Prozess gegen VW
SaniTrans will weiter kämpfen

Ahlen/Münster -

Das Urteil geht ihm nicht weit genug: Adrian Blaschke erzielte am Donnerstag vor dem Landgericht Münster nur einen kleinen Erfolg in seinem Kampf gegen die VW AG. Der Geschäftsführer der Ahlener SaniTrans GmbH kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.

Donnerstag, 09.01.2020, 16:24 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 16:31 Uhr
Adrian Blaschke und sein Anwalt Tolgay Eyrice am Donnerstag im Landgericht. Dem Geschäftsführer von SaniTrans reicht die Entscheidung nicht. Er geht in Berufung.
Adrian Blaschke und sein Anwalt Tolgay Eyrice am Donnerstag im Landgericht. Dem Geschäftsführer von SaniTrans reicht die Entscheidung nicht. Er geht in Berufung. Foto: Sabine Tegeler

„Wir machen weiter.“ Adrian Blaschke gibt sich kämpferisch. Der Geschäftsführer der Ahlener SaniTrans GmbH , der sich mit extra umgebauten Wagen auf Krankentransporte spezialisiert hat und sich durch den Abgasskandal getäuscht und betrogen sieht, will den Autobauer VW in die Knie zwingen. Oder zumindest in die Kniebeuge.

30.400 Euro Schadensersatz

Einen kleinen Erfolg hat der in Münster lebende Unternehmer am Donnerstag vorm Landgericht erzielt: Für vier der in Frage stehenden VW sieht die Vorsitzende Richterin den Schadensersatz als gerechtfertigt an. VW Caddys, die Adrian Blaschke 2013 und 2014 angeschafft hatte, und die mit dem EA-189-Motor ausgestattet waren. Das sind jene Motoren, die durch eingebaute Abschalteinrichtungen unrühmliche Bekanntheit erlangten. Den Schadensersatz ausbezahlt bekommen soll Adrian Blaschke allerdings nur für drei Wagen, da der vierte nach einem Unfall schon zum Versicherungsfall geworden war. Insgesamt rund 30.400 Euro erkennt die Richterin zu und bejaht damit in diesen Fällen eine sittenwidrige vorsätzliche Schädigung, die durch den Wolfsburger Autobauer verursacht wurde.

Für zwei weitere Fahrzeuge, die Adrian Blaschke erst 2017 und 2018 gekauft hat, und für vier VW mit dem Nachfolgemotor EA 288 sieht die Vorsitzende das allerdings anders. Spätestens nach der massiven medialen Berichterstattung über den Dieselskandal 2015/2016 habe der Kläger Bescheid wissen und anders handeln können: „Wenn ich schon vier baugleiche Fahrzeuge im Bestand habe“, so die Richterin, „dann liegt es doch nahe, mal nachzufragen.“

Nein. Zufrieden bin ich nicht.

Adrian Blaschke

Und was die EA-288-Motoren angehe, habe sich das Kraftfahrtbundesamt (KBA) eindeutig positioniert: „Es hat keine Rückrufaktion veranlasst.“ Ob in diesen Motoren eine wirklich unzulässige Abschalteinrichtung verbaut sei, sei bislang nicht geklärt. Dem Hersteller könne hier keine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung unterstellt werden: „Nicht jeder, der ein mangelhaftes Produkt auf den Markt bringt, handelt vorsätzlich.“

Adrian Blaschke und sein Anwalt Tolgay Eyrice haben mit diesem Urteil gerechnet, wollen es so aber nicht stehen lassen. „Nein. Zufrieden bin ich nicht“, sagt der 40-jährige Geschäftsführer und kündigt weitere Schritte an.

Nächste Instanz: OLG

Was damit gemeint ist, konkretisiert Tolgay Eyrice: Er werde Berufung einlegen, denn die Summe sei absolut nicht zufriedenstellend. Man wolle sowohl Zinsen als auch eine finanzielle Berücksichtigung der Umbauten, die die Caddys erst zu Krankentransportwagen machten. Und was den Nachfolgemotor betrifft: Da gebe es noch keine höchstrichterliche Entscheidung, ob die Abschaltanlage unzulässig sei oder nicht. Die Haltung des KBA sei umstritten. „Es gibt ja schon Klagen dagegen“, fügt Adrian Blaschke an.

Für ihn und Tolgay Eyrice ist das Oberlandesgericht Hamm jetzt die nächste Station im Kampf gegen VW. Und je nach Ausgang dort, gebe es dann ja auch noch den Bundesgerichtshof.

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