Fachgeschäft gibt auf
Der Bauchladen schließt

Ahlen -

Die nächsten Fachgeschäfte für Umstandsmode wird es in Münster und Bielefeld geben, wenn der Bauchladen in Ahlen schließt. Sabrina Stroick nennt gesundheitliche Gründe in der Familie – und das Internet.

Dienstag, 14.01.2020, 18:57 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 13:18 Uhr

Bauchgefühle im Bauchladen – die beschäftigen am Dienstag auch Sabrina Stroick , seitdem ihre Plakate hängen: „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe!“. Langsam sackt tief im Inneren, was vor fünf Jahren begann und in Kürze endet.

Juni 2015 war‘s, als Sabrina Stroick mit ihrer Schwester Julia und Mutter Elke Sandforth den „Bauchladen“ zu einer festen Anlaufstelle für Umstandsmode in Ahlen machten. Mehr gab‘s zunächst nicht im Sortiment des winzigen Ladens, der unscheinbar an der Parallelader zur Fußgängerzone in der Hellstraße lag. Doch er lief – so gut, dass zwei Jahre später ein attraktiver Leerstand in die Laufmeile lockte: Im Mai 2017 übernahmen die Sandforth-Damen den ehemaligen Beumer-„Opus“. Von den drei Gründerinnen ist inzwischen nur noch eine am Steuer: Sabrina Stroick. Ihre Schwester Julia zog es 2018 in den alten Beruf. Gesundheitliche Gründe zwangen jetzt ihre Mutter, ebenfalls auszusteigen. „Der Chef muss immer mehr da sein, als die Angestellten“, sagt die 39-Jährige. Ein Anspruch, der ohne ihre Mutter mit nur noch einer Angestellten nicht mehr zu halten ist.

Ich verstehe Fachgeschäfte, die inzwischen Beratungsgebühren nehmen.

Susanne Stroick

Zu den familiären Gründen kommt das Internet, das sich immer stärker in den Geschäftsabschlüssen bemerkbar macht. Im Oktober flaggte der Bauchladen um: „Jetzt Outlet!“. Doch das, was durch große Prozentzahlen mehr an Kunden kam, lief nicht synchron mehr in die Kasse. „Klar, bei bis zu 70-prozentigen Rabatten“, sagt Sabrina Stroick. Das Internet gehöre immer mehr zum Alltag, denn: „Online bequemer, günstiger und schneller.“ Dazu ein Kundenverhalten, das zunehmend sprachlos stimme: „Die Leute probieren hier eine Jacke an. Ich bestelle sie in der richtigen Größe und rufe dann an. Aber sie wird nicht abgeholt“, sagt die Geschäftsfrau. Doch die Episode ist noch nicht zu Ende erzählt: Der Kunde käme später mit derselben Jacke in den Laden, um nach etwas Anderem zu schauen, um wohl auch das im Netz zu bestellen. Stroick: „Ich verstehe Fachgeschäfte, die inzwischen Beratungsgebühren nehmen.“

Sind da noch die Discounter, die dem gut sortierten Fachgeschäft an die Substanz gehen: Aldi, Lidl und andere hätten regelmäßig Umstandsmode in ihren Aktionen. Sabrina Stroick sieht für sich den Zeitpunkt gekommen, das Feld zu räumen. Den 29. Februar hat sie als letzten Tag im Hinterkopf. Sollte der Ausverkauf zügiger gehen, schließt sie früher.

Wie es in ihr aussieht? „Ich brauche nicht darüber reden. Es ist hart“, gesteht die gelernte Augenoptikerin, die sich um ihre Zukunft keine Sorgen macht. Ihr ehemaliger Arbeitgeber hat sie soeben ermuntert, zurückzukommen. Das gibt ihr ein gutes Bauchgefühl.

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