FWG-Chef meldet Zweifel an
Stolperstein für Josef Ledwohn gerechtfertigt?

Soll die Stadt Ahlen eines Kommunisten wie Josef Ledwohn in gleicher Weise durch die Verlegung eines Stolpersteins gedenken wie der jüdischen Opfer des Nazi-Regimes? Diese Frage hat FWG-Chef Heinrich Artmann in einem Schreiben an den Bürgermeister aufgeworfen.

Dienstag, 04.02.2020, 14:42 Uhr
Der am 28. Januar vor dem Haus Galileistraße 11 verlegte Stolperstein zur Erinnerung an Josef Ledwohn.
Der am 28. Januar vor dem Haus Galileistraße 11 verlegte Stolperstein zur Erinnerung an Josef Ledwohn. Foto: Peter Schniederjürgen

AhlenSechzehn Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer politischer Verfolgung durch die Nationalsozialisten hat der Künstler Gunter Demnig wie berichtet am 28. Januar in Ahlen verlegt. Den ersten Stein setzte er an diesem Tag vor dem Haus Nummer 11 in der Galileistraße ins Gehwegpflaster ein, der früheren Adresse von Josef Ledwohn , der als Kommunist in Opposition zum NS-Regime stand und in den 30er Jahren mehrfach zu Haftstrafen verurteilt wurde, die er in verschiedenen Zuchthäusern und KZs absaß.

AhlenSechzehn Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer politischer Verfolgung durch die Nationalsozialisten hat der Künstler Gunter Demnig wie berichtet am 28. Januar in Ahlen verlegt. Den ersten Stein setzte er an diesem Tag vor dem Haus Nummer 11 in der Galileistraße ins Gehwegpflaster ein, der früheren Adresse von Josef Ledwohn, der als Kommunist in Opposition zum NS-Regime stand und in den 30er Jahren mehrfach zu Haftstrafen verurteilt wurde, die er in verschiedenen Zuchthäusern und KZs absaß.

Der Vorsitzende der Freien Wählergemeinschaft (FWG), Heinrich Artmann , hat jetzt in einem Brief an Bürgermeister Dr. Alexander Berger die Auffassung vertreten, dass der Text auf dem Stolperstein „nicht ganz korrekt“ sei. Artmann führt aus: „Er (Ledwohn, Anm. d. Red.) wurde wohl von 1933 bis 1936 durch die Gestapo inhaftiert und in verschiedene Gefängnisse und Lager gesteckt. Jedoch bereits im Juni 1932 wurde er wegen ,Rädelführerschaft bei schwerem Landfriedensbruch und Aufruhr‘ verhaftet und verurteilt. Erst im August 1954 erfolgte die Verhaftung wegen Verdachts des Hochverrats. Auf dem Stein ist dies jedoch die Begründung seiner Verhaftungen durch die Gestapo. Am 13.7.1956 erfolgte die Verurteilung wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens in Tateinheit mit Beleidigung zu 3,5 Jahren Haft durch ein Gericht unseres demokratischen Staates mit seiner unabhängigen Justiz. Nach seiner Entlassung lebte der KPD-Funktionär in Ost-Berlin und baute dort die SED-Diktatur mit auf.“

Er wolle „nicht über Herrn Ledwohn urteilen“, so der FWG-Chef, aber er frage sich, „ob es richtig ist“, seiner „in gleichem Maße (...) zu gedenken, wie z.B. jenen, die einzig und allein, weil sie Juden waren, in Ahlen erschlagen wurden oder in KZs durch unsere Vorfahren unvorstellbar behandelt und getötet wurden.“ Artmann kündigt für die nächste Ratssitzung einen An­trag seiner Fraktion an, dass zukünftig der Schul- und Kulturausschuss mit der Auswahl der Personen, für die in Ahlen weitere Stolpersteine verlegt werden, befasst werden soll.

Der städtische Pressesprecher Frank Mersch­­haus erklärt auf „AZ“-Anfrage, dass die Angaben auf den Stolpersteinen „selbstverständlich stets sorgfältig recherchiert“ seien, auch im Fall Josef Ledwohn. Eigene Quellensuchen der Redaktion ergaben, dass Ledwohn im Dezember 1933 vom OLG Hamm wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 30 Monaten Zuchthaus verurteilt wurde, so nachzulesen u.a. auf der In­ter­net­seite der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Inschrift wäre somit völlig korrekt.

Der städtische Pressesprecher Frank Mersch­­haus erkl

Ledwohn kam zunächst ins KZ Aschendorfermoor im Emsland, wurde dann nach Werl verlegt und im Mai 1936 aus dem dortigen Zuchthaus entlassen, so wie es auch auf dem Stolperstein steht.

 

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