Ohne die kleinen Münzen – rechnet sich das?
Das 35-Cent-Brötchen für 40 Cent?

Ahlen -

Der Brötchenpreis stiege mit einem Schlag von 35 auf 40 Cent, wenn die Ein- und Zwei-Cent-Münzen per EU-Beschluss abgeschafft würden, prognostiziert Bäckermeister Bernd Zimmermeier. Käseverkäuferin Sandra Hiemstra hat sie bereits vor Jahren abgeschafft. Ihre Kasse auf dem Ahlener Wochenmarkt laufe längst holländisch.

Donnerstag, 30.01.2020, 05:58 Uhr aktualisiert: 30.01.2020, 06:59 Uhr
Mit der nächsten Preiserhöhung würde das einzelne Brötchen bei Zimmermeiers dann gleich 40 Cent kosten.
Mit der nächsten Preiserhöhung würde das einzelne Brötchen bei Zimmermeiers dann gleich 40 Cent kosten. Foto: Ulrich Gösmann

Kasse ohne die Kleinen? Bei Elektronikanbieter Promedia funktioniert‘s. Andere winken ab, sollte die EU-Kommission die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abschaffen . „Dann kostet das 35-Cent-Brötchen mit dem nächsten Schritt gleich 40“, prognostiziert Bernd Zimmermeier. Und was macht Marktbeschicker Heinrich Schwippe mit seinem 23-Cent-Ei?

Bäckermeister Bernd Zimmermeier ist gerade zurück von einer Tagung, in der die Nachricht aus Brüssel schnell ihre Runde machte. Ein Kollege sei schon in Fünf-Cent-Schritten unterwegs. Der lebe allerdings direkt an der holländischen Grenze. Und dort gebe es ja schon längst keine kleinen Münzen mehr. „Hier in Deutschland ticken die Uhren aber anders.“

Deutliche Auswirkung bei Kleinbeträgen

Und auch das: Geschäft sei nicht gleich Geschäft: „Wenn ich irgendwo ein größeres Gerät für 99,99 Euro erwerbe und 100 Euro zahlen soll, fällt das nicht so ins Gewicht.“ Selbst dann nicht, wenn der Warenkorb an der Supermarktkasse voll sei. 

Bernd Zimmermeier

Bernd Zimmermeier Foto: Ulrich Gösmann

Wenn es aber ums Brötchen gehe, sehe das ganz anders. Der nächste Schritt wäre dann eine Erhöhung auf 40 Cent. „Das sind 14 Prozent“, sagt Bernd Zimmermeier, ohne erst nachrechnen zu müssen. Brötchen machen in seinem Sortiment 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Den politischen Entscheidungsträgern rät er, den Bogen nicht zu überspannen: „Die Leute gehen dann zum Discounter.“ Der Mittelstand brauche Stärkung, nicht Schwächung.

Hohe Gebühren für Kleingeld-Rollen

16, 19, 23, 25, 27, 30:Klingt nach seinem Lotto-Sechser. Es sind aber die Preise seines Sortiments, mit dem Eiermann Heinrich Schwippe am Mittwoch auf dem Wochenmarkt Wind und Regen trotzt. 

Eiermann Heinrich Schwippe

Eiermann Heinrich Schwippe Foto: Ulrich Gösmann

Mit Brüssel hat er gerade kein Problem: „Bei zehn Eiern passt das.“ Beim Sechser werde halt auf- oder abgerundet. Der Sprecher der Ahlener Marktbeschicker fühlt sich weniger betroffen, sollte die kleinsten Münzen wirklich verschwinden: „90 Prozent der Kunden nehmen eh zehn.“ Dass einer nur zwei Eier wolle, sei die ganz große Ausnahme. Und auch dann zu verschmerzen. Zumal ja an anderer Stelle gespart werde. An der Rolle, für die er bei der Bank einen Euro bezahle, um 50 Cent in Cent zu bekommen. Das sei das eigentliche Problem.

Die holländische Kasse

Sandra Hiemstrahat am Morgen auf der Autofahrt von Enschede nach Ahlen im Radio von der Centdebatte gehört. „Ich habe eh eine holländische Kasse.“ Sagt‘s – und zeigt, wie sie tickt, wenn 1,7 Kilo junger Gouda auf der Waage liegen. 22,73 Euro würde er kosten. Die Kasse rundet aber automatisch auf 22,75 Cent auf. Um dann von der Käsefrau aus Holland auf 22,70 korrigiert zu werden. 

Käsefrau Sandra Hiemstra

Käsefrau Sandra Hiemstra Foto: Ulrich Gösmann

„Ich runde immer ab“, betont Sandra Hiemstra . Dass sie dann jedes Mal drauflege, sei kein Problem. Das hole sie sich über das Ersparte für die Bankrolle wieder rein. Mit einem oder zwei Cent zu rechnen, das sei ihr regelrecht fremd geworden. Als Holländerin lebe sie inzwischen ohne die beiden Kleinmünzen. „Ich bin das nicht mehr gewohnt. Das ist mir inzwischen zu viel Aufwand.“

Gute Erfahrungen

Andreas Frenz ist Vorreiter in Ahlen. Der Geschäftsführer von Expert Promedia hat die beiden kleinsten Kupfermünzen im September aus der Kasse genommen. Seitdem wird auf- und abgerundet. Reibungslos, wie er bilanziert.

Die Leute finden das gut. Ein Großteil kann drauf verzichten.

Andreas Frenz

„Die Leute finden das gut. Ein Großteil kann drauf verzichten.“ und auch das: „Einige haben sogar gesagt: Schafft die Fünf-Cent-Münzen gleich mit ab.“ Das ginge aber zu weit. Die vergangenen Monate hätten ganz klar gezeigt, dass es ohne die Ein- und Zwei-Cent-Münzen gehe. Mit dem erfreulichen Effekt, viel weniger Rollen – gegen Gebühr – von der Bank holen zu müssen. Sicherlich gebe es mal einen Kunden, der erstaunt gucke. „Wenn wir es begründen, akzeptiere er es aber.“

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