Kindermusical in der Stadthalle
Zwei Mädchen begehren auf

Ahlen -

Die Bühne der Ahlener Stadthalle im Rausch der Farben: 140 Jungen und Mädchen inszenierten das Musical „Tanz der Gaukler“.

Montag, 02.12.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 03.12.2019, 09:13 Uhr
Die spanischen Schwestern gehören zu der Gauklertruppe, die zum großen Burgfest eingeladen ist, um den Besuch des Herzogs Siegbert angemessen zu begehen.
Die spanischen Schwestern gehören zu der Gauklertruppe, die zum großen Burgfest eingeladen ist, um den Besuch des Herzogs Siegbert angemessen zu begehen. Foto: Dierk Hartleb

Maria und Isabella – zwei junge Frauen proben den Aufstand. Dabei könnten sie nicht gegensätzlicher sein. Die eine ist Küchenmagd, die andere Tochter des Grafen. Beide halten sich nicht an die Spielregeln, die ihnen die mittelalterliche Gesellschaftsordnung vorschreibt: Marie spricht besser Latein als die männlichen Eleven, obwohl sie gar nicht auf der Schulbank sitzen dürfte. Und Isabella will alles, nur auf keinen Fall den Mann heiraten, den ihr Vater für sie ausgesucht hat: Herzog Siegbert.

Das ist eigentlich ein Stoff von Shakespeare‘scher Güte. Nur dass er nicht aus der Feder des englischen Dramatikers stammt. Das Libretto für das Kindermusical „Tanz der Gaukler, das am Sonntagnachmittag Premiere in der Stadthalle feierte, hat sich vielmehr Uta Rathmer-Schumacher ausgedacht, die Musik Ehemann Martin Schumacher geschrieben.

Den Zuschauern wurde ein opulenter Augen- und Ohrenschmaus geboten – mit fast 140 Mitwirkenden, die als Feuerkinder, Spielkinder, Waldtiere, Bäume, Mägde, Knappen, Gaukler, Hofdamen, Grafen und Herzöge oder als Druidinnen und nicht zu vergessen Pater Ignatius auftraten.

Die Chöre der Schule für Musik aus Ahlen und Kinder der Musik-AG aus Sendenhorst stemmten ein Mammutprogramm auf der Bühne. Nicht nur, dass sie die eingängigen Texte der Lieder intus haben mussten, sondern sie mussten auch noch die Schwerter schwingen, tanzen, sich bei Tisch benehmen, Feuer simulieren, in die Rolle wilder Tiere oder von Bäumen schlüpfen. Dazu hatte Regisseurin Uta Rathmer-Schumacher alle Szenen gründlich choreographiert, so dass die voll besetzte Stadthalle ein stimmiges Gesamtkunstwerk erlebte, das alle Sinne beanspruchte. Gar nicht satt sehen konnten sich die Zuschauer an den Kostümen, die die Mütter in aufwendiger Näharbeit erstellt hatten.

Selber machen war aber auch für die Bühnendekoration angesagt: Sowohl das Bühnenbild mit der formidablen Burg als auch die Elemente wie Bäume oder die eindrucksvollen Fliegenpilze waren in Eigenregie entstanden. „In den Herbstferien haben wir im Saal Sandgathe eine Woche lang gebaut“, erläuterte die Regisseurin am Rande der Aufführung. Und die Generalprobe konnte erst am Tag vor der Premiere stattfinden.

Tanz der Gaukler

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Mit dem Lied „Als die Erde noch eine Scheibe war“ begrüßten die Chöre die Zuschauer. Damit war der Konflikt zwischen Traditionalisten und Erneuerern schon benannt. Doch die Revolution des alten Weltbilds ging in der hochaktuellen Erzählung nicht von Wissenschaftlern wie Nikolaus Kopernikus und Galileo Galilei aus, sondern von zwei jungen Mädchen, die sich nicht länger in ein überkommenes Welt- und Gesellschaftsbild einfügen wollen.

Die weitere Geschichte ist schnell erzählt: Unabhängig voneinander fliehen Marie und Isabella vom Hof und finden zunächst Aufnahme bei den Gauklern, die gerade beim großen Hoffest von Graf Meinhardt und seiner Gemahlin Waltraud zu Ehren herzoglichen Besuches aufgetreten sind. Als die Gräfin aus Gram über das Verschwinden ihrer Tochter erkrankt, machen sich die Druidinnen, die sich mit Kräuterheilkunde auskennen, zusammen mit Marie, die inzwischen zu ihnen gestoßen ist, auf den Weg zur Burg. Auch die Gaukler kehren noch einmal zurück, um dem Graf Isabella zurückzubringen. Am Ende muss der erkennen, dass eine neue Zeit angebrochen ist, in der sich Mädchen nicht mehr gegen ihren Willen verheiraten lassen und auch Mägde ihren Anspruch auf Bildung durchsetzen können.

„Fridays for future“ lässt grüßen, denn auch hier muss sich die ältere Generation gerade sagen lassen, wo es langgeht. Für ihre überzeugende wie anrührende Darbietung feierten die Besucher die jungen Akteure.

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