Unterwegs mit dem Ordnungsamt
Freundlich und doch knallhart

Ahlen -

Konsequent geht das Ordnungsamt gegen Personen vor, die gegen das Kontaktverbot verstoßen. Auch am Wochenende waren Doppelstreifen unterwegs.

Sonntag, 29.03.2020, 15:05 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 12:00 Uhr
Der erste Eindruck täuscht: Sebastian Altena und Julian Jakobs (v. l.) nehmen zwar zunächst die Personalien der Dreiergruppe auf. Die erweist sich dann allerdings als Geschwistertrio.
Der erste Eindruck täuscht: Sebastian Altena und Julian Jakobs (v. l.) nehmen zwar zunächst die Personalien der Dreiergruppe auf. Die erweist sich dann allerdings als Geschwistertrio. Foto: Ralf Steinhorst

Seit dem 22. März gelten die 15 Paragrafen der Corona-Schutzverordnung. Eine explosionsartige Ausbreitung des Virus soll durch „Social Distancing“ verhindert werden. Neben der Polizei kontrolliert das Ordnungsamt mit Streifen die Einhaltung der Regeln.

Samstagmittag, 14 Uhr. Sebastian Altena und Julian Jakobs vom Ordnungsamt sind schon seit 12 Uhr auf Streife, haben zunächst zu Fuß einen Gang durch die Innenstadt gemacht und wechseln nun ins Auto. Der Tag wird wieder lang, der Feierabend ist um 22 Uhr vorgesehen. Immer mit dabei: die Corona-Schutzverordnung. „Auf den Straßen ist es relativ ruhig“, begrüßt mich Sebastian Altena. Ich werde beide für zwei Stunden begleiten.

Wir sprechen die bewusst an, damit sie wissen, wir haben sie auf dem Schirm.

Sebastian Altena

Zwei Zweimannteams sind in dieser Schicht unterwegs, bei größeren Problemgruppen ziehen sie sich zusammen. Gehen sie auf Streife, melden sie sich bei der Polizei an, der Draht soll eng sein. Eine bestimmte Route gibt es nicht, Ziele werden nach Bedarf angesteuert, wie die Wersebrücke über den Konrad-Adenauer-Ring. Über Facebook haben die beiden Beamten erfahren, dass dort ein Treffen Jugendlicher stattfinden soll. Bei Ankunft sind es nur zwei, die unter der Brücke liegen. Beide Beamten stellen sich freundlich vor und mahnen, wenn nur eine Person dazu komme, koste es 200 Euro. Für jeden. „Wir sprechen die bewusst an, damit sie wissen, wir haben sie auf dem Schirm“, erklärt Sebastian Altena wenig später.

Sebastian Altena entsorgt Fast-food-Reste am Jugendzentrum Ost. Ein Beleg dafür, dass sich dort eine größere Personengruppe aufgehalten haben muss.

Sebastian Altena entsorgt Fast-food-Reste am Jugendzentrum Ost. Ein Beleg dafür, dass sich dort eine größere Personengruppe aufgehalten haben muss. Foto: Ralf Steinhorst

Im Stadtpark treffen die Ordnungsbeamten vermeintlich auf drei Freundinnen, die zusammen das Wetter genießen. „Haben Sie einen Ausweis dabei?“, fragt Sebastian Altena ruhig nach. Leider nein. Sie seien Geschwister, beteuern die drei. Ein glaubwürdiger Anruf beim Vater bestätigt das schließlich. Die Beamten empfehlen den Schwestern, zukünftig ihren Ausweis mitzuführen, das würde Kontrollen vereinfachen. „Drei Schwestern hatten wir auch noch nicht“, sagt Sebastian Altena anschließend lächelnd im Auto.

Wir wollen mit den Geschäften immer gute Lösungen finden.

Sebastian Altena

Nächste Station ist die Skaterbahn an der Friedrich-Ebert-Halle. Diese nutzen zwei Jugendliche. Sie seien doch nur zu zweit, entgegnen beide. Dass Spiel- und Sportplätze geschlossen sind, hätten sie nicht gewusst, es sei ja schließlich nichts abgesperrt. Man könne in der Situation auch nicht alles absperren, entgegnen die Beamten. Das Gespräch verläuft auf beiden Seiten freundlich. Das Ordnungsgeld wird teuer. Die Personalien gehen an den Innendienst, die Betroffenen können sich dann noch einmal schriftlich äußern. Es wird deutlich, die Beamten sind freundlich, aber knallhart in der Sache. Die Zeit der Abmahnungen ist vorbei.

Zeit, mal ein geöffnetes Geschäft zu kontrollieren, der Penny-Markt am Röteringshof ist das nächste Ziel. „Wir wollen mit den Geschäften immer gute Lösungen finden“, betont Sebastian Altena. Der stellvertretende Marktleiter Mark Goeke empfängt die Beamten entspannt. Ein Kunde pro zehn Quadratmeter darf sich im Laden befinden, der Penny-Markt bedient sich einer Idee. Jeder Kunde, auch Kinder, müssen mit Einkaufswagen den Laden betreten. Die sind abgezählt, am Eingang kontrolliert das ein Mitarbeiter. Für Mark Goeke ist das kein Problem. „Wir wollen ja so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren“, sieht er die Verordnung als Ansatz gerechtfertigt.

Wir wollen ja so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren.

Mark Goeke

Zwei anschließende Einsatzorte, hervorgerufen durch Meldungen aus der Bevölkerung, erweisen sich als Falschmeldungen. Trotzdem ziehen sich beide Teams zusammen, Victor Kahlkopf und Torsten Falke stoßen als Unterstützung dazu. „Wir fahren Sport- und Spielplätze an, die nicht abgeflattert sind“, erklärt Torsten Falke seinen Schwerpunkt in der Schicht.

Victor Kahlkopf trassiert einen Bolzplatz an der Barbaraschule, um die Sperrung zu verdeutlichen. Aber auch für nicht trassierte Spiel- und Sportplätze gilt konsequentes Betretungsverbot.

Victor Kahlkopf trassiert einen Bolzplatz an der Barbaraschule, um die Sperrung zu verdeutlichen. Aber auch für nicht trassierte Spiel- und Sportplätze gilt konsequentes Betretungsverbot. Foto: Ralf Steinhorst

Nach über zwei Stunden verlasse ich das Team wieder. „Ich hoffe, es bleibt alles entspannt“, verabschieden sich beide Beamte von mir und haben da schon auf dem Schirm, dass sie am Abend eine illegal geöffnete Gastronomie besuchen werden.

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