Ahlenerin forschte 28 Jahre
Karussell-Geschichte auf 496 Seiten

Ahlen -

28 Jahre investierte Susanne Köpp-Fredebeul in ihre Recherchen für das Buch „Vom Karussellpferd zur Raketenbahn“. Darin beschreibt die Ahlenerin die Geschichte des Karussellbaus in Deutschland.

Montag, 13.01.2020, 11:00 Uhr
Voller Stolz präsentiert Susanne Köpp-Fredebeul ihr Buch „Vom Karussellpferd zur Raketenbahn“ als Ergebnis aus drei Jahrzehnten Recherche.
Voller Stolz präsentiert Susanne Köpp-Fredebeul ihr Buch „Vom Karussellpferd zur Raketenbahn“ als Ergebnis aus drei Jahrzehnten Recherche. Foto: Ulrich Gösmann

Es ist fast schon ein Vermächtnis – 496 Seiten, 800 Bilder im Großformat 28 mal 23,5 Zentimeter, 3,2 Kilogramm schwer. Zwischen den beiden im samtigen Blau gehaltenen Buchdeckeln blättert Susanne Köpp-Fredebeul nicht ihre Lebensgeschichte auf, sondern beschreibt unter dem Titel „Vom Karussellpferd zur Raketenbahn“ die Geschichte des traditionsreichen Karussellbaus in Deutschland.

Abgesehen von dem ungewöhnlichen Format ist das Buch auch ansonsten alles andere als gewöhnlich. „Es gibt bis heute nichts Vergleichbares“, erklärt die 61-jährige Ahlenerin. Die Geschichte der Karussellhersteller und der Schausteller schlummerte weitgehend unerforscht in Stadt-, Heimat- und Firmenarchiven. Vor 28 Jahren machte sich die gelernte Arzthelferin ans Werk und begann mit ihren Recherchen. Wer so lange an einem Thema arbeitet, muss im besten Sinn besessen sein.

Die Wurzeln dafür sind in der Kindheit Susannes und den Besuchen der Ahlener Kirmes mit ihrem Vater zu suchen. Vor allem das Pferdekarussell von Otto Gehner hatte es ihr angetan. Lange trauerte Susanne Köpp, deren Begeisterung für Pferde die amerikanische TV-Serie „Fury“ geweckt hatte, den hübschen Holzpferden nach, als sich der Schausteller 1970 zurückzog. Als ihr 2018 eine Sammlerin in Niedersachsen ein Originalholzpferd des Ahlener Karussells anbot, dachte sie kurz nach und schlug zu. Inzwischen verfügte sie bereits über eine ansehnliche Sammlung ehemaliger Karussellpferde und ein historisches Karussell aus dem Jahr 1929, das sie zusammen mit ihrem Mann Alexander auf Jahrmärkten betreibt. In diesem Jahr war das Ehepaar samt Karussell sogar Gast beim Sommerfest des Bundespräsidenten. Und auch vom Ahlener Weihnachtsmarkt ist das Ringelspiel, wie man in Österreich sagt – Schwindel oder Taumel im Schweizerischen – nicht mehr wegzudenken.

Blick ins Buch...

Blick ins Buch... Foto: privat

Zurück zum Buch, das sich nicht von allein schrieb, sondern neben dem Besuch von Archiven auch zahlreiche Exkursionen erforderte – vor allem nach Thüringen, wo viele Karussellbauer zu Hause waren. Nicht überall liefen die Fredebeuls – Ehemann Alexander hatte das Sammeln und Recherchieren längst auch zu seinem Hobby gemacht – offene Türen ein. Auch von manchem Experten erntete die Ahlenerin scheele Blicke, denn sie ist ja nicht studiert.

Aber es gab auch Ermutigung, nicht nur vom Deutschen Schaustellerbund und anderen, sondern auch aus Übersee. Nach Erscheinen des Buches im Januar 2019 meldete sich der Landschaftsverband Rheinland bei ihr und lobte den Umfang und die Tiefe, mit der Susanne Fredebeul das Thema erforscht und beschrieben hat. Ein Exemplar der insgesamt 1000 im Selbstverlag erschienen Bücher steht in der Präsenzbibliothek des rheinischen Amtes für Denkmalpflege.

Bei der Übergabe des Buches war auch Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke (r.) anwesend.

Bei der Übergabe des Buches war auch Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke (r.) anwesend. Foto: privat

„Das ist für mich eine Art Ritterschlag“, bekennt die Autorin, die mit der Darstellung ihrer Erkenntnisse über die Karussellbauindustrie und ihre Gespräche mit Zeitzeugen ein Stück verblichener Geschichte zurück in die Gegenwart holt und den Karussellbauern ein Denkmal setzt.

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