggesetzt und die Denkmalwürdigkeit des Rathauses verneint. Konkret kritisierte Alexandra Apfelbaum, dass die vorgeschriebene Begehung seinerzeit nicht stattgefunden habe.

Rund 200 Besucher waren der Einladung der Rathausfreunde gefolgt, um einen anderen Blick auf das Verwaltungsgebäude zu werfen, als es die Mehrheit der Ratsparteien und die Verwaltung tun. Dazu hatte der Kreis um Hans-Dieter Hanses, Alfred Thiemann und Silvia Sörensen neben der Kunsthistorikerin, die zugleich auch Geschäftsführerin der Initiative „Ruhrmoderne“ ist, den Architekten Prof. Christoph Parade und den Fassadenspezialisten Dr. Peter Küffner eingeladen. Den Ahlener Part mit der Vorstellung der Neubauplanung übernahm Architektin Martina Maury.

Dr. Peter Küffner und Rathaus-Architekt Prof. Dr. Christoph Parade.

Dr. Peter Küffner und Rathaus-Architekt Prof. Dr. Christoph Parade. Foto: Dierk Hartleb

„Ich habe noch nie ein so verwahrlostes Rathaus gesehen“, erklärte Peter Küffner unter Applaus. Der Diplom-Ingenieur, der in Düsseldorf ein Institut für Bauphysik und Fasssadentechnologie betreibt, verwies auf Beispiele erfolgreicher Fassadensanierungen am Dreischeibenhaus in seiner Wahlheimatstadt oder am Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. Das sei selbstverständlich auch in Ahlen möglich. Die Kosten für eine Erneuerung der Fassade mit 6000 Quadratmetern und zusätzlich 1000 Quadratmeter der Stadthalle bezifferte Küffner überschlägig mit 1000 Euro pro Quadratmeter. Seiner Meinung nach würden sich die Kosten für die Rathaussanierung auf einen Betrag bis 25 Millionen Euro begrenzen lassen. Die neue Fassade lasse sich auch für Photovoltaik nutzen, ergänzte Küffner auf Nachfrage.

Ich habe noch nie ein so verwahrlostes Rathaus gesehen.

Dr. Peter Küffner

Architekt Parade präsentierte in einer Powerpoint-Präsentation sein städtebauliches und architektonisches multifunktionales Konzept, das durch mangelnde Sorgfalt und Pflege ausgehebelt worden sei. Konkret bemängelte Parade, dass blinde Scheiben nicht ausgetauscht und undichte Stellen nicht abgedichtet worden seien. Auf Fragen aus dem Publikum erklärte er, dass er die Gründung für das neue Gebäude auf Schwemmsand für problematisch halte. „Das wird sauteuer.“

Martina Maury stellte die bislang nur bekannte Layout-Planung für den Neubau von Rathaus und Stadthalle vor und wies darauf hin, dass die Büros im Neubau deutlich kleiner als die bestehenden ausfallen würden. Zudem sei die städtebauliche Lösung mit der Bebauung des Rathausparkplatzes mit einem voraussichtlich fünfstöckigen Bürogebäude wenig überzeugend. Im Übrigen schließe die vom Büro Assmann vorgelegte Planung eine außergewöhnliche architektonische Gebäudearchitektur aus.

Alexandra Apfelbaum hatte in ihrem Eingangsstatement die Diskussion um das Rathaus auch als Haltungsfrage bezeichnet. Den Wert eines Gebäudes erkenne man vielfach erst, „wenn es weg ist“, sagte die Referentin, die sich mit der „Ruhrmoderne“ um den Erhalt von Nachkriegsbauten, deren Wert heute vielfach noch nicht erkannt werde, kümmert. Außerdem seien Neubauen oft erheblich teurer.

Dr. Alexandra Apfelbaum

Dr. Alexandra Apfelbaum Foto: Dierk Hartleb

In der Diskussion kritisierte Friedrich Löper, dass ein Abbruch des Rathauses – eine Sprengung kommt nach Expertenaussage nicht in Betracht – unzumutbare Belastungen für den Schulbetrieb am Städtischen Gymnasium mit sich bringe. Wolfgang Szymansiki wollte wissen, wie man die Frage der wegfallenden Parkplätze während der Bauzeit lösen wolle.

Eine vereinzelte Stimme vermisste konkrete Zahlen für die Sanierung und kritisierte Mutmaßungen über mögliche Kostensteigerungen beim Neubau als nicht hilfreich.

Im Publikum waren auch Rat und Verwaltung durch einzelne Repräsentanten vertreten. Anja Marcus, die 2004 nach Ahlen zugezogen war, brachte es für sich so auf den Punkt: „Das Rathaus wirkte auf mich zuerst hässlich.“ Erst danach habe sie seine architektonischen Qualitäten entdeckt. Und Hubert Niesing schwärmte von der Statik des Altbaus.

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