„Tag ohne Strom“ in der Kita Beumers Wiese
Daumenkino besser als Fernsehen

Ahlen -

Einen spannenden Tag erlebten die Kinder der Kita Beumers Wiese: einen Tag ohne Strom.

Dienstag, 28.01.2020, 14:42 Uhr aktualisiert: 28.01.2020, 16:59 Uhr
Arbeitsteilung: Christian strampelt, damit Antonio und Charlotte Strom für die Carrera-Bahn haben.
Arbeitsteilung: Christian strampelt, damit Antonio und Charlotte Strom für die Carrera-Bahn haben. Foto: Ralf Steinhorst

Türklingel? Funktioniert nicht. Wasser kochen mit Wasserkocher oder auf dem Herd? Geht auch nicht. Macht in diesem Fall aber nichts. Was sich im Normalfall als Katastrophe anfühlt, ist in der Kita Beumers Wiese am Dienstag geplant. Denn zum bereits dritten Mal läuft da die Aktion „Ein Tag ohne Strom“.

„Das ist ein Tag der erschwerten Bedingungen“, ist die Stimme von Kitaleiterin Erika Venne mit amüsiertem Unterton frühmorgens um 7.30 Uhr im Flur zu vernehmen. Sie selbst ist zunächst in wenigen Metern Entfernung nur schemenhaft zu erkennen. Kein Wunder, draußen ist es stockduster und die aufgestellten Kerzen können das strombetriebene Licht bei weitem nicht ersetzen.

Die städtische Energiemanagerin Klaudia Froede war begeistert davon, wie Laura und Favio ihren Toast zubereiteten.

Die städtische Energiemanagerin Klaudia Froede war begeistert davon, wie Laura und Favio ihren Toast zubereiteten. Foto: Ralf Steinhorst

So langsam trudeln die Kinder mit ihren Eltern ein. Ein „Was ist hier denn los?“ ist aber nicht zu hören. Klar, Kinder und Eltern sind gezielt auf diesen Tag vorbereitet worden. Schließlich trägt die Kita das Zertifikat „Haus der kleinen Forscher“, in vielen Versuchen haben die Kinder so einiges über Strom gelernt. Erstaunt stellen sie zum Beispiel fest, dass auch eine Türklingel Strom braucht, um zu ertönen.

Inzwischen ist die Aktion nicht mehr so neu, seit dem Jahr 2018 wird sie jährlich in der Kita durchgeführt. „Beim ersten Mal wussten wir noch nicht, wie die Kinder darauf reagieren – ob sie Angst bekommen“, stellt Erzieherin Kosczielny fest, dass die Kids den Tag inzwischen richtig genial finden. Wobei die Älteren die Jüngeren an die Hand nehmen und durch den Tag führen.

Das ist ein Tag der erschwerten Bedingungen.

Erika Venne

Denn der stellt einige Herausforderungen. Überall im Gebäude sind Kerzen aufgestellt, Wasserbehältnisse zum Löschen im Notfall ebenfalls. Wer durch den Haupteingang rein will, muss anstatt der Klingel die auf einem Tisch stehende Glocke schwingen.

Toasten ohne Strom? Geht. Favio und Laura aus der Käfergruppe sitzen an einem Tisch und rösten mit Hilfe von Teelichten und einem kleinen darüberstehenden Rost das Brot. Draußen auf der Terrasse sind zwei Grills in Gang gebracht, auf denen wird in Töpfen Wasser für Heißgetränke und Spülwasser gekocht und zu Mittag werden Bratwürste gegrillt. Ein Clou ist ein Fahrrad, das beim Treten Strom für kleine Lämpchen und für die Carrera-Bahn erzeugt. In der Maulwurfgruppe wird an einem Daumenkino gebastelt. „Fernsehen ohne Strom“, wie es Erzieherin Anica Hugendiek nennt.

In stromlosen Zeiten erfuhr das Daumenkino seine Wiederbelebung. Das bastelte Erzieherin Anica Hugendiek mit den Kindern.

In stromlosen Zeiten erfuhr das Daumenkino seine Wiederbelebung. Das bastelte Erzieherin Anica Hugendiek mit den Kindern. Foto: Ralf Steinhorst

Die Aktion, die vor drei Jahren mit dem Verbund „Innowego“ auf den Weg gebracht wurde, findet auch die städtische Klimaschutzmanagerin Klaudia Froede gut: „Man kann gar nicht früh genug mit der Bewusstseinsbildung zum Klimaschutz anfangen“.

So wird auch im nächsten Jahr der Strom in der Kita abgestellt werden. Denn das finden die Mädchen und Jungen einfach genial.

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