Museum der Menschheit
Ex-Kumpel werden Exponate

Ahlen -

Das Museum der Menschheit des niederländischen Fotografen Ruben Timman zeigt Gesichter. Auch Ahlener Gesichter.

Freitag, 21.02.2020, 14:28 Uhr aktualisiert: 21.02.2020, 17:49 Uhr
Ruben Timman und die Mitstreiter vom Museum der Menschheit. Nicht von ungefähr wählten sie die Zeche als Ort des Fotoshootings. Denn sie war schon immer ein Ort der Integration.
Ruben Timman und die Mitstreiter vom Museum der Menschheit. Nicht von ungefähr wählten sie die Zeche als Ort des Fotoshootings. Denn sie war schon immer ein Ort der Integration. Foto: Peter Schniederjürgen

Fotoshooting vor der Lohnhalle am Freitag: Ex-Bergleute und deren Angehörige und Kinder waren geladen, um sich ablichten zu lassen.

Schnöde Schnappschüsse sind Fotokünstler Ruben Timman dabei zu wenig. Schließlich nimmt er Menschen für sein Dauerprojekt Museum der Menschheit auf. Das kommt im Mai als Freiluftausstellung nach Ahlen.

Für das Museum der Menschheit fotografiert der Künstler aus den Niederlanden diesmal Ex-Kumpel. Mal alleine, mal mit Angehörigen, mal in zivil, mal in ihrer Arbeitskleidung von damals. „Die Zeche war ein bedeutender Ort für die Stadt und ist ein wunderbarer Ort, um die Bilder zu zeigen“, findet Ruben Timman.

Fotograf Ruben Timman bei der Arbeit.

Fotograf Ruben Timman bei der Arbeit. Foto: Peter Schniederjürgen

 

Denn hier und an anderen Orten in der Stadt werden Porträts von Ahlenern und anderen Frauen und Männern zu sehen sein. „Dazu werden die Bilder auf rund dreimal fünf Meter vergrößert“, verrät Mitinitiator Dietmar Zöller . Der Innosozial-Geschäftsführer sieht in der alten Zeche ebenfalls einen wichtigen Ort. „Hier fand schon immer Integration durch Arbeit statt“, sagt Dietmar Zöller. Der heutige Hausherr, der Geschäftsführer der Projektgesellschaft Westfalen Hermann Huerkamp, kann sich nur anschließen: „Das war mit rund 5000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber und wichtig für die ganze Stadt.“

Hier fand schon immer Integration durch Arbeit statt.

Dietmar Zöller

An der Lohnhalle entlang dem Mannschaftgang und an der Halle von Schacht II sollen die riesigen Porträts zu sehen sein. Die Eröffnung der Ausstellung findet allerdings auf dem Gebrüder-Kerkmann-Platz statt – am Samstag 9. Mai.

Nurittin Gündüz ist mit seiner Tochter Bilgin zur Zeche gekommen. „Ich habe in der Wasserhaltung gearbeitet“, erzählt der Ex-Kumpel dem Fotografen. Die Deutschkenntnisse des Bergmanns sind ebenso überschaubar wie die des Niederländers. Da werfen Bergbaubegriffe schon mal Verständnisprobleme auf. Die können aber dann doch mit Händen und Füßen überbrückt werden.

Der Fotograf richtet seine Modelle aus.

Der Fotograf richtet seine Modelle aus. Foto: Peter Schniederjürgen

Eifrig lernt der Fotograf von seinen Modellen, die er immer passend zu Kamera ausrichtet. Nicht ganz einfach, denn im Hintergrund sammeln sich immer mehr Ex-Westfalener, die sich ebenfalls ablichten lassen wollen. Das sorgt für Ablenkung. Doch Ruben Timman behält die Ruhe.

Nach Ahlen eingeladen wurde der Fotokünstler von Innosozial. Aber wie kam es dazu? Den Ursprung nahm es wohl während Timmans Arbeit in Kambodscha zur Zeit der Pol-Pot-Herrschaft. „Hier arbeitete ich als Pfleger mit meiner Frau auf den Killing Fields in einem riesigen Gefangenenlager“, erzählt er. Da sei der Gedanke entstanden, das Erlebte im Bild festzuhalten. Zurück in den Niederlanden studierte Ruben Timman Fotografie und war schließlich als Dokumentarfotograf in aller Welt unterwegs. In Vietnam träumte er dann von einem Museum der Menschheit. Der Niederländer fand später nahe seinem Zuhause ein verfallenes Verwaltungsgebäude – wie in seinem Traum. Das wurde der erste, wenn auch illegale Ausstellungsort.

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