Operation Schneeglöckchen
Ganz Ahlen blüht für die Biene

Ahlen -

Öffentliche Grünflächen könnten verwildert wirken, wenn die städtische Insektenoffensive greift. Seinem Konzeptbeifall schickte der Betriebsausschuss am Dienstagabend die Notwendigkeit öffentlicher Aufklärung gleich hinterher.

Mittwoch, 12.02.2020, 19:00 Uhr
Mehr Schneeglöckchen im Stadtgebiet: Sie liefern wertvolle Nahrungsergänzung zwischen Februar und April.
Mehr Schneeglöckchen im Stadtgebiet: Sie liefern wertvolle Nahrungsergänzung zwischen Februar und April. Foto: Ulrich Gösmann

Breiter Beifall für die städtische Bienenoffensive am Dienstagabend im Betriebsausschuss. Doch wie reagiert der Bürger, wenn öffentliche Grünanlagen plötzlich augenscheinlich verwildern? Einige werden stinksauer sein, prognostizierte Bündnisgrüner Dieter Broer – und schilderte einen Fall aus der Nachbarschaft, der zeige, was Ahlen ohne begleitende Aufklärung demnächst blühen könnte.

Erdbeeren im Januar, Tomaten auch im Dezember, frisch aus dem Treibhaus: Der Mensch ist lang durchs Jahr mit allem versorgt, was ihm schmeckt. Insekten nicht. Alarmierende Nachrichten über ihr Sterben haben auch die Ahlener Politik wachgerüttelt. Erste Konsequenz: eine Offensive, durch die Bienen und andere Insekten lang durchs Jahr versorgt sind.

Die Verwaltungsvorlage, die im Betriebsausschuss ihren Einstand hatte, ist eine Bestandsaufnahme der Ahlener Nahrungskette von Januar bis Dezember. Engpässe werden zwischen Fe­bruar und April ausgemacht. Dies könne durch die Anlage von Blumenwiesen nicht verbessert werden, weil sie erst zwischen Mai und September liefern. Strauchpflanzen sollen jetzt Versorgungslücken schließen. Darunter Hasel, Kornelkirsche und Weide. Je nach Standort zusätzlich unterpflanzt mit Schneeglöckchen. Eine mehrjährige Blumenwiesenmischung, auf den Kreis Warendorf abgestimmt, rundet das Angebot ab und macht es erkennbar.

Stiefmütterchen auf dem Rathausvorplatz. Für eine Wildblumenwiese wäre es hier noch zu früh.

Stiefmütterchen auf dem Rathausvorplatz. Für eine Wildblumenwiese wäre es hier noch zu früh. Foto: Ulrich Gösmann

In einem ersten Schritt will die Stadt Ahlen eigene Rasenflächen an 22 Standorten, darunter jeweils vier in Dolberg und Vorhelm, herrichten. Sie sollen im Frühjahr umgebrochen und mit Blumenwiesenmischungen eingesät werden. Im Herbst folgen standortgerechte Strauchanpflanzungen und Schneeglöckchen.

In einem weiteren Schritt sollen alle im Stadtgebiet liegenden städtischen Groß- und Kleinflächen unter ökologischen Gesichtspunkten näher betrachtet werden. Eine Vielzahl wird entweder gar nicht unterhalten oder fremdgenutzt. Im Fokus auch technische Einrichtungen wie Regen- und Hochwasserrückhaltebecken sowie Betriebsstandorte für Abwasseranlagen.

Wie gehen wir mit Insekten im Stadtgebiet um?

Andreas Mentz

„Ein erster Aufschlag, den ich klasse finde“, schickte Baudezernent Andreas Mentz in die Ausschussrunde. Das vorliegende Maßnahmenpaket baue sich in die Gesamtthematik Klimaschutz ein und stehe unter der Frage: „Wie gehen wir mit Insekten im Stadtgebiet um?“ Das Vorhaben sei effektiv und lasse sich ohne großen Aufwand umsetzen.

