Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“
Solidaritätsbekundungen reichen nicht

Ahlen -

„Tu deinen Mund auf für andere“ lautet das Motto der diesjährigen „Woche der Brüderlichkeit“. Am Sonntag fand die Eröffnung im Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus statt.

Montag, 09.03.2020, 16:14 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 17:26 Uhr
Die Mitglieder des Forums Brüderlichkeit und die Vertreter der Stadt eröffneten am Sonntag die „Woche der Brüderlichkeit“: Benedikt Ruhmöller, Lothar Weichel, Nadine Köttendorf, Gastredner Dirk Neubauer, Raphael Fischer, Rita Pöppinghaus-Voss und Lars Koenig.
Die Mitglieder des Forums Brüderlichkeit und die Vertreter der Stadt eröffneten am Sonntag die „Woche der Brüderlichkeit“: Benedikt Ruhmöller, Lothar Weichel, Nadine Köttendorf, Gastredner Dirk Neubauer, Raphael Fischer, Rita Pöppinghaus-Voss und Lars Koenig. Foto: Reinhard Baldauf

In Zeiten von Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus hat die „Woche der Brüderlichkeit“ eine besondere Bedeutung. Das zeigte am Sonntagnachmittag auch die Eröffnung der Ahlener Veranstaltungsreihe im Goldschmiedemuseum. Museumsleiter Raphael Fischer und die Leiterin der Volkshochschule , Nadine Köttendorf, begrüßten die Gäste und wünschten einen informativen sowie unterhaltsamen Nachmittag. Musikalisch eingeleitet wurde die Eröffnung von Carlotta, Katharina und Hannah von Städtischen Gymnasium.

Besondere Gäste waren die stellvertretende Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus-Voss, Benedikt Ruhmöller als Schirmherr der diesjährigen „Woche der Brüderlichkeit“ und Gastredner Dirk Neubauer , Bürgermeister aus der sächsischen Kleinstadt Augustusburg. Wie VHS-Leiterin Nadine Köttendorf konstatierte, passte das diesjährige Motto „Tu deinen Mund auf für andere“ sehr gut zum Vortrag Neubauers. Sie machte außerdem darauf aufmerksam, dass die Fahrt am 15. März nach Münster mit einem Besuch der Jüdischen Kultusgemeinde und der Villa ten Hompel ausfällt. Die Gemeinde führt wegen Corona in der nächsten Zeit keine Gruppen durch die Synagoge. Die Fahrt werde aber nach geholt.

Radikale Aufforderung

Rita Pöppinghaus-Voss zeigte in ihrem umfangreichen Grußwort auf, dass „Tu deinen Mund auf für andere“ eine „radikale Aufforderung“ an alle sei, „einzustehen für diejenigen, die keine laute Stimme haben“: „Eine Mahnung, uns denjenigen zuzuwenden, die schwach und hilflos sind. Und es ist eine Aufforderung, uns selbst zurückzunehmen, nicht nur unsere eigenen Wünsche in der Vordergrund zu stellen“, betonte die stellvertretende Bürgermeisterin. Ähnlich sah es später auch der sächsische Bürgermeister Dirk Neubauer.

Rita Pöppinghaus-Voss verurteilte zudem die beispiellose Welle rechtsgerichteter Gewalt. „Zu vergleichen nur mit den Anschlägen in Orten wie Solingen, Mölln oder Rostock-Lichtenhagen Anfang der 1990-er Jahre, die uns beschämten“, sagte sie. Wie damals müssten heute wieder Menschen in Angst leben, „weil sie nicht den Glauben der Mehrheit tragen oder ganz einfach nur anders aussehen“. Für sie war klar: „Es wird nicht reichen, diesen Menschen das Gefühl der Sicherheit alleine durch aufrichtig gemeinte Bekundungen der Solidarität zu vermitteln.“

Lehren aus der Nazizeit

Die staatlichen Stellen seien aufgefordert, mit allen Mitteln der wehrhaften Demokratie die Bedrohungen zurückzuweisen. Alle seien aufgefordert, den Mund aufzumachen und Stellung zu beziehen. Noch sei es Zeit, Lehren aus der Nazizeit zu ziehen. Die Gesellschaft sei gut beraten auf die Worte des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Martin Niemöller zu hören, der gesagt hatte: „Als Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe sich geschwiegen. Ich war ja keine Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Sehr deutlich wandte sich Rita Pöppinghaus-Voss gegen die Hetze gegen Migranten, das Bedienen antisemitischer Narrative und die Verächtlichung von Staat und Medien, wie es auch systematisch von der AfD betrieben werde. Die Meinungspluralität müsse vielmehr erhalten bleiben.

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