Sanfte „Sabine“: Auch wenig Dachschaden macht Arbeit
Oben pfeift der Wind noch kräftiger

Ahlen -

Volle Auftragsbücher nach dem Orkantief bei Ahlens Dachdeckern. Im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen „Friederike“ und „Kyrill“ lässt „Sabine“ aber noch Luft. Versicherungskaufmann Oliver Rasfeld schätzt die Schadensmeldungen in einem ersten Vergleich bei unter einem Viertel.

Donnerstag, 13.02.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 20:24 Uhr
Dachakrobatik für ein paar Pfannen: Die Folgen des Orkantiefs haben Walter Stewings Wochenplan kräftig durcheinandergewirbelt. An der Weberstraße liegen drei Ziegel zerbrochen am Boden. Ein Dutzend ist oben in Schieflage.
Dachakrobatik für ein paar Pfannen: Die Folgen des Orkantiefs haben Walter Stewings Wochenplan kräftig durcheinandergewirbelt. An der Weberstraße liegen drei Ziegel zerbrochen am Boden. Ein Dutzend ist oben in Schieflage. Foto: Ulrich Gösmann

Grenzwertig wurde es gleich am Montagmittag. Auf die Restböen der Regen – Walter Stewing hätte auch ihn noch weggesteckt, aber: „Als der Hagel kam, war Schluss.“ „Sabines“ Sonntagsvisite wirbelt auch Stewings Wochenplan durcheinander. Sturmschäden sind abzuarbeiten. Dafür geht‘s – bei Wind und Wetter – rauf auf die Dächer. Hut ab!

Donnerstag, kurz nach zehn, Pfannenstopp an der Weberstraße. Stewings Drei-Mann-Team von der Firma Heitkamm ist zur Stelle. Leitern raus und rauf. Der Senior vorweg. Wieder Wind, wieder Regen. Doch wen stört‘s. „Drei Dachziegel sind runtergeflogen“, erzählt Auftraggeberin Stefanie Striethorst . Und das Gartentor steht in Schieflage. Den Termin hatte sie gleich am Montagmorgen gemacht. Die Freigabe ihrer Versicherung sei nur reine Formsache gewesen. Flott geht‘s jetzt auch auf ihrem Dach voran. Ein Dutzend Pfannen werden geradegezogen, dann kommen die neuen dazwischen.

Es fängt bei zwei bis drei Ziegeln an und hört bei zwei bis drei Quadratmetern auf.

Frederik Heitkamm

Im Büro koordiniert Frederik Heitkamm die Einsätze seiner sportlichen Elf. „Es fängt bei zwei bis drei Ziegeln an und hört bei zwei bis drei Quadratmetern auf“, sagt der Dachdeckermeister. 50 bis 70 Schäden seien in den vergangenen vier Tagen gemeldet worden. Zum Außendienst die Büroarbeit: Alles müsse für die Versicherung dokumentiert werden. Erst dann das Ok. Etliche Eingänge drängen nach Eile. Dort, wo Ziegel über Hauseingängen und Gehwegen augenscheinlich nur darauf warteten, von der nächsten Böe mitgenommen zu werden. Dennoch sei die Lage überschaubar. Und kein Vergleich zu dem, was die beiden ganz großen Stürme angerichtet hätten.

 

Orkantief "Sabine" im Münsterland

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  • In einer Bauerschaft in Gronau stürzte am Sonntagnachmittag ein Baum auf die Straße. Die Feuerwehr Gronau rückte zu ihrem ersten Einsatz aus.

    Foto: Feuerwehr
  • Kurzfristig wurde am Sonntagnachmittag der beliebte Flohmarkt auf der Zeche Westfalen in Ahlen abgesagt.  

    Foto: Ulrich Gösmann
  • In Gronau waren am Sonntagnachmittag Feuerwehr und THW im Einsatz, weil der Sturm Teile eines Flachdachs am Schäferweg umklappte. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • Am Hauptbahnhof in Münster bildeten sich lange Warteschlangen vor dem Reisezentrum. Für wartende Reisende wurde außerdem ein Hotelzug aufgestellt. 

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Münsteranerinnen und Münsteraner wurden am dringend aufgefordert, die Promenade zu meiden. Teilbereiche wurden schon am Sonntag von der Polizei gesperrt. 

