Termin am Landgericht
Mops sorgt für großen Medienandrang

Ahlen -

Der Termin steht schon seit Längerem fest: Für 13 Uhr hat das Landgericht Münster am Mittwoch einen Gütetermin in der Causa „Mops Edda“ anberaumt. Wobei Edda, seit sie im Dezember 2018 ihre Besitzerin wechselte, bekanntlich auf den Namen Wilma hört.

Dienstag, 12.11.2019, 17:10 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 18:17 Uhr
Bei ihrer neuen Besitzerin Michaela Jordan in Wülfrath geht es Wilma gut.
Bei ihrer neuen Besitzerin Michaela Jordan in Wülfrath geht es Wilma gut. Foto: dpa

Die Pfändung des Hundes durch einen Vollziehungsbeamten der Stadt bescherte Ahlen Anfang des Jahres bundesweite Schlagzeilen, weil die neue Mops-Eigentümerin Michaela Jordan aus Wülfrath Klage gegen die Stadt einreichte. Die Polizistin fühlte sich beim Erwerb aufgrund einer Ebay-Kleinanzeige von dem Mitarbeiter der Stadt grob getäuscht, der die Hündin als angeblich gesund und tierärztlich bestätigt für 690 Euro über seinen privaten Account verkaufte. „Alles gelogen“, sagt dazu die Klägerin.

Den von der Stadt auf massiven öffentlichen Druck angebotenen Rückkauf lehnte Jordan auch mit dem Hinweis auf die saftigen Tierarztrechnungen für die Behandlung des schon beim Kauf festgestellten Augenleidens, die sich bis heute auf 2000 Euro addiert haben sollen, ab.

Kurz vor dem Gerichtstermin ließ die Anwaltskanzlei Wolter Hoppenberg, die die Stadt Ahlen vertritt, der zuständigen Kammer noch eine umfangreiche Stellungnahme zukommen. Neben der Frage, ob die Pfändung Eddas überhaupt rechtmäßig war, weil Haustiere generell unter Pfändungsschutz stehen, steht auch die Frage der Amtshaftung und der Amtspflichtverletzung im Raum.

Mops "Edda" in ihrem neuen Heim

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  • Erst wird die Mops-Dame "Edda" von der Stadtverwaltung zum Schuldeneintreiben gepfändet. Dann wird das Tier über den privaten Ebay-Account eines Stadtmitarbeiters verkauft. Das westfälische Ahlen ist in diesem Fall gleich von mehreren Seiten in die Kritik geraten. Kämmerer Dirk Schlebes verteidigte das Vorgehen der Stadt jedoch als rechtmäßig. Laut Zwangsvollstreckungsgesetz könne wertvoller Besitz wie der Familien-Mops gepfändet werden, sagte der parteilose Kommunalpolitiker am Donnerstag, 28. Februar, der Deutschen Presse-Agentur.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Nach der Pfändung und dem Verkauf der Hündin via Ebay nimmt die Kritik am Vorgehen der westfälischen Stadt Ahlen zu. "Das Tier, seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen wurden hier vollkommen außen vor gelassen", sagte Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund am Freitag, 1.März, auf dpa-Anfrage. Der Verkauf über Ebay-Kleinanzeigen setze «dem Ganzen regelrecht die Krone auf», kritisierte die Sprecherin. Mit Tieren über Internetplattformen zu handeln, sei absolut abzulehnen, da man Lebewesen damit zu Waren degradiere.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Die Mops Hündin "Edda", jetzt umbenannt in "Wilma" sitzt mit Ihrer neuen Besitzerin Michaela Jordan vor einem Laptop. Die Käuferin der Hündin verklagt die westfälische Stadt Ahlen. "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

    Foto: Guido Kirchner
  • Sie will den Kaufpreis und die Tierarztkosten erstattet bekommen. Der Mops sei als gesund, geimpft, entwurmt, ärztlich untersucht und "mit Stammbaum" angepriesen worden.

    Foto: Guido Kirchner
  • "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

    Foto: Guido Kirchner
  • "Wilma" sitzt neben ihren neuen Freunden den beiden Möpsen "Malte" und "Ole".

    Foto: Guido Kirchner
  • Foto: Guido Kirchner
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  • Foto: Guido Kirchner

Nach Auffassung des Anwalts der Klägerin, Wolfgang Kalla, hätte es aufgrund der Rechtslage einer besonders begründeten Entscheidung der Stadt als Vollstreckungsbehörde bedurft, die Pfändung ausnahmeweise zuzulassen. Weil entsprechende Anträge fehlten, sei die Pfändung unwirksam, argumentiert Kalla.

Beim Landgericht bereitet sich die Pressestelle auf ei­nen großen Medienansturm bei der heutigen Verhandlung vor. „Was so ein kleiner Mops an Interesse auslösen kann“, wundert man sich dort. Edda alias Wilma hatte es seinerzeit in internationale Printmedien einschließlich des britischen „Guardian“ und der „New York Times“ sowie Radio- und Fernsehsender geschafft. „Der Spiegel“ widmete der Story ganze vier Seiten.

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