Zweite Gesamtschule
RP: Vorgezogenes Anmeldeverfahren kein Muss

Ahlen -

In einer umfangreichen Antwort auf eine Anfrage bezieht die Bezirksregierung Münster Stellung zu der Kritik, die in der Sondersitzung des Schul- und Kulturausschusses an den Plänen der Stadt bekräftigt worden ist, die Sekundarschule in eine zweite Gesamtschule umwandeln zu wollen.

Freitag, 08.11.2019, 14:38 Uhr
Die Bezirksregierung Münster stellt sich hinter die Pläne der Stadt Ahlen, die Sekundarschule in eine zweite Gesamtschule umzuwandeln, selbst wenn das zu einem Qualitätsverlust an den Oberstufen anderer weiterführender Schulen führen sollte.
Die Bezirksregierung Münster stellt sich hinter die Pläne der Stadt Ahlen, die Sekundarschule in eine zweite Gesamtschule umzuwandeln, selbst wenn das zu einem Qualitätsverlust an den Oberstufen anderer weiterführender Schulen führen sollte. Foto: Ulrich Gösmann

Die Antwort im Wortlaut: „Für die Umwandlung der Sekundarschule Ahlen in eine zweite Gesamtschule mit (mindestens) vier Zügen müssen mindestens 100 Anmeldungen vorliegen. Wenn aufgrund schulentwicklungsplanerischer Daten davon ausgegangen werden kann, dass die Schule diese Mindestgrößenvorgabe im mittelfristigen Planungszeitraum erfüllt, darf unterstellt werden, dass sie über genügend Schülerinnen und Schüler (SuS) aus den eigenen Reihen verfügen wird, um eine Oberstufe mit 42 SuS bilden zu können. Ob dadurch die bisherigen gymnasialen Oberstufen in Ahlen in ihrem Bestand gefährdet sein könnten, müsste anhand schulentwicklungsplanerischer Daten konkret dargelegt und geprüft werden.

Eine Reduzierung der Zügigkeit bis zur Mindestgröße oder eine Reduzierung der jeweiligen Kursangebote durch ein weiteres Oberstufenangebot rechtfertigt die Erwartung einer Bestandsgefährdung aber noch nicht und hindert die Stadt Ahlen nicht, entsprechende Überlegungen anzustellen. Eine Verringerung der Anzahl der SuS, die die Oberstufen des Städtischen Gymnasiums oder der zum Abitur führenden Bildungsgänge am Berufskolleg besuchen, kann zwar zu einem Qualitätsverlust der Schulen führen. Dem kann aber durch ein Zusammenwirken mit anderen Schulen zur Schaffung weiterer Kursangebote begegnet werden. Zudem kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Verringerung der Angebotsvielfalt eines Berufskollegs dessen Existenz gefährdet.

Die „Bildung“ einer Gesamtschule mit elf oder gar zwölf Zügen wird schulfachlich nicht befürwortet.

Bezirksregierung

Wir (die Bezirksregierung, Anm. der Red.) gehen davon aus, dass der Frage nach einer Gesamtschule mit zwei Standorten die Idee zugrunde liegt, die Sekundarschule in die Fritz-Winter-Gesamtschule zu integrieren, darin „aufgehen“ zu lassen, um dann am bisherigen Schulstandort der Sekundarschule einen Teilstandort der dadurch auf elf bis zwölf Züge anwachsenden Fritz-Winter-Gesamtschule einzurichten. Die „Bildung“ einer Gesamtschule mit elf oder gar zwölf Zügen wird schulfachlich nicht befürwortet. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Teilstandortbildung zu einer horizontalen Gliederung der Jahrgangsstufen führen würde, mit der Folge, dass alle Parallelklassen mehrerer Jahrgänge an einem und alle Parallelklassen der übrigen Jahrgänge am anderen Standort geführt werden müssten. Eine Gesamtschule in Ahlen könnte eine vertikale Gliederung, nach der an beiden Standorten alle Jahrgangsstufen geführt werden können, nicht vornehmen. Eine vertikale Gliederung darf ausnahmsweise erfolgen, wenn nur dadurch das schulische Angebot der Sekundarstufe I einer Gemeinde gesichert werden kann. Solange in der Stadt Ahlen auch andere weiterführende Schulen bestehen, wäre diese Voraussetzung nicht erfüllt.

„Bischöfliches“ frei in Entscheidung

Das Bischöfliche Gymnasium ist frei, zu entscheiden, ob bereits in den ersten drei Wochen des sechswöchigen Anmeldezeitraumes im Rahmen eines vorgezogenen Anmeldeverfahrens Anmeldungen für den Besuch der Schule entgegengenommen werden. Wenn zu erwarten ist, dass die Zahl der Anmeldungen die Aufnahmekapazität der Fritz-Winter-Gesamtschule und/oder einer weiteren Gesamtschule in Ahlen übersteigen wird (Anmeldeüberhang), kann die Bezirksregierung auf Antrag der Stadt Ahlen ein vorgezogenes Anmeldeverfahren für diese Schulen zulassen.

Wenn im Rahmen der vorgezogenen Anmeldeverfahren ein Großteil des vorhandenen Schülerpotenzials für die weiterführenden Schulen in Ahlen bereits eine gesicherte Aufnahme an den zwei Gesamtschulen und dem Bischöflichen Gymnasium gefunden hat und damit „versorgt“ ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich dies auf die Anmeldezahlen zu den anderen weiterführenden städtischen Schulen auswirkt.

Angesichts der Anmeldeüberhänge an der bestehenden Fritz-Winter-Gesamtschule hat die Stadt Ahlen in den letzten Jahren ihre Anträge auf Durchführung eines vorgezogenen Anmeldeverfahrens für Schulen dieser Schulform begründen können. Vor der Entscheidung, auch nach Umwandlung der Sekundarschule in eine zweite Gesamtschule einen solchen Antrag zu stellen, hat die Stadt Ahlen die Frage zu beantworten, ob trotz des ausgebauten Angebotes an Gesamtschulplätzen in Ahlen weiterhin von einem Anmeldeüberhang an zumindest einer der beiden Gesamtschulen ausgegangen werden kann. Aber selbst, wenn die Stadt Ahlen diese Frage bejahen würde, wäre sie nicht verpflichtet, einen solchen Antrag zu stellen.

Unabhängig davon hat sie bei ihrer Entscheidung auch zu berücksichtigen, welche Auswirkungen die Durchführung eines vorgezogenen Anmeldeverfahrens auf die anderen weiterführenden Schulen haben könnte.“

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