Umstellung auf Online-Unterricht
Von wegen verlängerte Ferien

Ahlen -

Für Lehrer stellt sich eine neue Herausforderung. Johannes Epke berichtet, wie ungewohnt es für ihn ist, online Unterricht zu gestalten.

Dienstag, 24.03.2020, 15:26 Uhr
In den letzten Monaten
In den letzten Monaten Foto: Lisa Voss-Loermann

Traumberuf Lehrer? In Zeiten des Coronavirus könnte man auf die Idee kommen, die Pauker lägen auf der faulen Haut. Alle Schulen sind geschlossen, und das Lehrpersonal sitzt wahrscheinlich zuhause im heimischen Garten und genießt die Sonne.

Doch weit gefehlt! Geschlossene Schulen sind keineswegs eine Garantie für freie Zeit bei den Lehrern, wie Johannes Epke vom Gymnasium St. Michael im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt. Religion und Geschichte sind seine Fächer, und er unterrichtet im laufenden Schuljahr alle Klassen von der Jahrgangsstufe sechs bis zum Abijahrgang Q 2. Dass dieses Schuljahr das letzte komplette in Epkes Laufbahn sein wird, steht schon fest, denn im Februar 2021 verabschiedet sich der Pädagoge in die Pensionierung.

Kein Digitalfreak

Unruhige Zeiten kurz vor dem Ruhestand sind das also, denn an Herausforderungen mangelt es dem „alten Hasen“ derzeit nicht. Zum ersten Mal in seiner jahrzehntelangen Lehrertätigkeit muss Johannes Epke den Unterricht online gestalten. Da er sich selbst nicht gerade als Digitalfreak sieht, muss er da tatsächlich ganz neu in die Materie einsteigen. „Gott sei Dank gibt es eine Onlineplattform des Bistums Münster als Träger unserer Schule“, erzählt er. „Das ist so eine Art Chat-Plattform, über die ich mit den Schülern kommunizieren kann“, erklärt er weiter. „Das heißt, ich kann dort hinein Mitteilungen schreiben und Aufgaben definieren.“

Das Gute daran: Jede Jahrgangsstufe hat ihren eigenen Zugang und ihre eigenen Aufgabenstellungen, sodass bedarfsgerecht Unterricht erteilt und Stoff abgefragt werden kann. „Als Ausgangspunkt nehme ich die jeweiligen Lehrbücher, die die Schüler ja auch zuhause haben“, so Epke.

Ich kann dort hinein Mitteilungen schreiben und Aufgaben definieren.

Johannes Epke

Was Epke als großen Vorteil empfindet, ist die Tatsache, dass viele Schüler mit der Onlinemethode Lernen ganz neu entdecken und offenbar richtig Spaß daran haben. „Die sind zum Teil richtig gut bei der Sache und arbeiten sehr eifrig mit“, freut sich der Lehrer.

Blick auf die Homepage

Blick auf die Homepage Foto: Lisa Voss-Loermann

Und wie genau sieht der Unterricht dann aus? Was kann man von den Schülern verlangen? Johannes Epke gibt direkt mehrere Beispiele für seinen Unterricht im Internet, der von den Schülern einiges an Eigeninitiative verlangt. „Der Jahrgangsstufe sechs etwa habe ich als Aufgabe gestellt, einen Film über die Missionsreisen des Heiligen Paulus anzusehen, der bei Youtube eingestellt ist. Das passt gut zu dem, was wir vor der Schulschließung gemacht haben. Da hatten die Schüler nämlich die Aufgabe, einen Reiseführer über die Stationen des Paulus zu erstellen.“ Jetzt erhalten sie also über die Internetplattform Informationen zu den Paulusreisen, aufgrund derer sie ihre Aufgabe erfüllen können. „Anschließend können mir die Kinder jeweils eine E-Mail schicken, an die sie die erfüllte Aufgabe anhängen. Die kann ich dann korrigiert zurückschicken.“ Wenn das kein zeitgemäßer Unterricht ist.

Youtube und Wikipedia

Johannes Epke hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass er in den letzten Monaten seines Lehrerdaseins noch so arbeiten würde. Aber den Schülern mache das offensichtlich Spaß, stellt er fest. „In der Oberstufe etwa habe ich die Aufgabe gestellt, für den Geschichtsunterricht einen Youtube-Film über die Industrialisierung Deutschlands anzusehen. Anhand von Fragen werden die Schüler auf die daraus resultierenden Probleme und Vorteile aufmerksam gemacht und abgefragt.“

Epke betont, sowohl Youtube als auch Wikipedia seien für den Unterricht sehr gut geeignete Plattformen mit vielen Filmen und Texten. In Zusammenarbeit mit den Lehrbüchern, so der Pädagoge, sei ein hochwertiger Unterricht möglich, auch wenn die Schulen geschlossen seien. „Ich muss allerdings zugeben, dass meine jüngeren Kollegen sich und den Kindern da noch ganz andere Möglichkeiten erschließen mit Videokonferenzen und anderem“, erzählt er mit einem Lächeln. Dennoch laufe es richtig gut, und von Ferien könne man auf gar keinen Fall sprechen. Die beginnen erst am 5. April.

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