    Foto: diverse
  • Wegen umgestürzter Bäume war die Königsstraße in Greven von Sonntagabend an vollständig gesperrt, meldet die Feuerwehr. 

    Foto: Feuerwehr Greven
  • In Heek riss Sturmtief "Sabine" am Sonntagabend Teile des Giebels eines Wohnhauses an der Ludgeristraße weg. Die Bewohner des Hauses wurden evakuiert.

    Foto: THW Ahaus
  • Am Montagmorgen musste die Feuerwehr in Gronau erneut ausrücken, weil am Wackengoorweg eine Baumkrone über der Fahrbahn hing. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • Am Zwinger in Münster musste am Montagmorgen ein Baum gefällt werden. 

    Foto: Martin Kalitschke
  • Auch das Albertus-Magnus-Familienwohnheim für Studierende am Horstmarer Landweg in Münster erlitt Sturmschäden. 

    Foto: Feuerwehr Münster
  • Zwischen Sonntagnachmittag und Montagvormittag gab es im Dorffeld in Vorhelm wegen umgestürzter Bäume kein Durchkommen mehr.

    Foto: Christian Wolff
  • In Heek musste das Haus, das am Sonntagabend durch den Sturm beschädigt wurde, komplett abgerissen werden. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • An dem beschädigten Haus in Heek war die Gefahr herabfallender Mauerteile zu hoch, weshalb das Gebäude abgerissen werden musste. 

    Foto: Bernd Schäfer
  • In dem Haus lebte eine siebenköpfige Familie, die am Sonntag evakuiert wurde. Für sie wird nun eine neue dauerhafte Unterkunft gesucht. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Feuerwehr Lengerich vermeldet 15 Einsätze am Sonntag. Sturmtief „Sabine" sorgte für umgestürzte Bäume, einen vollgelaufenen Keller - und ein umgestürztes Dixi-Klo. 

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde
  • Auch in Drensteinfurt musste die Feuerwehr Sturmschäden beseitigen. 

    Foto: Feuerwehr Drensteinfurt
  • In allen drei Ortsteilen Drensteinfurts mussten Feuerwehrleute insgesamt 19 Mal ausrücken. 

    Foto: Feuerwehr Drensteinfurt
  • Wegen des Sturms mussten Reisende teilweise unfreiwillig eine Nacht in Münster verbringen. 

    Foto: Björn Meyer

 

Aus meiner Sicht eine nicht so hoch eingetretene Schadenszahl und Schadenshöhe.

Oliver Rasfeld

Was „Provinzial“-Geschäftsstellenleiter Oliver Rasfeld bestätigt: „Aus meiner Sicht eine nicht so hoch eingetretene Schadenszahl und Schadenshöhe.“ Seit Montag seien durchaus viele Kundengespräche geführt worden. Doch das, was nach den Vorwarnungen zu erwarten gewesen wäre, sei nicht eingetreten. „Der letzte Sturm mit Friederike war am 18. Januar 2018. Wenn ich jetzt vergleiche, liegen wir bei 20 bis 25 Prozent“, so Rasfeld. Selbst der größte Schaden sei noch überschaubar: Der Versicherungskaufmann schätzt ihn auf 15 000 Euro. Ein Baum habe Teile einer Zaunanlage beschädigt und Spuren am Dach hinterlassen. Es gebe aber auch die Kleinstschäden, für die Versicherte anriefen. Auch dann, wenn an einer Giebelverkleidung eine Schieferplatte fehle. Da sei schnell ein Scheinchen weg.

Sportlich: Dachdecker Walter Stewing

Sportlich: Dachdecker Walter Stewing Foto: Ulrich Gösmann

Oliver Rasfeld muss ein großes Lob loswerden. An all diejenigen, die bei dieser Witterungssituation auf die Dächer steigen. Oftmals würden durch diesen beherzten Einsatz noch größere Folgeschäden verhindert.

Orkantief „Sabine“ ist für den Versicherungskaufmann noch nicht abgehakt. Erfahrungen zeigten, dass es Nachzügler geben dürfte. Immer wieder komme es vor, dass Schäden erst sichtbar würden, wenn es hereinregne. Zudem sei für Sonntag das nächste Sturm auf dem Weg. Naheliegend, dass „Viktoria“ dann an Schwachstellen rüttelt.

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