Befürworter des Rathaus-Neubaus melden sich zu Wort
Schweigender Mehrheit Stimme geben

Ahlen -

 

Montag, 20.01.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 15:40 Uhr
Daumen runter: Markus Link (l.) und Volker Putze sind für Abriss und Neubau von Rathaus und Stadthalle. Eine Sanierung würde in ihren Augen die Probleme nur kaschieren.
Daumen runter: Markus Link (l.) und Volker Putze sind für Abriss und Neubau von Rathaus und Stadthalle. Eine Sanierung würde in ihren Augen die Probleme nur kaschieren. Foto: Peter Harke

Die „AZ“ ist mit Markus Link und Volker Putze im Wartebereich des Bürgerservices verabredet. Dort liegt u.a. die Hochglanzbroschüre „Ahlen erleben & entdecken“ aus, die die Stadt auch an Neuzugezogene verschickt. Auf dem Cover Fotos vom Markt, dem Kunstmuse­um und dem Marienplatz, aber keines vom Rathaus. „Warum wohl nicht“, wirft Link als rhetorisch gemeinte Frage in die Runde und gibt selbst die Antwort: Ein so „grottenhässlicher Klotz“ sei halt nichts, womit man sich schmücken könne. Der 49-jährige ehemalige Bergmann und sein Mitstreiter sind sicher, dass die meisten Ahlener das genauso sehen. Dieser „schweigenden Mehrheit“ wollen sie jetzt eine Stimme geben und ein Forum bieten, um sich zu informieren und auszutauschen. Zu diesem Zweck haben sie vor einer Woche bei Facebook die Seite „Pro Rathaus-Neubau“ eingerichtet. Und seitdem, berichtet Markus Link, „geht‘s richtig ab.“

Von der Resonanz sind die beiden überwältigt – im positiven wie im negativen Sinne. Einerseits haben sie schon etwa 400 Abonnenten und erfahren viel Zustimmung, andererseits sehen sie sich aber auch Anfeindungen und offenen Drohungen ausgesetzt. „Das geht teilweise unter die Gürtellinie“, sagt Volker Putze (52). Doch auch wenn es „anstrengend“ sei, wolle man sich der Ausein­andersetzung stellen und keine Meinung un­­ter­drücken. „Auch die Ge­genseite diskutiert bei uns mit, was man bei denen ja nicht darf“, kann sich Markus Link einen Seitenhieb nicht verkneifen. Jedenfalls wollen Putze und erden „Rathausfreunden“, die mit ihrer Un­terschriftensammlung den Bürgerentscheid am 8. März herbeigeführt haben, nicht länger allein das Feld und die Deutungshoheit überlassen. Die Kommunalpolitiker hätten es „wohl nicht nötig, aktiv zu werden“. Also müssten alle, die gegen den Erhalt des Parade-Baus seien, „jetzt mal den Mund aufmachen“.

Den Initiatoren des Bürgerbegehrens werfen Putze und Link vor, einseitig und teilweise mit falschen Behauptungen zu argumentieren, insbesondere ständig nur darauf herumzureiten, dass eine Sanierung des Rathauses angeblich billiger wäre als ein Neubau. „Keiner spricht über die Folgekosten“, kritisiert Volker Putze. Und wer für Klimaschutz eintrete, könne ei­gentlich nur für „Plan B“ sein, der auch hinsichtlich der CO2-Bilanz mittel- bis langfristig deutlich im Vorteil sei. Ein neues Rathaus biete obendrein die Chance, sich zu verkleinern. „Wir brauchen nicht so einen Protzbau, der einer bestimmten ar­chitek­tonischen Stilrichtung aus den 70er Jahren huldigt, sondern ein zweckmäßiges Haus für die Bürger.“ Nicht zu vergessen die Beschäftigten der Stadtverwaltung, die Anspruch auf vernünftige Ar­beitsbedingungen hätten.

Putze und Link vermuten, dass viele, die für das Bürgerbegehren unterschrieben haben, dabei dem Antrieb gefolgt sind, „denen da oben“ jetzt mal „einen einschenken“ zu wollen. Aber das sei zu kurz gedacht und verantwortungslos ge­genüber kommenden Generationen. „In 40 Jahren stehen unsere Kinder wieder vor der gleichen Situation“, glaubt Markus Link nicht an die Nachhaltigkeit der Sanierungsvariante. Darum: „Nicht zuletzt die jungen Leute müssen sich am 8. März vom Sofa runter bewegen, um deren Zukunft geht es.“ Dafür wollen Putze und Link weiter werben, nicht nur bei Facebook. Auch zu Gesprächsrunden „bei einer Tasse Kaffee“ möchten sie einladen. Aber nicht ins Rathaus. Denn da stehen nur Automaten. „Eine kleine Caféteria“ könnten sie sich auch gut vorstellen im neuen Stadthaus. Das wäre dann auch ein schönes Motiv für die Neubürgerbroschüre.

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