Bernhard Schnückel verstorben
Bis ins hohe Alter täglich am Klavier

Vorhelm -

Familie, Freunde und Weggefährten, aber auch alle Aktiven der Pfarrgemeinde St. Pankratius trauern um ihren langjährigen Organisten Bernhard Schnückel, der am Wochenende im Alter von 94 Jahren verstorben ist.

Dienstag, 19.11.2019, 23:25 Uhr aktualisiert: 19.11.2019, 23:50 Uhr
Auch im hohen Alter war er noch sehr aktiv: Bernhard Schnückel am 6. Juni 2018 an seinem Klavier. Da hatte er gerade seine Organistentätigkeit in der Pfarrgemeinde St. Pankratius beendet.
Auch im hohen Alter war er noch sehr aktiv: Bernhard Schnückel am 6. Juni 2018 an seinem Klavier. Da hatte er gerade seine Organistentätigkeit in der Pfarrgemeinde St. Pankratius beendet. Foto: Christian Wolff

Die Orgelempore in der St.-Pankratius-Kirche – sie war jahrzehntelang nicht ohne Bernhard Schnückel vorstellbar. Sein „zweites Zuhause“ stand sinnbildlich für seine große Leidenschaft zur Musik, die ihn immer begleitete. Im Alter von 94 Jahren ist der bekannte Vorhelmer am Wochenende verstorben.

Das Licht der Welt erblickte Bernhard Schnückel am 20. Februar 1925 als jüngstes von fünf Kindern in Vorhelm. Die Eltern, Küster und Organist Bernhard Schnückel und dessen Frau Theresia, bemerkten früh die musikalische Begabung des Jungen. So erteilte ihm der Vater Klavierunterricht und meldete ihn mit 15 Jahren an der Westfälischen Schule für Musik in Münster an. Klavier, Orgel, Geige und Komposition waren die Studienfächer. Beste Voraussetzungen also für den jungen Mann, einmal die Nachfolge des gleichnamigen Vaters anzutreten.

Zwar half der Vorhelmer weiterhin in der Landwirtschaft aus, um die Haushaltskasse aufzubessern, erkannte aber, dass ihm diese Arbeit nur wenig Freude bereitete.

Zwei Jahre später, im Alter von 17 Jahren, wurde Schnückel zur Wehrmacht einberufen und nahm als Panzerfunker in der Armeezentrale an der Invasion in Frankreich teil. Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft beendete er zunächst sein Studium und war dann als Vertreter für die Tabakwarenfirma Bücker tätig. Es gelang ihm, innerhalb kurzer Zeit den Umsatz zu verdoppeln, was sich finanziell auszahlte.

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1960 hatte Bernhard Schnückel bereits den Posten als Organist und Chorleiter in der Pfarrgemeinde übernommen. In dieser Zeit gründete er auch die Jagdhornbläsergruppe Vorhelm-Enniger, die er nahezu ein halbes Jahrhundert leitete. Schnückel war es auch, der die Hubertusmesse mit Beteiligung der Jagdhornbläser einführte. Daneben war der Musikfreund auch zwei Jahrzehnte als Kassierer im Schützenverein aktiv.

Im Oktober 1961 heiratete Bernhard Schnückel seine Frau Doris , geborene Herberz, und bezog einen Neubau an der Schulstraße 22. Dort eröffnete das Paar auch ein Geschäft, das vornehmlich von Doris Schnückel als gelernte Drogistin geführt wurde. Neben Drogerieartikeln und Kosmetik wurden auch Schreibwaren und Geschenkartikel verkauft. Ein Jahr später wurde Tochter Claudia geboren. Die Söhne Raphael und Marcel vervollständigten später die Familie, die durch die Heirat der Kinder und die Geburt mehrerer Enkelkinder inzwischen sehr stark gewachsen ist.

Und auch in neuerer Zeit blieb Bernhard Schnückel im Wibbeltdorf präsent. Noch bis 2017 stimmte er an Heiligabend die Pfarrgemeinde musikalisch auf das Weihnachtsfest ein. Die 37 Stufen bis zur Orgelbühne stieg er regelmäßig empor, um den Sonntagsgottesdienst musikalisch zu begleiten. Nach einer Erkrankung ließ er es etwas ruhiger angehen, doch erst im Sommer 2018 erfolgte die offizielle Verabschiedung aus dem Organistendienst. Aus diesem Anlass besuchte ihn die „AZ“ in den eigenen vier Wänden, wo er weiterhin fast täglich am Klavier saß. Ob Bach, Beethoven, Haydn oder Mozart – Schnückel ließ seinen musikalischen Empfindungen, die seiner Meinung nach im hohen Alter viel intensiver sind als in jüngeren Jahren, bis zuletzt freien Lauf.  Christian Wolff

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