Winkelmann eröffnet Werk in Alabama
Festes Standbein in den USA

Ahlen -

Große Aufmerksamkeit für ein – noch – kleines Unternehmen: Die Gouverneurin kam zur Einweihung, der Fernsehsender „Fox News“ berichtete. Mit 15 Mitarbeitern hat die Winkelmann-Gruppe in Auburn im US-Bundesstaat Alabama die Produktion in ihrem neuen Werk aufgenommen.

Dienstag, 29.10.2019, 15:48 Uhr
Zusammen mit der Gouverneurin des Staates Alabama, Kay Ivey (M.), durchschnitt Heinrich Winkelmann (vorne 4.v.l.) symbolisch das rote Band zur Eröffnung des neuen Werks der Winkelmann Flowform Technology (WFT) in Auburn.
Zusammen mit der Gouverneurin des Staates Alabama, Kay Ivey (M.), durchschnitt Heinrich Winkelmann (vorne 4.v.l.) symbolisch das rote Band zur Eröffnung des neuen Werks der Winkelmann Flowform Technology (WFT) in Auburn. Foto: Winkelmann Group

Es war eine Hiobsbotschaft für den Wirtschaftsstandort Ahlen, die vor vier Wochen die Öffentlichkeit aufschreckte: Bei der Firma Winkelmann Powertrains Components (WPC) sollen in den kommenden zwei Jahren 220 Stellen abgebaut werden, ein Drittel der Belegschaft. Das Unternehmen teilte mit, sich aufgrund der Turbulenzen auf dem Automobilmarkt und daraus resultierender Auftragsrückgänge zu „umfassenden Kosteneinpaarungen“ gezwungen zu sehen, um möglichst schnell wieder aus der Verlustzone herauszukommen.

WPC, einer der größten Arbeitgeber in Ahlen, ist also aktuell das Sorgenkind der Winkelmann-Familie. Andere Töchter entwickeln sich dagegen prächtig. So wie die Winkelmann MSR Technology, ansässig an der Ger­steinstraße 15 im Industriegebiet Ost. Deren Geschäftsführer Martin Michelswirth und Sebastian Thöle luden am Montag kurzfristig zu einem Pressegespräch ein – mit der Ankündigung, aus der Winkelmann-Gruppe gebe es „auch positive Dinge zu berichten“.

Zweistellige Zuwachsraten

Die Abkürzung MSR steht für „Metall Spezial Rohr“, die gleichnamige Schwerter Firma hatte Winkelmann vor einigen Jahren übernommen und mit der Dynaform Technik GmbH & Co. KG zusammengeführt. Gleichzeitig wurde das Produktportfolio auf den Feldern Fahrzeugtechnik und industrielle Anwendungen um die Bereiche Medizintechnik, Luft- und Raumfahrttechnik, Wehrtechnik sowie Öl- und Gastechnik erweitert. Der Umsatz sei zuletzt kontinuierlich zweistellig gewachsen, sagt Martin Michelswirth und er fügt hinzu: „Wir suchen ständig neue Mitarbeiter für die Produktion und die Produktentwicklung.“ Zurzeit habe man fast 100 Beschäftigte.

Die Winkelmann MSR Technology ist zwar auch Zulieferer für Fahrzeugbauer, aber weniger anfällig für Absatzschwankungen in der Automobilindustrie als WPC, weil spezialisiert auf Nischenprodukte, die zum Teil auch in geringer Stückzahl hergestellt werden. Das reicht von Getriebebauteilen für Land- und Baumaschinen wie Fendt-Traktoren oder Caterpillar-Muldenkipper bis zu Doppelkupplungsteilen für Rennwagen von Ferrari oder McLaren. Zunehmender Nachfrage erfreuen sich spanlos geformte Rohre für Erdöl- und Gasbohrungen, wie sie etwa im Golf von Mexiko bis zu einer Tiefe von 13 000 Metern zum Einsatz kommen, sowie Komponenten für die Luft- und Raumfahrttechnik, dazu zählen zum Beispiel Antriebswellen für Flugzeugtriebwerke, Hy­draulikzylinder für Fahrwerke oder auch Steuerdüsen für Satellitenmotoren. Für die letztgenannten Segmente sind die USA der größte Absatzmarkt, so dass es für Winkelmann eine naheliegende strategische Entscheidung war, den Sprung über den Großen Teich zu wagen und sich dort mit der Gründung der Winkelmann Flowforming Technology (WFT) ein festes Standbein zu schaffen.

Zusammenarbeit mit Universität von Auburn

Den Ausschlag für Auburn hat laut Martin Michelswirth gegeben, dass die 40 000-Einwohner-Stadt über die mit 25 000 Studenten zweitgrößte Universität im Bundesstaat Alabama verfügt, die überdies ein großes Ansehen in den Fachbereichen Architektur, Ingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften genießt. Mit der Hochschule will Winkelmann eng zusammenarbeiten, um Fachkräfte zu rekrutieren und auszubilden.

Zu den rund hundert Ehrengästen der Werkseinweihung am 3. Oktober gehörten denn auch der Dekan für den Bereich Ingenieurwissenschaften der Universität Auburn, Christopher Roberts, und der stellvertretende Dekan für den Bereich Forschung und Entwicklung, Dr. Steven Taylor. Hochrangige Vertreter der Politik waren die Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey, die zusammen mit Heinrich Winkelmann, begleitet von seinem Sohn Rupert, symbolisch ein rotes Band durchschnitt, und der Kongressabgeordnete Mike Rogers. Der Bürgermeister von Auburn, Ron Anders, erklärte, er sei stolz, dass in seiner Stadt nun die größte vertikale Drückwalzmaschine in den USA stehe. Auch sie ist „Made in Ahlen“, bei der Firma Leifeld Metal Spinning.

Ungewöhnliche mediale Aufmerksamkeit

Neben den regionalen Zeitungen berichtete auch der Fernsehsender „Fox News“ von der Eröffnung. Über so viel mediale Aufmerksamkeit sei man überrascht und umso mehr erfreut gewesen, so Martin Michelswirth. Das sei schon „relativ ungewöhnlich“ für ein so kleines Unternehmen, das mit gerade mal 15 Mitarbeitern neu an den Start geht. Sein Eindruck: „Es besteht seitens der Amerikaner ein hohes Interesse an unserem technologischen Know-how.“ Was sich auch bereits in den Auftragsbüchern niederschlage. So peilt Winkelmann Flowforming Technology bereits in den nächsten drei Jahren einen signifikanten Umsatzanstieg an, das Personal in Auburn soll auf bis zu 50 Mitarbeiter anwachsen. Wenn‘s gelingt, würde damit ebenfalls das Gesamtunternehmen gestärkt, was wiederum eine gute Nachricht auch für den Wirtschaftsstandort Ahlen wäre.

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