„NRW blüht was!“: Landwirte verteilen Tüten
Mit Schlepper und Samen zum Supermarkt

Ahlen -

Ungewöhnlich, dass Landwirte mit dem Trecker zum Supermarkt fahren. So fallen sie und ihre landesweite Aktion am Freitagnachmittag auf. Auch in Ahlen, wo es zu einer Tüte Blumensamen Nachdenkliches mit auf den Heimweg gibt.

Freitag, 17.01.2020, 16:00 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 19:06 Uhr
Trecker eingeparkt: Daniel Zumloh steht mit Zugmaschine vor dem Rewe, um größtmögliche Aufmerksamkeit für die Kampagne zu erzielen.
Trecker eingeparkt: Daniel Zumloh steht mit Zugmaschine vor dem Rewe, um größtmögliche Aufmerksamkeit für die Kampagne zu erzielen. Foto: Ulrich Gösmann

Näher am Verbraucher – kaum vorstellbar. Fünf Meter trennen Daniel Zumloh am Freitagmittag vom Rewe-Eingang an der Hammer Straße. Der 33-Jährige ist mit dem Trecker vorgefahren, um mit Endverbrauchern ins Gespräch zu kommen. Blumensamen sollen bei der Kontaktaufnahme helfen, denn: Bienensterben ist das eine, Gülleverordnung und Tierhaltung sind das andere. Zuletzt hatte Zumloh den Supermarkt im Schneetreiben mit dem Schlepper angesteuert.

Mit dem 33-Jährigen beziehen 35 weitere Landwirte an vier Supermarkt-Standorten Position. Landesweit sind es zeitgleich Tausende, die dem Aufruf der Initiative „Land schafft Verbindung“ unter dem Titel „NRW blüht was!“ folgen.

Blumensamen – mit dem Pinnecken ins Tütchen.
Foto: Ulrich Gösmann

ensamen – mit dem Pinnecken ins Tütchen.

Die Vorabmeldung in der Tageszeitung hat Frühstarter mobilisiert. „Die Ersten waren schon da und wollten eine Tüte“, ruft Christoph Deter den Kollegen amüsiert herüber, die gerade eintreffen. Für den ersten Ansturm ist er vorberietet: „Wir haben zu Hause schon etliche Tüten mit dem Pinnecken abgefüllt.“ Was gegen das Insektensterben zu tun ist, machen Ahlens Landwirte schon seit Jahren vor. „Wir haben Blühstreifen auf den Feldern und im Garten“, sagt Birgit Schlüter. „Gruselig“ dagegen die Steinvegetationen in vielen Vorgärten. Friedhelm Kessing weiß um die Wirkung blühender Felder: Spaziergänger blieben in der Feldflur stehen. Und: Pflücken! Das sei zwar nicht Sinn der Sache. Aber . . .

Andreas Spitzer fährt für Westfleisch – und diskutiert mit Landfrau Birgit Schlüter.
Foto: Ulrich Gösmann

eas Spitzer fährt für Westfleisch – und diskutiert mit Landfrau Birgit Schlüter.

Kaum steht der Infostand, schallt es „Toll, dass ihr hier seid“ herüber. Andreas Spitzer kommt gerade mit seinem Wochenendeinkauf aus dem Rewe . Er ist Fahrer für Westfleisch, steuert täglich Ahlener Höfe an. Insgesamt sind es 150. Er weiß um die Sorgen. „Die kleinen Betriebe haben das Problem, dass sie an der Höhe der Auflagen kaputtgehen.“ Viele Bilder gingen verzerrt in die Öffentlichkeit. Von einer Düngemittelverordnung, die falsch gerechnet werde. Und – er ist bei sich – von Fahrzeiten bei Viehtransporten. „Viele glauben, wir schaukeln Stunden mit den Tieren durch die Gegend.“ Maximal zwei Höfe, maximal eine Stunde. „Wenn ich unterwegs zum Tanken anhalte, lasse ich die Leute auch mal reinschauen. Dann haben sie plötzlich ein ganz anderes Bild von uns.“ Imagepflege wie diese vor dem Rewe sei daher richtig. Und wichtiger als nur Protest.

Das Angebot gebe es nicht, wenn es keine Nachfrage gebe.

Andreas Spitzer

Dass was schiefläuft im Alltäglichen, sieht Andreas Spitzer an aktuellen Wochenangeboten des Discounters nebenan bestätigt. Das halbe Fertig-Brathähnchen für 1,99 Euro – das dränge zuerst die Frage auf: „Wo kommt das Tier her?“ Andererseits: „Das Angebot gebe es nicht, wenn es keine Nachfrage gebe.“

Mit dem Trecker ganz nah am Verbraucher(markt).
Foto: Ulrich Gösmann

dem Trecker ganz nah am Verbraucher(markt).
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