Beifall aus dem Ausschuss: „Sehr interessant“, fand Thomas Kozler (SPD) das Vorhaben. „Tolle ökologische Vorlage. Gelungen und ausgewogen“, lobte Andreas Husmann (FDP) – und gab einen Vorab-Hinweis an die Grünflächenabteilung, nicht zu tief zu mulchen, wenn der Mäher zum Einsatz komme. Das schade dann anderen Lebewesen. Wichtig sei es auch, dass die Bevölkerung das alles richtig verstehe.

Steilvorlage für Dieter Broer, der zunächst von einem „sehr gelungenen Aufschlag“ sprach.

Bienen sollen in Ahlen das ganze Jahr hindurch versorgt sein.

Bienen sollen in Ahlen das ganze Jahr hindurch versorgt sein. Foto: Andreas Lander/dpa

Nahrungsschwache Monate gezielt anzugehen sei „richtig toll“. Aber: Ohne Werbung gehe es nicht. Der Bündnisgrüne berichtete von einer öffentlichen Fläche, die im vergangenen Sommer bei ihm im Quartier in voller Blüte gestanden habe. In einem so leuchtenden Gelb, dass – wohl aus Respekt – zunächst nicht gemäht wurde. Broer: „Die Nachbarn waren stinksauer.“ Und dabei sei Grün in einer Stadt so wichtig. Es mache sie lebenswerter und habe einen Kühleffekt, den viele erst an heißen Sommertagen zu schätzen wüssten.

Die Nachbarn waren stinksauer.

Dieter Broer

Bernd Meiwes (SPD) schlug vor, die Schulen mit einzubinden und aus Blühflächen ein Projekt zu machen. Martin Hegselmann setzte am Rathaus an: „Wenn ich hier aus dem Fenster gucke auf die Fläche mit den Stiefmütterchen, frage ich mich, ob da nicht auch was geht?“ Andreas Mentz trat auf die Bremse: Nicht gleich Vollgas. Er sehe das Problem des Verständnisses und des individuellen Geschmacks. Eine Wildwiese an exponierter Stelle vor dem Rathaus – dafür sei die Zeit wohl noch nicht reif. Im Zuge der Umgestaltung des Sidney-Hinds-Parks würden jetzt auch viele Sträucher und Stauden gepflanzt. In der Kombination werde es rund. Das verlange Fingerspitzengefühl. Sonst heiße es am Ende: „Jetzt wollen sie hier auch noch an den Bepflanzungen sparen.“

Das Ausschussvotum fiel einstimmig aus.

22 Standorte

Blick auf die 22 vorgesehenen Standorte, die die Stadt im Frühjahr umgestalten will. Sie haben eine Mindestgröße von jeweils 100 Quadratmetern.

Ahlen:
Beckumer Straße / Ecke Edisonstraße
Daimlerstraße auf dem Gelände des neuen Baubetriebs- und Wertstoffhofes und gleich gegenüber rund um den Hügel
Feldstraße Höhe Lindweg
Beckumer Straße auf der neuen Verkehrsinsel
Kapellenstraße Ortseingang
Kapellenstraße Ecke Robert-Koch-Straße
Stadtpark
Martinstraße / Bolzplatz
Martinschule
Fritz-Reuter-Straße vor der Hela-Radrennbahn
Am Oelmühlenkamp auf der Bürgerobstwiese
Geschwister-Scholl-Schule
Von-der-Recke-Straße
Am Morgenbruch / Ecke Hammer Straße
Dolberger Straße in Höhe der Waschanlage
Platz der Städtepartnerschaft
Morsbachpark entlang des Umweges
Zeche „Westfalen“ auf den Wiesen an den Fördertürmen

Dolberg:
Lambertistraße in Höhe der Mehrzweckhalle
Dillweg / Ecke Weißdornweg
Dillweg / Ecke Twieluchtstraße
Markenweg entlang des Bolzplatzes

Vorhelm:
Dorffelder Straße entlang des Regenrückhaltebeckens
Hauptstraße Höhe Verkehrsinseln „Im versunkenen Garten“
Abenteuerspielplatz
Haarbachstraße, hier die Rasenstreifen nördlich entlang der Straße vor den Häusern
(Quelle: Verwaltungsvorlage)

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