Gottesdienst aus der Ludgerikirche
Publikum in ganz Europa

Ahlen -

Aus St. Ludgeri in die ganze Welt: Am Sonntag wurde die Messe live übertragen.

Montag, 23.03.2020, 11:50 Uhr
Dank der Fotoaktion mussten sich die Pfarrer Willi Stroband und Dr. Ludger Kaulig sowie Kantor Martin Göcke (v.l.) nicht ganz allein in der Ludgerikirche fühlen. 92 Gemeindemitglieder waren mit ihren Porträts zumindest virtuell anwesend.
Dank der Fotoaktion mussten sich die Pfarrer Willi Stroband und Dr. Ludger Kaulig sowie Kantor Martin Göcke (v.l.) nicht ganz allein in der Ludgerikirche fühlen. 92 Gemeindemitglieder waren mit ihren Porträts zumindest virtuell anwesend. Foto: Ralf Steinhorst

Menschenleer waren Ahlens Straßen am Sonntagmorgen. Auch diejenigen, die sich sonst auf dem Weg zur Kirche befinden, fehlten. Denn der Besuch der Gottesdienste ist in Zeiten des Coronavirus ebenfalls nicht möglich. Eine Messe aber gab es dann doch, um 10 Uhr wurde sie aus der leeren St.-Ludgeri-Kirche über das Internet in die Wohnzimmer der Gläubigen übertragen.

„Ich brauche das nicht, aber es ist schön, so mit den Menschen in Verbindung zu bleiben“, stellte sich Pfarrer Willi Stroband vor dem Gottesdienst auf die ungewohnte Atmosphäre ein. Zusammen mit seinem Amtsbruder Dr. Ludger Kaulig zelebrierte er die Eucharistiefeier, musikalisch begleitet von Kantor Martin Göcke auf dem Keyboard. Gut postiert im Altarraum, um von den Kameras von Stefan Braunsmann gut erfasst werden zu können. Dieser wurde von Tontechniker Michael Oertel sowie Thorsten Koch und Simon Großmöller unterstützt, die das Streaming übernahmen.

Herzlich begrüße ich Sie daheim an den Bildschirmen.

Dr. Ludger Kaulig

„Herzlich begrüße ich Sie daheim an den Bildschirmen“, wandte sich Dr. Ludger Kaulig an seine virtuelle Gemeinde, um gleich darauf hinzuweisen, dass es die geistige Kommunion bisher schon gab für diejenigen, die nicht zur Kirche kommen konnten. Die moderne Variante löste auch eine gewisse Stille in der Kirche aus, die Techniker verständigen sich nur mit Gesten.

Die Predigt übernahm Willi Stroband. Auch hier fiel die Begrüßung aus dem Rahmen: „Liebe Menschen hier in Ahlen und überall in Europa – das wollte ich immer schon mal sagen.“ Aber das sei ja nicht das Thema. Zumindest gebe es an der Krise etwas Gutes, dass die Menschen danach das Leben doch eigentlich noch mehr genießen und mehr auf Kleinigkeiten achten sollten. Er freue sich beispielsweise darauf, wieder an der Werse sitzen zu können. „Werse, das ist ein Fluss“, fügte der Pfarrer dann noch schnell erklärend für die Zuschauer außerhalb Ahlens hinzu. Stroband hatte, wie er erzählte, im Vorfeld „Freunde in ganz Europa“ auf das Streaming aufmerksam gemacht.

Liebe Menschen hier in Ahlen und überall in Europa – das wollte ich immer schon mal sagen.

Pfarrer Willi Stroband

Die Fotoaktion hat auch Spuren hinterlassen, wenn schon die Gläubigen nicht selbst in den Bankreihen sitzen können, dann sollten doch wenigstens ihre Porträts die Geistlichen vorne am Altar anschauen. Auch ohne Mindestabstand. 92 Gemeindemitglieder haben innerhalb von wenigen Tagen mitgemacht. „Wir nehmen auch weiterhin Fotos an, wäre doch toll, wenn wir damit die Kirche voll bekommen“, lauteten dann auch die Schlussworte von Pfarrer Kaulig.

Wie der Gottesdienst für ihn gewesen sei? „Eigenartig, aber die Fotos haben geholfen mir vorzustellen, dass ich die Gemeindemitglieder vor mir hatte.“ Vielleicht vergrößere das die Vorfreude darauf, dass alle wieder in den Bänken sitzen können. „Ins Fernsehen wollte ich schon immer“, nahm es derweil Martin Göcke mit Humor. Aber seine Konzentration sei größer gewesen als normal. Schließlich wolle man sich ja nicht verspielen oder versingen.

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