SPD-Jubilarehrung
„Münte“ warnt vor Koalitionsbruch

Ahlen -

Er ist ein sozialdemokratisches Urgestein: Franz Müntefering sprach als Gastredner bei der Jubilarehrung der SPD.

Dienstag, 03.12.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2019, 10:12 Uhr
Ehrung für 25- und 40-jährige Mitgliedschaft: Christa Schwab, Udo Oberdieck, Franz Müntefering, Werner Sandbothe, Helmut Heimann, Kurt Kalus, Frederik Werning, Andrea Jaunich und Sebastian Richter (v.l.).Foto: Ralf Steinhorst
Ehrung für 25- und 40-jährige Mitgliedschaft: Christa Schwab, Udo Oberdieck, Franz Müntefering, Werner Sandbothe, Helmut Heimann, Kurt Kalus, Frederik Werning, Andrea Jaunich und Sebastian Richter (v.l.).Foto: Ralf Steinhorst

Für die diesjährige Jubilarfeier am Montagabend in der Stadthalle hatte die Ahlener SPD mit Franz Müntefering ein Urgestein der Partei als Gastredner gewinnen können. Ohne Manuskript griff er die politischen Geschehnisse der Eintrittsjahre der Jubilare auf, ging aber auch auf die aktuelle Lage der SPD ein.

Eine alte Sitzungsglocke schwenkte der Stadtverbandsvorsitzende Sebastian Richter zur Eröffnung der Veranstaltung. Den Jubilaren zollte er anschließend großen Respekt für ihre Treue zur Partei, obwohl diese in den vergangenen Jahrzehnten eine wechselhafte Geschichte hatte.

Bevor der ehemalige Vizekanzler und SPD-Vorsitzende Franz Müntefering zu Wort kam, stimmte Manfred Kehr, der sich deutschen Arbeiterliedern verschrieben hat, die Gäste mit einem Gesellenlied vom Ende des 19. Jahrhunderts ein.

Die sozialdemokratische Idee ist nicht zu Ende, sondern ein Maßstab für die Zukunft.

Franz Müntefering

Der ehemalige mehrfache Bundesminister Franz Müntefering freute sich zu Beginn seiner Ausführungen, mit Günter Harms und Horst Jaunich zwei Weggefährten aus alten Zeiten wiedergetroffen zu haben, um dann vor seinem Blick zurück in die bundesdeutsche Politikgeschichte festzustellen: „Die sozialdemokratische Idee ist nicht zu Ende, sondern ein Maßstab für die Zukunft.“ Sein Rückblick galt konkret den Jahren 1959, 1969, 1979 und 1994, in denen die Jubilare in die SPD eingetreten waren. So war 1959 das Godesberger Programm beschlossen worden, ein Meilenstein für die SPD. Darin wurde unter anderem formuliert: „Die Frage der Solidarität entscheidet das Verhältnis zwischen den Menschen.“ Zugleich habe die SPD sich damals von einer Partei der „Arbeiterklasse“ zu einer Volkspartei entwickelt. Müntefering: „Wir wollen für alle im Land Politik machen, nicht nur für ein Klientel.“

Ehrung für 50 und 60 Jahre Treue zur SPd: Frederik Werning, Franz Müntefering, Adolf Braekelmann, Horst Kehne, Reinhard Riedel, Christel Ledwohn, Franz Rolf, Ursula Schulz, Horst Teutenberg, Jürgen Klinge, Lothar Müller, Sebastian Richter, Helmut Frack und Andrea Jaunich (v.l.).

Ehrung für 50 und 60 Jahre Treue zur SPd: Frederik Werning, Franz Müntefering, Adolf Braekelmann, Horst Kehne, Reinhard Riedel, Christel Ledwohn, Franz Rolf, Ursula Schulz, Horst Teutenberg, Jürgen Klinge, Lothar Müller, Sebastian Richter, Helmut Frack und Andrea Jaunich (v.l.). Foto: Ralf Steinhorst

Waren hier schon versteckte Bezüge zur Gegenwart erkennbar, wurde der ehemalige Parteivorsitzende dann noch deutlicher. Politiker seien keine Erwählten, sondern Gewählte, und er fügte hinzu: „Wenn man eine Koalition macht, muss man sich vertrauen.“ Die nur 47- prozentige Mitgliederbeteiligung am zweiten Wahlgang zum SPD-Vorsitz gebe ihm zu denken. Diejenigen, die sich nicht beteiligt hätten, müsse man ansprechen. Dem unterlegenen Bundesfinanzminister Olaf Scholz sprach Müntefering eine hohe Kompetenz zu. Zugleich mahnte er vor Übermut: „Wer Parteivorsitzender ist, muss wissen, das ist keine Kommandozentrale.“ Der Erwartungsdruck auf das Duo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sei hoch.

Aber auch Europa und den Klimaschutz nahm Franz Müntefering ins Visier: „Der Zustand des Planeten ist kein Spaß, das kann man nicht national lösen.“ Europa sei hier mit fünf Prozent der Weltbevölkerung schon eine entscheidende Größe. „Merkel und Co.“ seien nicht mutig genug. Den Weg, Menschen die Realität zu verschweigen, hält der ehemalige Vizekanzler für falsch: „Die Menschen wissen, dass da eine Gefahr ist.“ Vielmehr müsse ein Weg der Aufklärung gegangen werden.

Zum Abschluss bat „Münte“, wie ihn viele Genossen nennen, die SPD-Mitglieder, der Partei treu zu bleiben: „Die anderen politischen Parteien sind nicht besser dran als wir – auch die Grünen nicht.“ Die müssten ihre Regierungsfähigkeit erst noch zeigen.

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