Bürgerschützenverein Ahlen
131 Jahre alte Tafelfahne restauriert

Ahlen -

Eine aufwendige Arbeit liegt hinter den Mitarbeiterinnen der Paramentenwerkstatt der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut: Sie restaurierten die Tafelfahne des Ahlener Bürgerschützenvereins aus dem Jahr 1888.

Montag, 25.11.2019, 12:24 Uhr aktualisiert: 25.11.2019, 15:20 Uhr
Feierliche Übergabe der runderneuerten Tafelfahne des Bürgerschützenvereins Ahlen an den erweiterten Vorstand: Oliver Rasfeld, Jörn Ringelkamp, Josef Ostermann, Dirk Rösner, Karsten Havighorst, Harald Ulfig, Frank Beier, Marcel Jäger, Jan Kaplan, Thomas Klotz, Peter Grebenstein, Theo Ostermann, Holger Steinhoff, Bernd Schulze Beerhorst und Horst Schenkel (v.l.).Ein undatiertes Bild aus dem Archiv des Bürgerschützenvereins Ahlen zeigt die Tafelfahne bei einem Festumzug über den Marktplatz vor dem Reisebüro Pieper; rechts das damalige Hotel Pieper. Die Aufnahme entstand vor dem Zweiten Weltkrieg, vermutlich in der Weimarer Zeit.
Feierliche Übergabe der runderneuerten Tafelfahne des Bürgerschützenvereins Ahlen an den erweiterten Vorstand: Oliver Rasfeld, Jörn Ringelkamp, Josef Ostermann, Dirk Rösner, Karsten Havighorst, Harald Ulfig, Frank Beier, Marcel Jäger, Jan Kaplan, Thomas Klotz, Peter Grebenstein, Theo Ostermann, Holger Steinhoff, Bernd Schulze Beerhorst und Horst Schenkel (v.l.).Ein undatiertes Bild aus dem Archiv des Bürgerschützenvereins Ahlen zeigt die Tafelfahne bei einem Festumzug über den Marktplatz vor dem Reisebüro Pieper; rechts das damalige Hotel Pieper. Die Aufnahme entstand vor dem Zweiten Weltkrieg, vermutlich in der Weimarer Zeit. Foto: Archiv / Christian Wolff

Wilhelm von Humboldt (1767 bis 1835) prägte einst einen Satz, der genau den Geist des Bürgerschützenvereins Ahlen trifft: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Inventarienverwalter Josef Ostermann zitierte den berühmten Schriftsteller, als er am Freitagabend die restaurierte Tafelfahne des Bürgerschützenvereins Ahlen an den Vorstand übergab.

Eine festliche Runde hatte sich aus diesem Anlass im Restaurant „Chagall“ eingefunden, die dem Rückblick Ostermanns auf die lange Geschichte des kostbaren Stücks lauschte. „Aufgrund der ältesten auffindbaren Plakette an der Königskette aus dem Jahr 1688 wurde zum 200-jährigen Bestehen unseres Vereins im Jahr 1888 die Tafelfahne gestiftet“, erinnerte der Inventarienverwalter. Am 31 Januar 1888 habe die damalige Königin Antonia Schomacker an die Damen ihres Hofstaats folgende Einladung gerichtet: „Behuts Besprechung und Beratung über Anschaffung einer neuen Fahne für den hiesigen Bürgerschützenverein, werden die verehrten Damen des vorjährigen Hofstaates eingeladen zu einer Versammlung am Freitag, den 3. Februar nachmittags um 17 Uhr im Saale des Herrn Carl Klostermann. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten.“ Bei dieser Gelegenheit sei die erste Zeichnung für die neue Fahne vorgenommen worden.

„Am 4. Juni 1888 folgte die Tagung der Festkommission im Hotel Pieper“, so Ostermann. Die fertige Fahne sei dann einige Monate später von der Firma Claß-Egeling aus Münster zum Preis von 400 Mark geliefert worden. „Fahnenweihe und Übergabe erfolgten zum Schützenfest“, sei anhand der vorhandenen Dokumente nachvollziehbar und auch im 1927 erschienenen Buch „Die Geschichte des Bürgerschützenvereins Ahlen“ nachzulesen.

Eine erste Reparatur der Tafelfahne wurde laut Protokollbuch mit Beschluss vom 1. Dezember 1952 vorgenommen. In einer Versammlung im Hotel Gretenkort vom 12. März 1980 trug Josef Ostermanns Vater Theo Ostermann, damals bereits Inventarienverwalter, die erneute Reparaturbedürftigkeit vor. Für 850 Mark wurde die Aufarbeitung vorgenommen.

Ein undatiertes Archivbild zeigt die Tafelfahne bei einem Schützenumzug auf dem Ahlener Marktplatz, vermutlich in der Weimarer Zeit.

Ein undatiertes Archivbild zeigt die Tafelfahne bei einem Schützenumzug auf dem Ahlener Marktplatz, vermutlich in der Weimarer Zeit. Foto: Archiv

Fast 40 Jahre später erstrahlt die Tafelfahne in einem Glanz, den sie lange nicht mehr vorweisen konnte. „Wir sind sehr stolz und glücklich, dass wir heute auf ein so prächtig aufgearbeitetes Zeugnis unserer Vereinsgeschichte blicken können“, formulierte der Vorsitzende Horst Schenkel bei der Übergabe. Bei genauerem Hinsehen lässt sich sogar die Goldumrandung des roten Schriftzuges wieder sehen.

Die aufwendigen Stickarbeiten beherrschen heutzutage nur noch wenige Betriebe. Der Bürgerschützenverein vertraute seine Fahne unmittelbar nach dem Schützenfest um Fronleichnam 2019 der Paramentenwerkstatt der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut an. Am Rande des Eggegebirges, in der Nähe von Paderborn, besteht diese seit 60 Jahren als Meisterbetrieb. Im Jahr 2014 nahm Schwester Augustine Ermrich den Goldenen Meisterbrief entgegen. Sie bildete insgesamt 33 Paramentenstickerinnen aus. Vier davon sind bis heute ihre Mitarbeiterinnen. Neben Traditionsfahnen haben sie sich auf Messgewänder, Wandbehänge, Stolen oder Wandteppiche spezialisiert.

 

Ein prächtig aufgearbeitetes Zeugnis unserer Vereinsgeschichte.

Horst Schenkel
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