Versammlung der Landwirte
„Erstmals ziehen alle an einem Strang“

Ahlen -

Die Landwirte machen mobil – mit Traktoren und medial. Das zeigte am Mittwochabend die Jahreshauptversammlung der Landwirtschaftlichen Ortsverbände Ahlen, Dolberg und Vorhelm im Gasthaus Quante.

Donnerstag, 09.01.2020, 21:30 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 21:40 Uhr
Hubertus Heimann (re) war einer der ersten die ihren Beitritt erklärten, Beifall dafür von vl. Ulrich Averberg, Hubert Steinhoff, Dr. Alexander Berger, Ralf Strokamp und Hermann-Josef Schulze Zumloh
Hubertus Heimann (re) war einer der ersten die ihren Beitritt erklärten, Beifall dafür von vl. Ulrich Averberg, Hubert Steinhoff, Dr. Alexander Berger, Ralf Strokamp und Hermann-Josef Schulze Zumloh Foto: Peter Schniederjürgen

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal liefen die neuen Kinospots und eine Diashow der jüngsten Bauerndemos in deutschen Großstädten, vorgeführt und kommentiert von Ludger Schulze Horsel und Christian Leyer . Inhalt war auch der ungeschriebene Titel der Versammlung: die Solidarität der Bauern in ihren zahllosen und gänzlich unterschiedlichen Erwerbszweigen.

Das verdeutlichte auch Hermann-Josef Schulze Zumloh. „Zum ersten Mal ziehen alle an einem Strang“, sagte der Chef des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Warendorf. Denn hinter den Bauern liege ein ereignisreiches Jahr. Tausende von Schleppern hatten in den großen Städten der Republik geröhrt, dabei auch zahllose Traktoren aus Ahlen. Für diesen Einsatz bedankte sich der Bauernchef. „Es ist einfach toll, was ihr hier geleistet habt, aber unsere Lage erfordert es auch“, hob Schulze Zumloh hervor. Denn für ihn und seine Berufskollegen sei die Lange in den vergangenen Jahren zusehends schwieriger geworden: Billigprodukte auf der einen, immer schärfere Gesetze und Bestimmungen auf der anderen Seite. Die Landwirte dazwischen kämen in Bedrängnis.

„Nun haben wir uns für die Marketingoffensive entschieden“, erklärte der Kreisverbandsvorsitzende. Seit Wochen bereits im „Cinema Ahlen“ zu sehen – und bald auch bundesweit – ist der neuen Bauernspot. Titel: „Landwirtschaft mag doch jeder“. Eine professionelle Agentur der Landwirte hat einen eindrucksvollen Clip produziert, der durch das finanzielle Engagement der örtlichen Landwirte hier schon seit Jahresende zu sehen ist. Auch auf YouTube gebe es den Spot. Schulze Zumloh erklärte den Strategiewechsel seiner Kollegen: nicht länger über „fake news“, negative und tendenzielle Berichte stöhnen, sondern selber aktiv und positiv für das Ansehen des Berufsstandes sorgen. Sein Beispiel waren die allgegenwärtigen Traktoren. „Unsere Demonstrationen haben die Bevölkerung erreicht. Aus unserem Arbeitsgerät ist ein Kultobjekt geworden, das müssen wir nutzen“, sagte der Funktionär.

Das machen die Ahlener auch. So erklärte Ralf Storkamp, Vorsitzender der Ahlener Landwirte, mit seinen Dolberger Kollegen Hubert Steinhoff und Ulrich Averberg für Vorhelm das geplante Engagement zum „Tag der Landwirtschaft“ am 28. August. Die Verbände wollen sich mit einer großen Strohburg daran beteiligen. Zudem sind ein Waffel- und Kaffeestand in Planung. Denn auch hier nehmen die Bauern ihren Leitspruch „Wir ernähren euch“ mit einem Zwinkern ernst.

Die drei Vorsitzenden baten ihre Kollegen um Unterstützung der Marketingaktion. Unter dem Titel „Landwirtschaft braucht Zukunft“ baten sie um finanzielle Hilfe für die Initiative „Landwirt schafft Leben“. Sie wird durch Mitgliedsbeiträge finanziert. Die Mitgliedschaft ist freiwillig und der Beitrag dazu richtet sich an der Umsatzhöhe des Betriebs aus. „Das ist ein wichtiges und richtungsweisendes Projekt, an dem ich wirklich gern teilnehme“, erklärte Hubertus Heimann und warf seine Beitrittserklärung als einer der ersten in die große Trommel.

Anschließend lieferten die drei Verbände die Rechenschaftsberichte ab. Es wurden die Kassenberichte vorgetragen und die Vorstände entlastet.

Aus den Überschüssen der „Ahlener Woche“ konnten die Landwirte außerdem 750 Euro an den Schülerhilfeverein „Keiner geht verloren“ (kgv), den „Warenkorb“ der Caritas und die Pony-Station „Toni Hämmerle“ übergeben.  

Unsere Demonstrationen haben die Bevölkerung erreicht.

Hermann-Josef Schulze Zumloh
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7181167?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
NRW mistet Schweineställe aus: neue Perspektiven für die Tierhaltung
Tiergerechter sollen die Ställe der Zukunft sein. In Bad Sassendorf baut die Landwirtschaftskammer NRW zwei Musterställe.
Nachrichten-Ticker