Stadt lud zum ersten Mobilitätsforum in den Ratssaal ein
Ahlener unzufrieden mit Bus und Bahn

Ahlen -

Rund 50 Bürger diskutierten am Montag im Ratssaal über Mobilität in Ahlen. Und sammelten Ideen für die Mobilität der Zukunft.

Dienstag, 21.01.2020, 16:58 Uhr aktualisiert: 22.01.2020, 09:14 Uhr
Zu Engpässen kommt es am Busbahnhof immer, wenn zur vollen oder halben Stunde die Omnibusse Kurs auf die verschiedenen Stadtteile nehmen.
Zu Engpässen kommt es am Busbahnhof immer, wenn zur vollen oder halben Stunde die Omnibusse Kurs auf die verschiedenen Stadtteile nehmen. Foto: Ulrich Gösmann

Mobilität – neben Gesundheit und Wohnen eines der drei Megathemen, das viele bewegt. In Ahlen noch nicht ganz so viele wie erhofft, denn bei der Veranstaltung zur Mobilität am Montagabend verloren sich die Interessierten etwas im Ratssaal.

Und nicht alle konnten oder wollten ihre Smartphones nutzen, um sich auf der Online-Plattform „Mobil 2020“ einzuloggen und interaktiv zu beteiligen. Ein Ergebnis der ersten Befragung war, dass 52 Prozent der Besucher mit dem Auto, aber immerhin 44 Prozent mit dem Fahrrad gekommen waren und vier Prozent zu Fuß. Allerdings nahmen auch nur 27 der knapp 50 Anwesenden an der Befragung teil.

Beim Thema Öffentlicher Personennahverkehr und dessen Nutzung auf dem Weg zur Arbeit war erkennbar noch viel Luft nach oben. Gerade mal zwei Teilnehmer gaben an, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, während sich Radfahrer und Pkw-Nutzer mit jeweils elf die Waage hielten. Die absolute Minderheit: der eine Fußgänger. Nicht berücksichtigt wurde, dass bei den Besuchern etliche auch schon das Rentenalter erreicht hatten.

Liste mit Beschwerden

An den drei Arbeitstischen zu den Themen Individualverkehr, Rad- und Fußgängerverkehr und ÖPNV ging es anschließend eine knappe Stunde lang zur Sache. Die Liste der Anregungen und Beschwerden über unzureichende Verhältnisse wurde länger und länger und sorgsam von den Mitarbeitern der beauftragten Planungsbüros „Plan mobil“ und „LK Argus“ aus Kassel notiert.

Besonders groß war der Zulauf beim Arbeitstisch zum Öffentlichen Personennahverkehr, wo besonders die Verknüpfung von Schienen- und Busverkehr und der sich in die Länge ziehende Umbau des Bahnhofs für Gesprächsstoff sorgten. Aus Sicht der Radfahrer ärgerlich, dass sie gezwungen sind, ihre Fahrräder zum Bahnsteig hochzuwuchten. In einer Radregion wie dem Münsterland sollte zudem das mitgeführte Fahrrad kostenlos sein, lautete eine Forderung aus der Runde.

Auch über die unzureichende Information durch die Bahn auf den Bahnsteigen wurde Klage geführt sowie über die zu engen Zeitfenster der Busanschlüsse. Und überhaupt: Bahnfahren sei zu teuer, wenn die einfache Fahrt nach Münster 13,70 Euro koste. „Für den Preis steigt niemand um“, kritisierte ein Teilnehmer.

Die Umstellung des Halbstunden-City-Takts auf 20 Minuten lautete eine weitere Forderung. Franz-Josef Buschkamp, langjähriges Kreistagsmitglied, erneuerte seinen Vorschlag, den Haltepunkt Vorhelm an der Strecke zwischen Ahlen und Neubeckum zu reaktivieren, um damit für Pendler aus dem Raum Vorhelm, Enniger und Sendenhorst ein Angebot zu schaffen. Darüber hinaus schlug er vor, eine Buslinie zum Bahnhof Drensteinfurt einzurichten, um den Pendlern nach Münster eine Alternative zu bieten.

Mobilität in Ahlen: Die Teilnehmer erarbeiteten Vorschläge.
Foto: Dierk Hartleb

lität in Ahlen: Die Teilnehmer erarbeiteten Vorschläge.

In Ahlen sollten in die neue Linienführung die Wohngebiete im Westenstadtteil einbezogen werden. Martin Hatscher beklagte die schlechte Einbindung des Gewerbegebiets Olfetal in das öffentliche Busnetz. Die Busse kämen unregelmäßig und fielen manchmal ohne Ankündigung ganz aus. Gerügt wurde auch die schlechte Verkehrsanbindung der Ortsteile Dolberg und Vorhelm vor allem an den Wochenenden.

In den beiden anderen Arbeitsgruppen wurde ebenso lebhaft diskutiert und über die Parkplatzsituation in Ahlen geklagt. Laut jüngster Erhebung der Stadt stehen 24 000 Parkplätze zur Verfügung, von denen knapp 540 bewirtschaftet werden. Allerdings stammt die allgemeine Datenbasis, anhand derer Felix Kühnen vom Büro „Plan mobil“ die Fakten vorstellte, aus dem Jahr 2004, wie eine Nachfrage aus dem Publikum ergab. „Aber wir sind dabei, neue Daten zu erheben“, versicherte Angelika Schöning.

Lob für die Weststraße

Allgemeines Lob bekam die Gestaltung der Weststraße als Begegnungszone. Kritische Stimmen, die mangelnde Verkehrssicherheit bemängelten, blieben in der Minderheit. Auch an der Umsetzung des Radverkehrskonzepts gab es einiges auszusetzen: Bedauert wurde das Fehlen einer Radstation am Bahnhof, die aber laut Stadtplanung kommen soll.

Bei der abschließenden Befragung nach der zukünftigen Mobilität waren die Befürworter einer stärker vernetzten Mobilität von Fuß-, Rad- und Öffentlichem Personennahverkehr mit intelligenter Verzahnung in der Mehrheit. Die Bürger können noch bis zum 12. Februar ihre Ideen auf der Plattform unterwww.mobilitaet-ahlen.deabgeben. Für Mai ist nach Auswertung des Bürgerforums eine zweite Veranstaltung geplant.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7209394?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Italien-Rückkehrer in Deutschland mit Coronavirus infiziert
Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Coronavirus (SARS-CoV-2, orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt.
Nachrichten-Ticker