Sammler Johannes Kohlstedt wertet Bestand aus
Jeder Totenzettel ist wichtig

Ahlen -

Totenzettel sind die große Sammelleidenschaft von Johannes Kohlstedt. Doch nicht nur wegen ihrer oft aufwendigen Gestaltung, sondern besonders zum Zwecke der Geschichts- und Familienforschung.

Freitag, 10.04.2020, 14:56 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 16:33 Uhr
Johannes Kohlstedt mit einem Teil der Totenzettel, die er noch erfassen muss. Jeder einzelne ist wichtig, um Familienlinien nachvollziehen zu können. Ein Spezialscanner hilft ihm dabei, die Totenzettel schnell zu erfassen. Eine mit Norbert Mende (nicht im Bild) entwickelte Software bietet Übersichtlichkeit und schnelle Zugriffe.
Johannes Kohlstedt mit einem Teil der Totenzettel, die er noch erfassen muss. Jeder einzelne ist wichtig, um Familienlinien nachvollziehen zu können. Ein Spezialscanner hilft ihm dabei, die Totenzettel schnell zu erfassen. Eine mit Norbert Mende (nicht im Bild) entwickelte Software bietet Übersichtlichkeit und schnelle Zugriffe. Foto: Ralf Steinhorst

Der Karfreitag ist einer der wenigen Tage im Jahr, an dem der Tod in den Fokus gerückt wird. An diesem Tag ist es die Kreuzigung und damit der Tod Jesu Christi. Nicht selten sind Kreuzigungsszenen auf Totenzetteln abgedruckt, die auf Beerdigungen verteilt werden. Für den Familienforscher Johannes Kohlstedt sind sie eine wichtige Grundlage seiner Arbeit.

Bedeutung der Karfreitagssymbolik

Totenzettel als Bestandteil der Karfreitagssymbolik: „Sie werden auf Beerdigungen mit der Bitte zu einem Gebet für den Verstorbenen ausgegeben.“ Diese kleinen, oft filigran gestalteten Objekte bieten für den Familienforscher aber auch die Gelegenheit, in Familienhistorien zu schauen. „Ich habe Menschen kennengelernt, mit denen ich einen gemeinsamen Ur-Ur-Großvater habe“, sagt er. In seinem eigenen Umfeld habe er schon so manche Überraschung erlebt. Familienforschung bedeute eben auch zu wissen, was von einem Vorfahren in einem selbst stecke.

55 000 Totenzettel hat Johannes Kohlstedt in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt, meist aus privaten Beständen. Mit seinem Kollegen Norbert Mende hat er sie mit einem selbstentwickelten EDV-Programm zum Großteil eingescannt und katalogisiert. Beide können die Daten so auch anderen Familien- oder Heimatforschern zugänglich machen. „Jeder Totenzettel ist wichtig“, betont der Gerontologe. Denn manchmal fehlt ein bestimmter Totenzettel, um einen Familienzweig wiederzufinden. Das ist wie ein Puzzlespiel, in dem jedes Teil das Bild ergänzen und vervollständigen kann. So lassen sich beispielsweise Familienbeziehungen über die Dorfgrenzen hinweg nachvollziehen.

Bauernfamilie übergab gefüllte Zigarrenkiste

Typisch ist, dass Totenzettel aus privaten Beständen zu Johannes Kohlstedt gelangen. Wie zum Beispiel von einer Bauernfamilie, die ihm vor wenigen Wochen eine Zigarrenkiste mit Totenzettel übergab, die 30 bis 40 Jahre unbemerkt auf einem Speicher schlummerte und eigentlich entsorgt werden sollte. Für Johannes Kohlstedt wäre das ein Verlust von über 200 Totenzetteln gewesen, die so für die Nachwelt gerettet sind. Allein diese haben mehrere Familienlinien ergänzt.

Seit drei Jahren pflegt Johannes Kohlstedt auch eine Kooperation zum Kreisarchiv und auch zum Westfälischen Museum für religiöse Kultur Religio in Telgte, die ihm ihre Totenzettelbestände vorübergehend zum Erfassen zugänglich gemacht haben. Denn das Erfassen ist für Johannes Kohlstedt wichtig, er muss Totenzettel nicht unbedingt in seinen eigenen Bestand übernehmen. Was natürlich auch für private Bestände gilt. Durch die neuen Quellen Kreisarchiv und Religio konnte er seine die Forschung vom Altkreis Beckum auf den heutigen Kreis Warendorf erweitern.

Johannes Kohlstedt freut sich deshalb über jeden, der ihm Totenzettel zur geschichtlichen Sicherung zuleitet, ob nur zum Erfassen geliehen oder auch zur Aufnahme in seinen Bestand. Zu erreichen ist er unter Telefon 8 11 20. Damit Familiengeschichten nicht verloren gehen.

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