21-Jähriger instabil
Raubüberfall auf Tankstelle ein Hilferuf

Ahlen / Münster -

Für einen maskierter Raubüberfall auf eine Tankstelle in Ahlen machte ein 21-jähriger Angeklagter aus Ahlen vor dem Landgericht psychische Instabilität verantwortlich. Mit der Beute sollte es gleich in die Spielhalle gehen.

Samstag, 30.11.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 01.12.2019, 16:50 Uhr
Landgericht Münster 
Landgericht Münster  Foto: Rieke Tombült

Unerwartet zügig gingen am Freitagmittag die Verhandlungen über einen Schweren Raub in einer Tankstelle in Ahlen vor der großen Strafkammer des Landgerichtes Münster über die Bühne. Der 21-jährige Täter, nach den Feststellungen der Gerichtspsychologin emotional stark instabil, zeigte sich gegenüber den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft geständig.

So gab er zu, im August die SB-Tankstelle an der Hammer Straße maskiert und mit einem 14 Zentimeter langen Küchenmesser überfallen zu haben. Als Motiv nannte er, zu diesem Zeitpunkt in einer seelisch äußerst schwierigen Phase gewesen zu sein, der Überfall sollte einen Hilferuf darstellen. Mit dem Geld beabsichtigte er, in eine Spielbank zu gehen und sich anschließend der Polizei zu stellen.

Der Vorsitzende Richter wirkte gegenüber dieser Darstellung skeptisch und fragte mehrmals nach dem Grund, warum sich der Täter dann maskiert hätte, wenn es ohnehin sein Ziel war, dingfest gemacht zu werden. Auch führte der Zeitpunkt der Tat, kurz vor Ladenschluss, zu Rückfragen, die die Spontanität der Tat in Frage stellten.

Maske und Messer blieben am Tatort

Sich selbst konnte der Angeklagte dann auch nicht mehr erklären, warum er die Maske und das Messer direkt nach Verlassen der Tankstelle am Tatort zurückließ. Er gab lediglich an, zum Tatzeitpunkt unter Amphetaminen gestanden zu haben und sehr aufgeregt gewesen zu sein. Dementsprechend habe er die erbeutete Kassenlade mit über 650 Euro Inhalt auch wenige hundert Meter von der Tankstelle nur teilweise geplündert. Der Rest wurde im Anschluss von der Polizei sichergestellt, die in der Nähe des Tatortes dann auch den Angeklagten selber mit mehreren hundert Euro offen in der Hand antraf. Zum Zeitpunkt der Festnahme sei dieser – nach schriftlicher Aussage eines Polizisten – völlig abwesend und verwirrt gewesen.

Äußerst emotionale Instabilität

Die Tat war nach Ansicht der Gerichtspsychologin nur im Kontext der massiven Persönlichkeitsstörung des 21-Jährigen zu sehen. Die Schilderungen der Psychologin machten deutlich, dass sich der Weg des Angeklagten seit Vernachlässigung in der Kindheit durch mehrere psychiatrische Einrichtungen zog und von mehreren Gesetzesverstößen begleitet war. Dass es nun zu einer schweren Straftat gekommen ist, sei der traurige Höhepunkt. Bereits in den Kliniken sei der Angeklagte regelmäßig und heftig eskaliert und auch aus einigen Einrichtungen entlassen worden. Neben dem Konsum von Drogen komplettierte eine Reihe von Straftaten, wie bei der Verlesung des Auszuges aus dem Bundeszentralregister offensichtlich wurde, das Bild. Aufgrund der emotionalen Instabilität des Angeklagten, die bis zu suizidalen Tendenzen reicht, sah die Psychologin dementsprechend auch die Voraussetzungen des Strafgesetzbuchs bezüglich verminderter Schuldfähigkeit für gegeben.

Das Hauptverfahren war somit am Freitag bereits weitestgehend abgeschlossen, lediglich die Plädoyers und die Urteilsverkündung stehen damit noch für den zweiten Verhandlungstag am 9. Dezember aus.

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